Virus in Deutschland Nordrhein-Westfalen sucht nach weiteren Infizierten

Fünf Menschen sind bislang in Nordrhein-Westfalen an Covid-19 erkrankt, weitere könnten sich angesteckt haben. Behörden rufen nun mögliche Betroffene auf, sich zu melden - auch Teilnehmer einer Karnevalssitzung.
Rathaus Heinsberg: derzeit fünf Infizierte in NRW

Rathaus Heinsberg: derzeit fünf Infizierte in NRW

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Jonas Güttler/ dpa

In Nordrhein-Westfalen suchen die Behörden nach fünf bestätigten Coronavirus-Fällen nun mit größeren Aktionen nach möglichen weiteren Infizierten. In Gangelt im Kreis Heinsberg sind die rund 300 Besucher einer Karnevalsveranstaltung aufgerufen, sich bei den Behörden zu melden . Alle Besucher und ihre Familien müssten für 14 Tage in häusliche Quarantäne gehen, teilte das NRW-Gesundheitsministerium mit.

In Mönchengladbach läuft am Krankenhaus Maria Hilf die Suche nach Menschen, die Kontakt zu einem mit dem Coronavirus infizierten Arzt hatten. Der Mann befinde sich in häuslicher Quarantäne. Der Mediziner wohnt nach diesen Angaben im Kreis Heinsberg.

Alle bislang bekannten Infizierten hatten nach Erkenntnissen der Behörden Kontakt mit einem Ehepaar aus Gangelt, das im Moment an der Uniklinik Düsseldorf behandelt wird. Es sei nun entscheidend, alle Kontaktpersonen der Infizierten ausfindig zu machen, sagte ein Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums. Unterdessen ist weiter unklar, wo sich das Ehepaar angesteckt hat.

Testergebnisse von 65 Kitakindern erwartet

Im Laufe des Tages erwarten die Behörden zahlreiche weitere Testergebnisse von Kontaktpersonen, die sich möglicherweise bei dem Ehepaar angesteckt haben könnten. Dazu zählen etwa die Kinder des Paares, die rund 65 Kinder der Kita, in der die Erkrankte als Erzieherin tätig war sowie Dutzende Teilnehmer der Karnevalsveranstaltung. Je nach Ergebnis dieser Tests wollen die Behörden entscheiden, ob für weitere Personenkreise häusliche Quarantäne angeordnet wird.

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Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

Mit den Maßnahmen wollen die Behörden erreichen, dass sich das neue Coronavirus nicht weiter ausbreitet. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte allerdings am Mittwoch bereits gesagt: "Wir können nicht garantieren, dass wir die Infektionsketten gestoppt kriegen."

Vier Fälle in Baden-Württemberg, einer in Rheinland-Pfalz

Auch in anderen Bundesländern gibt es seit diesem Dienstagabend neue Erkrankungen: In Baden-Württemberg wurden bis Mittwochabend vier Infektionsfälle nachgewiesen. Darunter war nach Angaben des Gesundheitsministeriums ein 25-Jähriger aus dem Landkreis Göppingen. Er habe sich vermutlich bei einer Reise nach Mailand mit Sars-CoV-2 infiziert und nach seiner Rückkehr grippeähnliche Symptome entwickelt. Er wird in einer Klinik in Göppingen behandelt.

Bei den anderen Fällen handelt es sich nach Angaben der Uniklinik Tübingen um seine 24 Jahre alte Reisebegleiterin und deren 60-jährigen Vater. Dieser arbeitet als Oberarzt in der Pathologie der Uniklinik. Beide werden im Krankenhaus isoliert behandelt. "Sie sind in gutem Zustand und fühlen sich wohl", sagte Nisar Malek, Ärztlicher Direktor an der medizinischen Klinik. Zudem wurde das Virus bei einem 32-Jährigen im Landkreis Rottweil nachgewiesen, wie das Gesundheitsministerium in Stuttgart mitteilte. Er war kürzlich in Italien gewesen.

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In Rheinland-Pfalz wurde das Virus Sars-CoV-2 bei einem Soldaten nachgewiesen. Er werde im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz behandelt, teilte die Bundeswehr mit. Nach ersten Recherchen der Bundeswehr war der Soldat, der in der Verwaltung der Flugbereitschaft eingesetzt ist, eng mit dem erkrankten Ehepaar aus NRW befreundet. Offenbar war der Soldat auch auf der Karnevalsfeier, die das Paar besucht hatte, und hat sich möglicherweise dort infiziert.

In Deutschland waren bereits vor mehr als zwei Wochen insgesamt 16 Sars-CoV-2-Infektionen gemeldet geworden, die bislang jedoch nicht zu weiteren bekannten Ansteckungen geführt haben. Darunter waren Mitarbeiter und Angehörige eines bayerischen Autozulieferers, bei dem eine chinesische Mitarbeiterin ein Seminar gegeben hatte, bevor ihre Erkrankung bekannt wurde. Außerdem zählten Rückkehrer aus der Krisenregion Wuhan in China dazu.

Spahn: Beginn einer Epidemie in Deutschland

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte am Mittwoch gesagt: "Wir befinden uns am Beginn einer Corona-Epidemie in Deutschland". Die Infektionsketten seien teilweise nicht nachzuvollziehen. Spahn sagte, noch sei Deutschland in der Phase, mögliche Infektionen frühzeitig zu erkennen und Kontaktpersonen zu isolieren.

DER SPIEGEL

Es könne aber die Phase eintreten, in der nicht alle Kontakte ermittelt werden könnten. Der Minister rief die Bevölkerung auf, nicht bei jedem Husten zum Arzt zu gehen. Aber die Bürger sollten ihren Hausarzt anrufen, wenn sie innerhalb von 14 Tagen nach einer Reise in ein Risikogebiet Fieber, Husten oder Atemnot hätten. Bei vorhandener Symptomatik und einem Verdacht solle besser einmal mehr auf das Virus getestet werden als einmal zu wenig.

kko/dpa/AFP
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