Verspätete Quarantäne Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Corona-Ausbreitung in Ischgl

In Ischgl soll bereits Ende Februar eine Gastronomiemitarbeiterin positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden sein. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft - denn damals unternahm offenbar niemand etwas.
Immer voll in Ischgl, hier bei einem Konzert 2019: Von hier aus verbreitete sich das Coronavirus in ganz Europa

Immer voll in Ischgl, hier bei einem Konzert 2019: Von hier aus verbreitete sich das Coronavirus in ganz Europa

Foto: Jan Hetfleisch/ Getty Images

Die Staatsanwaltschaft Innsbruck hat Ermittlungen zur Ausbreitung des Coronavirus im Wintersportort Ischgl aufgenommen. Es bestehe der Verdacht, dass ein Gastronomiebetrieb Ende Februar einen positiven Test einer Mitarbeiterin nicht den Gesundheitsbehörden gemeldet habe, teilte die Behörde mit.

"Es ist unbekannt, um welchen Betrieb es sich dabei handeln soll und ob tatsächlich Meldepflichten verletzt wurden", so die Staatsanwaltschaft weiter. Das Land Tirol hatte der Behörde eine Anfrage des ZDF mit dem entsprechenden Verdacht weitergeleitet.

Tirol und die Tourismusbranche vor Ort waren in den vergangenen Tagen scharf kritisiert worden, weil der Skitourismus mit seinen Après-Ski-Partys die internationale Ausbreitung des Coronavirus verstärkt haben könnte. Vor allem Ischgl geriet deshalb ins Visier. Dort war der Barkeeper einer hoch frequentierten Après-Ski-Bar bereits am 7. März positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden, Maßnahmen wurden allerdings erst Tage später ergriffen.

Quarantäne kam zu spät

Dem Land Tirol wird vorgeworfen, den Skibetrieb nicht schnell genug gestoppt zu haben. Als am 13. März über Ischgl und weitere Orte eine Quarantäne verhängt wurde, kam es zudem zu chaotischen Zuständen bei der fluchtartigen Abreise zahlreicher internationaler Gäste. Auch dafür hagelte es Kritik. Erst am 15. März fand die Skisaison ihr vorzeitiges Ende - einsichtig zeigte sich der Bürgermeister der Gemeinde auch da nicht.

"Irgendwer muss das Virus ja zu uns gebracht haben", verteidigte Bürgermeister Werner Kurz sein Krisenmanagement gegenüber dem SPIEGEL .

Die Tiroler Landesregierung aus ÖVP und Grünen kündigte nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA an, dass sie den weiteren Parteien im Landtag die Einrichtung einer unabhängigen Expertenkommission vorschlagen werde. So sollten die im Raum stehenden Fragen und Vorwürfe transparent aufgearbeitet werden, sagte demnach der Tiroler ÖVP-Fraktionschef Jakob Wolf.

In den vergangenen Tagen hatte Landeschef Günther Platter (ÖVP) betont, dass seine Regierung und die Behörden "das Menschenmögliche getan" hätten, um die Bevölkerung zu schützen. Er räumte aber ein, dass alle Beteiligten in einer solchen Krise auch stets dazulernen würden.

lmd/dpa