Frank Ulrich Montgomery Weltärztepräsident warnt vor Lockerungen für Reisen in Europa

"Die Regierung handelt hier ausschließlich aus ökonomischen Gründen": Mit deutlichen Worten hat Weltärztebund-Vorsitzender Montgomery vor Grenzöffnungen gewarnt. Das Risiko einer zweiten Welle steige.
Frank Ulrich Montgomery (Archivbild): Fürchtet einen "Überbietungswettbewerb"

Frank Ulrich Montgomery (Archivbild): Fürchtet einen "Überbietungswettbewerb"

Foto: Guido Kirchner/ dpa

Weltärzte-Chef Frank Ulrich Montgomery hat vor einer zu schnellen Öffnung der europäischen Grenzen für den Tourismus gewarnt. "Ich würde der Regierung raten, die Grenzen geschlossen zu halten - und zwar in beiden Richtungen", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Aus gesundheitlichen Gründen wäre es das Beste, die Menschen blieben an ihrem Wohnort."

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hatte am Montag für einen "kontrollierten Wiedereinstieg in den europäischen Tourismus" im Sommer plädiert. Montgomery warnte deshalb vor einem gefährlichen Wettlauf: "Die neuen Lockerungen zwischen den europäischen Ländern bereiten mir große Sorge, weil wir wieder einen Überbietungswettbewerb bekommen werden: Wer öffnet weiter, wer öffnet schneller?"

Durch den Reiseverkehr werde das Risiko einer zweiten Infektionswelle mit dem Coronavirus steigen. "Sie wird härter als die erste, weil wir nicht mehr so vorsichtig sein werden."

"Wir können noch nicht zurück zur Normalität"

Weltärzte-Chef Frank Ulrich Montgomery

Riskant sei die neue Reisefreiheit auch durch die zu erwartende Zunahme von Reisen nach Deutschland: "Wenn jetzt wieder Touristen nach Deutschland kommen, steigt auch die Infektionsgefahr", sagte Montgomery. Die Grenzöffnungen seien deswegen verfrüht.

"Die Regierung handelt hier ausschließlich aus ökonomischen Gründen - und unterschätzt dabei die gesundheitlichen Risiken", kritisierte der Radiologe. "Wir können noch nicht zurück zur Normalität."

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Außenminister Maas hatte sich mit seinen Kollegen aus zehn bei Deutschen beliebten Reiseländern darauf verständigt, auf eine Öffnung der Grenzen für Touristen bis zum Sommerbeginn hinzuarbeiten. Er kündigte an, die noch bis zum 14. Juni weltweit geltende Reisewarnung für deutsche Touristen zunächst nur für die Europäische Union aufzuheben. Sie solle durch Reisehinweise für die einzelnen Länder ersetzt werden.

jpz/dpa/AFP