"Costa Allegra"-Passagiere Und jetzt erst mal Urlaub

Sie sehen fröhlich und fidel aus: Die Passagiere des Pannenschiffs  "Costa Allegra" sind an Land gegangen - nach Tagen auf See ohne Strom. Nur wenige beklagen das unfreiwillige Abenteuer. Manche wollen nun erst mal auf Reedereikosten Urlaub auf den Seychellen machen.


Victoria - Einige Passagiere applaudierten, als die "Costa Allegra" am Morgen in den Hafen von Victoria auf den Seychellen gezogen wurde. Dort hatte sich schon eine Menschenmenge zum Empfang versammelt. Das Rote Kreuz hatte etliche Zelte errichtet, um hilfsbedürftige Passagiere zu versorgen. Vertreter von amerikanischen und europäischen Regierungen waren ebenfalls vor Ort.

Tatsächlich fächelten sich viele Passagiere wegen der Hitze Luft zu, als sie die "Costa Allegra" verließen. Aber wie schlimm war ihr Martyrium wirklich? Erlebten sie, wie die meisten Beobachter vermuteten, Horrortage auf hoher See, ohne Strom, mitten in den Piratengewässern des Indischen Ozeans?

Die für die Seychellen zuständige deutsche Botschafterin in Kenia sagte über die deutschen Reisenden: "Sie scheinen aber alle gesundheitlich in guter Verfassung." Nach Angaben eines Mitarbeiters des Gesundheitsministeriums auf den Seychellen sollen sich sechs Passagiere allerdings den Arm gebrochen haben.

Die Reederei Costa Crociere hatte den Passagieren des Pannenschiffs angeboten, einen Luxusurlaub auf den Seychellen zu verbringen - als Wiedergutmachung für die Unannehmlichkeiten an Bord. Viele Reisende wollen das Angebot wohl annehmen.

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"Costa Allegra": Havariertes Kreuzfahrtschiff erreicht die Seychellen

Fernsehteams aus aller Welt

Als die "Costa Allegra" anlegte, standen am Kai im Hafen Hunderte Koffer, die zuvor schon von einem anderen Schiff auf die Seychellen gebracht worden waren. Die Kreuzfahrtschiffpassagiere waren von einem großen Medienaufgebot erwartet worden. Fernsehteams aus aller Welt hatten sich in Stellung gebracht.

Die Passagiere gingen von Bord, Busse warteten mit laufenden Motoren, um die Schiffsreisenden in vorgebuchte Hotels zu bringen. Mehr als 600 Passagiere aus 25 Ländern waren auf dem Schiff, nach Angaben der Reederei waren darunter 38 Deutsche. Zusammen mit der Besatzung waren insgesamt etwa 1000 Menschen an Bord.

Am Montag war im Maschinenraum des Kreuzfahrtschiffs ein Feuer ausgebrochen. Das Schiff war manövrierunfähig und musste geschleppt werden. Ein 36-Jähriger aus Schwäbisch Gmünd berichte: "Es ging überhaupt nichts mehr. Ich habe schnell gemerkt, dass das kein kleiner Schaden war." Das Schiff habe sich nach Backbord geneigt.

Der Passagier Franz Mayer aus der Nähe von Koblenz sagte, die Besatzung der "Costa Allegra" habe Rettungsboote heruntergelassen: "Wir waren alle schon bereit, in die Rettungsboote zu gehen." Viele Reisende lobten Crew und Kapitän, sie hätten umsichtig gehandelt.

Mehr als die Hälfte der Deutschen wollen im Urlaub bleiben

Da es nach dem Brand auf dem Urlaubsschiff keinen Strom gab, mussten die Passagiere die Fahrt über dem Indischen Ozean seit Montag bei tropischer Hitze ohne Klimaanlage überstehen. Die 26-Tage-Seereise sollte eigentlich von Mauritius über Madagaskar durch den Suezkanal bis Savona in Italien führen. Die Havarie der "Costa Allegra" trifft erneut ein Kreuzfahrtschiff jener italienischen Reederei, der auch das halb gesunkene Unglücksschiff "Costa Concordia" vor der Küste Italiens gehört.

15 Deutsche gaben an, sofort die Heimreise anzutreten. "Wir haben die Passagiere gefragt, und von den 38 deutschen Gästen wollten 15 unmittelbar zurück nach Hause", sagte der Sprecher von Costa Kreuzfahrten in Deutschland am Donnerstag.

Sie fliegen voraussichtlich über Paris zurück in die Heimat. Die 23 weiteren deutschen Reisenden wollten zunächst im Urlaub bleiben. Nach Angaben der italienischen Reederei Costa Crociere hat man ihnen angeboten, bis zu zwei Wochen - die Dauer der geplanten Kreuzfahrt - auf den Seychellen zu bleiben.

nga/dapd/dpa

insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
fatherted98 01.03.2012
1. Den Leuten....
Zitat von sysopREUTERSSie sehen fröhlich und fidel aus: Die Passagiere des Pannen-Schiffs "Costa Allegra" sind an Land gegangen - nach Tagen auf See ohne Strom. Nur wenige beklagen das unfreiwillige Abenteuer. Manche wollen nun erst mal auf Reedereikosten Urlaub auf den Seychellen machen. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,818581,00.html
....ist halt einfach nicht zu helfen...hauptsache Urlaub...und jetzt auch noch für lau....wenn die alle einen Gutschein für die nächste Kreuzfahrt bekommen, sind sie alle wieder mit dabei.
janne2109 01.03.2012
2. ............
Zitat von sysopREUTERSSie sehen fröhlich und fidel aus: Die Passagiere des Pannen-Schiffs "Costa Allegra" sind an Land gegangen - nach Tagen auf See ohne Strom. Nur wenige beklagen das unfreiwillige Abenteuer. Manche wollen nun erst mal auf Reedereikosten Urlaub auf den Seychellen machen. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,818581,00.html
unfassbar!! ich würde die Fa. verklagen, dass ihnen hören und sehen vergeht. Wohl den Amerikaner die an Bord waren, das wird dann richtig teuer.
vostei 01.03.2012
3. uuuuund
Zitat von fatherted98....ist halt einfach nicht zu helfen...hauptsache Urlaub...und jetzt auch noch für lau....wenn die alle einen Gutschein für die nächste Kreuzfahrt bekommen, sind sie alle wieder mit dabei.
Und die Advokaten stehen bestimmt auch schon Gewehr bei Fuß - es locken anteilig ja dezitrilliarden an Tollares zur Wiedergutmachung....
zehbeh 01.03.2012
4. ???
Zitat von fatherted98....ist halt einfach nicht zu helfen...hauptsache Urlaub...und jetzt auch noch für lau....wenn die alle einen Gutschein für die nächste Kreuzfahrt bekommen, sind sie alle wieder mit dabei.
Warum denn auch nicht?
discuss 01.03.2012
5. Schlimm?
Zitat von fatherted98....ist halt einfach nicht zu helfen...hauptsache Urlaub...und jetzt auch noch für lau....wenn die alle einen Gutschein für die nächste Kreuzfahrt bekommen, sind sie alle wieder mit dabei.
Und was ist daran so schlimm? Ich kann sie nicht verstehen. Urlaub dient doch der Erholung. Ich denke, die meisten der Passagiere werden diese jetzt sehr gut gebrauchen können. Warum also nicht den Urlaub genau dort verbringen wo man sowieso schon ist, und noch dazu in einer ausgesprochen attraktiven Urlaubsregion. Und von Urlaub für lau kann ja wohl nicht die Rede sein. Schließlich haben die für eine Kreuzfahrt bezahlt, die jetzt nicht stattgefunden hat. Ich kann auch nicht verstehen, warum sie den Leuten die geistige Gesundheit absprechen, nur weil diese wahrscheinlich erneut an einer Kreuzfahrt teilnehmen? Bedenklich finde ich eher ihre mangelhafte Risikoeinschätzung.
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