"Costa-Concordia"-Bericht Fünfjährige fand keinen Platz im Rettungsboot

Ein Jahr nach dem Untergang der "Costa Concordia" enthüllt ein Bericht der Staatsanwaltschaft Details über die letzten Minuten an Bord. Ein Musiker ertrank, weil er seinen Platz im Rettungsboot einem anderen Passagier anbot. Ein kleines Mädchen dagegen hoffte vergebens auf Hilfe.

AP

Grosseto/Giglio - Auf den ersten Blick hat sich nicht viel getan vor der Küste Giglios. Noch immer liegt das Wrack der "Costa Concordia" vor den Klippen der italienischen Insel, die stählernen Bordwände rosten vor sich hin. Doch während über die Wintermonate normalerweise nur wenige hundert Menschen auf Giglio leben, herrscht in diesem Jahr rege Betriebsamkeit. Dutzende Bergungsexperten bevölkern die Insel; bis zum Herbst soll der stählerne Koloss gehoben sein.

Gleichzeitig arbeitet die Staatsanwaltschaft daran, einen Prozess gegen die Verantwortlichen des Unglücks vorzubereiten. Ein neuer Bericht, den die Ermittler aus der Provinzhauptstadt Grosseto jetzt vorlegten, wirft ein schauriges Licht auf die letzten Minuten an Bord der "Costa Concordia". Die Ermittler erheben schwere Vorwürfe gegen Mitglieder der Besatzung.

So schildert der Bericht nach Angaben des Nachrichtensenders CNN das Schicksal der fünfjährigen Dayana Arlotti und ihres Vaters William. Beide fanden keinen Platz in einem Rettungsboot und versuchten, sich auf die Steuerbordseite der "Costa Concordia" durchzuschlagen. Dabei stürzten sie in einen gefluteten Bereich des Schiffs und ertranken. CNN zufolge ist die kleine Dayana das jüngste Opfer der Katastrophe, bei der insgesamt 32 Menschen ums Leben kamen.

Unter den Opfern ist auch Maria D'Introno: Sie ist die einzige, deren Leiche noch nicht gefunden wurde. Auch sie schaffte es nicht, einen Platz in einem Rettungsboot zu ergattern. CNN zufolge sprang die Nichtschwimmerin schließlich in Panik von einem der Decks in die Fluten - ohne Rettungsweste. D'Introno soll ertrunken sein, als das Kreuzfahrtschiff kenterte und sie dabei unter Wasser zog.

Erwähnt wird im Bericht auch Giuseppe Girolamo, der auf dem Schiff als Musiker gearbeitet hatte. Er saß bereits in einem der Rettungsboote, gab dann aber seinen Platz für jemand anderen auf - laut CNN ertrank er in den Stunden danach.

Ein weniger heldenhaftes Bild zeichnet der 60-seitige Bericht der Staatsanwaltschaft von anderen Mitgliedern der Crew. Manrico Giampedroni etwa, der bis zuletzt an Bord geblieben sein soll und deshalb bislang als Held gefeiert worden war, werfen die Ermittler nun Versagen vor. Er habe bei der Evakuierung des Schiffs seine Pflichten vernachlässigt.

Und auch Kapitän Francesco Schettino wird durch den Report nicht entlastet. Wie CNN berichtet, empfehlen die Ermittler nun ein Verfahren gegen ihn und vier andere Besatzungsmitglieder.

rls

insgesamt 72 Beiträge
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mayazi 07.03.2013
1. optional
Na, Hauptsache, der Kapitän wurde gerettet. So ist das doch in der Schifffahrt, oder? Und damit das in keinen falschen Hals kommt, hier noch ein offizielles: Ironie off ;-)
gog-magog 07.03.2013
2. Schämen allein reicht da nicht.
Zitat von sysopAP/ Giglionews.itEin Jahr nach dem Untergang der Costa Concordia enthüllt ein Bericht der Staatsanwaltschaft Details über die letzten Minuten an Bord des Schiffs. Ein Musiker ertrank, weil er seinen Platz im Rettungsboot einem anderen Passagier anbot. Ein kleines Mädchen dagegen hoffte vergebens auf Hilfe. http://www.spiegel.de/panorama/costa-concordia-bericht-enthuellt-neue-details-ueber-untergang-a-887346.html
Der Kapitän war einer der ersten, die sich in Sicherheit gebracht haben und eine Fünfjährige hat keinen Platz im Rettungsboot bekommen. Hat es je eine größere Schande gegeben?
jujo 07.03.2013
3. ....
Zitat von sysopAP/ Giglionews.itEin Jahr nach dem Untergang der Costa Concordia enthüllt ein Bericht der Staatsanwaltschaft Details über die letzten Minuten an Bord des Schiffs. Ein Musiker ertrank, weil er seinen Platz im Rettungsboot einem anderen Passagier anbot. Ein kleines Mädchen dagegen hoffte vergebens auf Hilfe. http://www.spiegel.de/panorama/costa-concordia-bericht-enthuellt-neue-details-ueber-untergang-a-887346.html
Über das Versagen der Schiffsleitung muss man kein Wort mehr verlieren! Aber alle die sich mit dem Gedanken tragen eine Kreuzfahrt zu machen, sollten sich fragen warum ein unterbezahltes, ausgenutztes gewöhnliches Besatzungsmitglied sein Leben im Katastrophenfall für einen Passagier opfern sollte? Ich sehe das nicht!
SenseSeek 07.03.2013
4. Rette sich wer kann
Natürlich lässt sich als außenstehender immer schön sagen: "wie schrecklich! Das arme Kind. Dass da niemand etwas gemacht hat." In so einer Paniksituation wird aber wohl beinahe jeder versuchen, mit seinem Leben davon zu kommen. Der Überlebendstrieb ist nun mal im Menschen drin. Ich würde hier nie jemanden verurteilen, der versuchte, sein Leben zu retten. Natürlich kann/muss man beim Kapitän und der Crew ggf. andere Maßstäbe ansetzen.
Gluehweintrinker 07.03.2013
5. Da muss man Verständnis haben...
Schließlich war der Kapitän ins Rettungsbeoot gefallen. Kann doch mal passieren beim Sinken...
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