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28. Januar 2012, 16:53 Uhr

"Costa Concordia"

Hohe Wellen verhindern Abpumpen des Schweröls

Die Spezialisten aus den Niederlanden müssen warten, der Seegang rund im die havarierte "Costa Concordia" ist zu ruppig: Die Arbeiten zum Abpumpen des gefährlichen Schweröls sind abgebrochen worden. Taucher hatten zuvor eine weitere Leiche aus dem Wrack des Schiffs geborgen.

Hamburg - Starker Seegang vor der toskanischen Insel Giglio behindert Spezialisten in ihren Bemühungen, das Öl aus der havarierten "Costa Concordia" zu pumpen. Die Experten aus den Niederlanden sollten ursprünglich am heutigen Samstag mit ihrer Arbeit beginnen, um die Gefahr einer Umweltkatastrophe an der toskanischen Küste zu bannen. Doch wie der italienische Zivilschutz mitteilte, stellten die Techniker ihre Arbeit wegen hohen Wellengangs ein. Sie kehrten mit dem ihnen als Arbeitsplattform dienenden Kahn in den Hafen der Insel Giglio zurück.

Eine Fortsetzung der Arbeit am Wrack der "Costa Concordia" wäre demnach zu gefährlich gewesen. Meteorologen rechneten noch für das ganze Wochenende mit schlechten Wetterbedingungen. "Es hängt stark vom Wetter ab, wann wir mit unserer Arbeit beginnen", sagte Martijn Schuttevaer, Sprecher der niederländischen Bergungsfirma Smit. Er glaube nicht, vor Mitte der Woche weitermachen zu können, da bis Dienstag schlechtes Wetter vorhergesagt sei. Sollte es sich vorher bessern, stehe man sofort bereit.

Die Experten hatten am Freitag Ventile an sechs der 23 Tanks angebracht, um darüber später das Öl herauszusaugen. An Bord des Wracks befinden sich noch rund 2400 Tonnen Treibstoff, die das Meeresschutzgebiet rund um die Insel zu verschmutzen drohen.

Die Suche nach den Vermissten konnte am Samstag fortgesetzt werden. Nach Angaben des Zivilschutzes entdeckten Taucher dabei die Leiche eines weiteren Opfers. Die Frauenleiche wurde auf dem sechsten Deck in einem Teil des Schiffes gefunden, der unter Wasser liegt. Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Samstag berichtet, trug die Passagierin keine Rettungsweste. Die "Costa Concordia" war am Abend des 13. Januar mit 4200 Menschen an Bord vor Giglio auf Grund gelaufen, leckgeschlagen und gekentert.

Bislang wurden 17 Leichen gefunden, 15 Menschen werden noch vermisst, darunter sieben Deutsche. Am Samstag ist ein weiteres deutsches Todesopfer identifiziert worden. Damit seien nun fünf Passagiere aus Deutschland unter den Toten, wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes bestätigte. Italienische Behörden berichteten bereits von einem sechsten deutschen Todesopfer. Das bestätigte das Auswärtige Amt allerdings nicht.

Sammelklage über 348 Millionen Euro

Am Freitag war bekannt geworden, dass die Reederei Costa Crociere den Passagieren der "Concordia" eine Pauschalentschädigung von 11.000 Euro pro Person anbietet, plus 3000 Euro für den Reisepreis und die Rückreisekosten. Das Angebot gelte für rund 3000 der 3200 Passagiere aus 60 Ländern. Die Hinterbliebenen der Opfer und die Verletzten sollen laut der italienischen Verbraucherschutzorganisation Adoc gesondert entschädigt werden. Wer diese Summe annehme, müsse sich verpflichten, nicht gegen Costa Crociere zu klagen.

Mindestens sechs Passagiere aus Florida, New York und Italien wollten sich damit nicht zufriedengeben. Sie fordern insgesamt 460 Millionen Dollar (fast 348 Millionen Euro) Schadensersatz, wie ihr Anwalt Marc Bern sagte. Die Klageschrift wurde in Miami im US-Bundesstaat Florida eingereicht, weil die Firma Carnival dort ihren Sitz hat. Es handelt sich den Angaben zufolge nicht um eine Sammelklage. Eine solche hatte ein anderer Anwalt der sechs Kläger, Mitchell Proner, am Samstag vergangener Woche angekündigt.

Eine erste Sammelklage im Namen aller Besatzungsmitglieder und Passagiere war ebenfalls am Freitag in den USA eingereicht worden. Sie richtet sich gegen Carnival und ihre italienische Tochterfirma Costa Crociere.

jus/Reuters/AFP/dapd/dpa

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