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22. Januar 2012, 08:11 Uhr

"Costa Concordia"

Sorge vor Abrutschen des Schiffs wächst

Rettungskräfte können vorerst nicht mehr nach Vermissten auf der "Costa Concordia" suchen. Weil sich das Schiff erneut bewegt hat, mussten die Taucher das Wrack verlassen. Manche Angehörige von Vermissten nehmen nahe der Unglücksstelle bereits Abschied.

Giglio - Die havarierte "Costa Concordia" hat sich erneut bewegt. Die Rettungskräfte mussten die Suche nach Vermissten deshalb am frühen Sonntagmorgen bis auf weiteres einstellen. Erst am Samstag hatten Taucher das bisher zwölfte Todesopfer geborgen.

Kurze Zeit später stellten Experten laut der Agentur Ansa aber fest, dass sich das auf einem Felsen liegende Kreuzfahrtschiff erneut bewegt hat. Die Taucher wurden deshalb angewiesen, das halb im Wasser versunkene Wrack zu verlassen. Man befürchtet, dass die "Costa Concordia" vom felsigen Untergrund abrutscht und völlig untergeht.

Bisher gibt es keine Angaben darüber, wann die Arbeiten fortgesetzt werden sollen. Die Suche nach Vermissten ist zur obersten Priorität der Bergungs- und Rettungsmannschaften erklärt worden. Es gebe bisher auch keine Zeitvorgabe, wann die Suche nach möglichen Überlebenden eingestellt wird, sagte Franco Gabrielli. Er wurde von der italienischen Regierung als Chef des Krisenstabs für die Bergungsarbeiten eingesetzt.

Mindestens 20 Menschen gelten noch als vermisst. Unter ihnen sind nach jüngsten Angaben zwölf Deutsche. Laut Gabrielli sind die Vermissten "wahrscheinlich" noch an Bord des rund 290 Meter langen Schiffs. Daher werde die Suche fortgesetzt.

Angehörige streuten Blumen ins Meer

Mit gezielten Sprengungen hatten sich Taucher am Samstag neue Zugänge zur "Costa Concordia" geschaffen. Im Heck des Wracks fanden Helfer dann gegen Mittag eine Frauenleiche. Zur Nationalität der Toten wurden bisher keine Angaben gemacht.

Mit Hilfe von Zeugenaussagen wollen die Helfer Karten von dem Schiff erstellen, um nachvollziehen zu können, wo sich Opfer befinden könnten.

Zwar wollen die Rettungskräfte die Hoffnung auf Überlebende noch nicht aufgeben, doch manche Angehörige bekamen bereits die Möglichkeit, nahe der Unglücksstelle Abschied zu nehmen. Die Familie eines vermissten Paares aus den USA teilte in einer E-Mail mit, zusammen mit anderen Angehörigen habe sie nahe des Schiffs Blumen ins Meer gestreut. Sie sei sehr dankbar für die Bemühungen der Retter, die Vermissten zu finden, erklärte die Familie.

Parallel zu den Rettungsarbeiten laufen auf der Insel Giglio auch Arbeiten, um eine drohende Umweltkatastrophe abzuwenden. Bis Sonntagabend soll nach Angaben des Krisenstabs entschieden werden, wie die mehr als zwei Millionen Liter Treibstoff aus dem Wrack abgepumpt werden können. Das Schiff hat vor allem Schweröl an Bord.

Bis zur Entscheidung dürfe die niederländische Spezialfirma Smit mit diesen Arbeiten nicht beginnen, sagte der Leiter des Krisenstabs. Er versprach, er werde "den größtmöglichen Einsatz" bringen, um den Inselbewohnern eine Umweltkatastrophe zu ersparen.

mmq/dpa

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