"Costa Concordia" Sorge vor Abrutschen des Schiffs wächst

Rettungskräfte können vorerst nicht mehr nach Vermissten auf der "Costa Concordia" suchen. Weil sich das Schiff erneut bewegt hat, mussten die Taucher das Wrack verlassen. Manche Angehörige von Vermissten nehmen nahe der Unglücksstelle bereits Abschied.

Menschen blicken auf das Wrack der "Costa Concordia": Sorge vor Abrutschen des Schiffs
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Menschen blicken auf das Wrack der "Costa Concordia": Sorge vor Abrutschen des Schiffs


Giglio - Die havarierte "Costa Concordia" hat sich erneut bewegt. Die Rettungskräfte mussten die Suche nach Vermissten deshalb am frühen Sonntagmorgen bis auf weiteres einstellen. Erst am Samstag hatten Taucher das bisher zwölfte Todesopfer geborgen.

Kurze Zeit später stellten Experten laut der Agentur Ansa aber fest, dass sich das auf einem Felsen liegende Kreuzfahrtschiff erneut bewegt hat. Die Taucher wurden deshalb angewiesen, das halb im Wasser versunkene Wrack zu verlassen. Man befürchtet, dass die "Costa Concordia" vom felsigen Untergrund abrutscht und völlig untergeht.

Bisher gibt es keine Angaben darüber, wann die Arbeiten fortgesetzt werden sollen. Die Suche nach Vermissten ist zur obersten Priorität der Bergungs- und Rettungsmannschaften erklärt worden. Es gebe bisher auch keine Zeitvorgabe, wann die Suche nach möglichen Überlebenden eingestellt wird, sagte Franco Gabrielli. Er wurde von der italienischen Regierung als Chef des Krisenstabs für die Bergungsarbeiten eingesetzt.

Mindestens 20 Menschen gelten noch als vermisst. Unter ihnen sind nach jüngsten Angaben zwölf Deutsche. Laut Gabrielli sind die Vermissten "wahrscheinlich" noch an Bord des rund 290 Meter langen Schiffs. Daher werde die Suche fortgesetzt.

Angehörige streuten Blumen ins Meer

Mit gezielten Sprengungen hatten sich Taucher am Samstag neue Zugänge zur "Costa Concordia" geschaffen. Im Heck des Wracks fanden Helfer dann gegen Mittag eine Frauenleiche. Zur Nationalität der Toten wurden bisher keine Angaben gemacht.

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"Costa Concordia": Das Wrack vor Giglio
Mit Hilfe von Zeugenaussagen wollen die Helfer Karten von dem Schiff erstellen, um nachvollziehen zu können, wo sich Opfer befinden könnten.

Zwar wollen die Rettungskräfte die Hoffnung auf Überlebende noch nicht aufgeben, doch manche Angehörige bekamen bereits die Möglichkeit, nahe der Unglücksstelle Abschied zu nehmen. Die Familie eines vermissten Paares aus den USA teilte in einer E-Mail mit, zusammen mit anderen Angehörigen habe sie nahe des Schiffs Blumen ins Meer gestreut. Sie sei sehr dankbar für die Bemühungen der Retter, die Vermissten zu finden, erklärte die Familie.

Parallel zu den Rettungsarbeiten laufen auf der Insel Giglio auch Arbeiten, um eine drohende Umweltkatastrophe abzuwenden. Bis Sonntagabend soll nach Angaben des Krisenstabs entschieden werden, wie die mehr als zwei Millionen Liter Treibstoff aus dem Wrack abgepumpt werden können. Das Schiff hat vor allem Schweröl an Bord.

Bis zur Entscheidung dürfe die niederländische Spezialfirma Smit mit diesen Arbeiten nicht beginnen, sagte der Leiter des Krisenstabs. Er versprach, er werde "den größtmöglichen Einsatz" bringen, um den Inselbewohnern eine Umweltkatastrophe zu ersparen.

mmq/dpa

insgesamt 438 Beiträge
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Berg 21.01.2012
1. Traumreise
Der Sog der Traumschiffreisen ist so gewaltig, dass sich jährlich über 1 Mio Deutsche auf eine solche begeben. Und weitere Millionen werden es wohl erträumen. (Flugreisen halten auch unvermindert an - trotz Fluzeugabstürzen.) Abgesehen von der Schuldfrage, dem Rettungsmanagement, wo es viel zu beanstanden und zu verurteilen gibt, ist die Bilanz dieser Havarie eher positiv: nur um die 1% Tote. Und so wie das Schiff liegt, könnten heute noch alle lebendig obenauf sitzen. Das "Geschäft mit Kreuzfahrten" ist erst einmal nur für die Reederei beschädigt: materielle Verluste in die Hundertemillionen, zusätzliche Auflagen für künftige Fahrten, Personalverluste. Die Kreuzfahrtfans werden sich davon nicht abhalten lassen. Ein bisschen prickelnde Gefahr darf doch dabei sein.....
michaelslo 21.01.2012
2. Kein Rückgang
Zitat von sysopDas Schiffsunglück vor der italienischen Küste brachte vielfältige Debatten über die Sicherheit an Bord von Kreuzfahrtschiffen in Gang. Zuvor schon waren die Meeresgiganten wegen ihres hohen Schadstoffausstoßes ins Gerede gekommen. Bekommt die Boom-Branche Probleme? Schadet nun die Havarie dem Geschäft mit den Kreuzfahrten?
Das Geschäft wird keinen Schaden nehmen. So lange es Leute gibt, die genug Geld haben, um "anderen" Urlaub zu machen, werden die Kreuzfahrtschiffe wieder voll belegt sein, genauso wie kurz nach dem Tsunami wieder Touristen in Phuket waren, um die Katastrophe aus nächster Nähe zu sehen oder auch aktuell im umkämpften Grenzgebiet zwischen Äthiopien/ Eritrea werden kurz vor dem Burnout stehende gut Betuchte eine Wüstensafari machen, um sich zu "erholen".
berbatof 21.01.2012
3.
Zitat von michaelsloDas Geschäft wird keinen Schaden nehmen. So lange es Leute gibt, die genug Geld haben, um "anderen" Urlaub zu machen, werden die Kreuzfahrtschiffe wieder voll belegt sein, genauso wie kurz nach dem Tsunami wieder Touristen in Phuket waren, um die Katastrophe aus nächster Nähe zu sehen oder auch aktuell im umkämpften Grenzgebiet zwischen Äthiopien/ Eritrea werden kurz vor dem Burnout stehende gut Betuchte eine Wüstensafari machen, um sich zu "erholen".
Etwas sehr krasse Konstruktion... ...aber solange man von Käpt´n Schmierhahn und seinen Bagaluten dorthin kutschiert wird :-)
derflieger 21.01.2012
4. -
Ein sehr hochbordiges Schiff mit pseudo-historischen Designanleihen, aber die Frontansicht lässt bei einem gewisse Zweifel an der Stabilität aufkommen. Ich zähle 18 Rettungsboote. Mit 5000 Leuten an Bord heisst das, das diese Boote sehr gross sein müssen, jedes dürfte an die 300 Personen fassen, in Ölsardinenbepackung. Solche Riesenrettungsboote habe ich auf anderen Schiffen noch nicht gesehen. Tolle Fotos übrigens. Der Riese hinter dem Dorf, wunderbar.
angela_merkel 21.01.2012
5. Schadet die Havarie dem Geschäft mit den Kreuzfahrten?
Die Frage verstehe ich nicht. Dank des guten Krisenmanagements gab es doch kaum Tote (ca. 20, oder ?) unter den 5000 Passagieren. Bei jeden Flugzeugabsturz kommt ein Vielfaches an Leuten ums Leben.
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