Crossair-Absturz Unglücksursache bleibt ein Rätsel

In den Trümmern der am Wochenende bei Zürich abgestürzten Crossair-Maschine suchen die Ermittler jetzt nach Anhaltspunkten für die Unglücksursache. Vor allem von den Flugschreibern erwarten sich die Experten Hinweise.


Flug in den Tod: Melanie Thornton
DPA

Flug in den Tod: Melanie Thornton

Berlin - Wie die Polizei mitteilte, sollen die Trümmer des Flugzeuges geborgen werden, das am Samstagabend mit 33 Insassen an Bord beim Landeanflug abgestürzt war. 24 Menschen kamen dabei ums Leben.

Von der Untersuchung der Wrackteile wird vor allem weitere Aufklärung über die Absturzursache erwartet. Auch die Auswertung der beiden Flugschreiber soll heute beginnen. Die Ermittler erwarten vor allem Aufschluss darüber, warum das Flugzeug den Flughafen in Zürich-Kloten in zu geringer Höhe angeflogen hatte.

Von den neun überlebenden Fluggästen befinden sich zwei weiterhin in kritischem Zustand im Krankenhaus. An Bord der Maschine vom Typ Jumbolino waren neben anderen 13 Deutsche und zehn Schweizer. Die Passagierliste ist bislang noch nicht veröffentlicht worden.

Sicher ist allerdings dass die Popsängerin Melanie Thornton unter den Opfern ist. Ihre Plattenfirma bestätigte den Tod der 34-Jährigen. Die Amerikanerin ("Love How To Love Me"), früher Mitglied der Gruppe La Bouche, war nach einem Auftritt am Freitag in Leipzig nach Berlin weitergereist, wo sie an Bord der Unglücksmaschine ging. Thorntons letzter Song "New Holiday Single Wonderful Dream" ist die Titelmelodie der neuen Coca-Cola-Werbung, die am Montag in die Schallplattenläden kommen soll. Ihr neues Album trägt den Titel "Ready To Fly" (Klar zum Abheben).

Unter den Toten sind auch zwei Mitglieder der Popgruppe Passion Fruit. Sie befanden sich auf der gleichen Werbetour wie Melanie Thornton, sagte der Manager der Gruppe, Georg Bergheim, am Sonntagabend in Berlin. Bei den ums Leben gekommenen Mitgliedern handelt es sich den Angaben zufolge um Maria Serrano-Serrano, eine deutsche Staatsangehörige spanischen Ursprungs, die heute 28 Jahre alt geworden wäre, sowie um die 27-jährige Niederländerin Nathaly van het Ende.

Das dritte Mitglied von Passion Fruit, die 27-jährige Niederländerin Debby St. Marteen, überlebte zusammen mit Tourmanager Andreas Hölzl das Unglück. Dieser hat sich schwere Verbrennungen zugezogen. Bergheim sprach von einer Katastrophe. "Sie waren wie Schwestern", sagte er.

Jumbolino: Das Wrack der Crossair-Maschine
AP

Jumbolino: Das Wrack der Crossair-Maschine

Es sei der erste Unfall eines Flugzeugs vom Typ Avro RJ100 überhaupt gewesen, sagte der stellvertretende Direktor von Crossair, Björn Näf. Weder bei der letzten technischen Inspektion am 16. November noch im Funkverkehr beim Landeanflug auf Zürich kurz vor dem Absturz seien abnormale Erscheinungen aufgetreten. Allerdings sei das Flugzeug leicht vom Kurs abgewichen.

Zwei Meilen vor dem geplanten Aufsetzen auf der Piste 28 des Zürcher Flughafens Kloten sei es von den Radarschirmen verschwunden. Das Cockpit blieb bei dem Absturz relativ intakt, ebenso wie das Heck, während der mittlere Teil völlig zerstört wurde. Eine Überlebende des Unglücks schilderte die dramatischen Sekunden nach dem Absturz im Schweizer Fernsehen: "Es war wie ein Alptraum, wie im Film. Ich habe nur gedacht, raus hier, die Maschine kann explodieren."

Auch prominente Israelis an Bord

Auf der Passagierliste standen auch einige prominente Israelis. Es handelt sich angeblich um die Mediziner Jaakov Matzner und Amiram Eldor, die beide an einer Konferenz in Berlin teilgenommen hatten, sowie um den Tel Aviver Politiker Avischai Berkman.

Das Unglück trifft die Crossair in einer tief greifenden Umbruchphase. Die Regionalfluglinie soll an Stelle der zusammengebrochenen Schweizer Traditionsfluglinie Swissair zur neuen nationalen Fluggesellschaft umgebaut werden. Unter anderem soll Crossair bis zum Frühjahr je 26 Lang- und Mittelstreckenflugzeuge von Swissair übernehmen.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.