CSD in Köln Jecken in Lack, Leder und Lametta

Zwischen Politkundgebung, Verkaufsveranstaltung und Rollenspielchen: Beim 20. Christopher Street Day in Köln mischte mal wieder sich kommerzielles Kalkül mit sexuellem Freigeist. Unter den Zuschauern befand sich auch Politprominenz.

dapd

Köln - Der Kölner ist ja offen für so einiges. Beim Karneval lässt er den Narren aus sich raus und schlüpft in sonderbare Kostüme. Alljährlich im Sommer wird aber auch das rheinische Jeckentum noch in den Schatten gestellt. Dann ziehen schwule und lesbische Aktivisten beim Christopher Street Day (CSD) in extrem provokanten Outfits durch die Stadt. So war es auch an diesem Sonntag, als die schwul-lesbischen Parade ihr 20. Jubiläum feierte.

Männer auf mörderischen Stilettos, geschlechtlich schwer zuzuordnende Gestalten mit fröhlich zur Schau gestellten eisernen Brüsten und Lederjungs, die auf ihren Sklaven ritten: An Fantasie und Freigeistigkeit war die Parade kaum zu überbieten.

Und zwischen all den Lack-, Leder und Lametta-Jecken tummelte sich wieder allerhand Politprominenz. Claudia Roth von den Grünen mischte sich ebenso unters bunte Volk wie der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD), der die 20. Kölner Ausgabe des CSD mit den Worten eröffnete:"Wir können auf diese lange Tradition stolz sein."

Der Christopher Street Day wurde erstmals 1969 in New York gefeiert. Damals gingen Schwule auf die Straße, um ihre sexuelle Präferenz nicht mehr im Verborgenen ausleben zu müssen. Doch auch im Deutschland des Jahres 2011 gibt es in Sachen Toleranz noch Nachholbedarf. Dass Homosexualität noch längst nicht in allen Lebensbereichen akzeptiert wird, zeigte auch einer der Festwagen in Köln. Auf dem stand: "Fußball ist alles, auch schwul".

Gleichzeitig hat die werbetreibende Wirtschaft das Potential der Parade erkannt, bei der diesmal rund 100 Festwagen und fast 150 Fußtruppen mitmarschierten und deren Besucherzahl von den Veranstaltern auf 900.000 geschätzt wird: Als Sponsoren schmückten Firmen viele Festwagen mit riesigen Bannern und warben so um die "DINK-Community" (double income, no kids - zwei Einkommen, keine Kinder). Ein Wasserbettenhersteller versuchte sich mit einem Slogan gar in Sachen Witzigkeit - auf seiner Werbetafel stand: "Irgendwann schläft jeder mit uns." Mehr denn je war der CSD in Köln also eine Mischung aus Karneval, Politkundgebung und kommerzieller Veranstaltung.

cbu/dpa/dapd

insgesamt 8 Beiträge
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endymion- 03.07.2011
1. Typisch selektive Berichterstattung
Anstatt den repräsentativen Teil der 15 000 Teilnehmergruppen zu präsentieren, wie das in gutem Journalismus der Fall sein sollte, buhlt Spiegel Online mit platten Sensationsteilnehmern wie Sklaven und Herren um die geehrte Leserschaft?! Der obere Teil des Artikels ist weder objektiv noch stilistisch sicher und sollte dringend überarbeitet werden und der untere ist wahrscheinlich aus einer Pressemitteilung kopiert! Es geht beim CSD nicht primär um das Zeigen "jugendfreier Besonderheiten" der schwulen Szene, sondern um den, im Artikel leider nur peripher erwähnten, politischen Aspekt der Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung! Dass gerade und ausschließlich der Fußballwagen gezeigt wird, ist geradezu naiv kalkulierbar! Und dass man ein Bild mit einem derart bekannten Künstler wie Tatjana Taft untertitelt mit "Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth mit CSD-Teilnehmer: Politkundgebung und Party" ist dann der Gipfel des Ganzen. Mit einem derart subtil negativ gefärbten Beitrag entsprechen Sie wirklich nicht Ihrem, leider langsam sinkenden, Standard.
klausf. 03.07.2011
2. stonewall riots - eine "feier"?
"Der Christopher Street Day wurde erstmals 1969 in New York gefeiert. Damals gingen Schwule auf die Straße, um ihre sexuelle Präferenz nicht mehr im Verborgenen ausleben zu müssen." ich möchte dringend darum bitten, zumindest die grundlegenden fakten so einigermaßen zu recherchieren, bevor Sie einen artikel veröffentlichen. noch falscher kann man die geschehnisse in new york wohl kaum darstellen.
makutsov 04.07.2011
3. Genial Schlecht
Wow. Der Artikel bei Spon unterbietet in Bild UND Text den entsprechenden Artikel in der BILDzeitung. Das man das noch erleben muss. Und ich dachte schon, die Berichterstattung von WaveGothic wäre mies.
anhaza 04.07.2011
4.
Zitat von endymion-Anstatt den repräsentativen Teil der 15 000 Teilnehmergruppen zu präsentieren, wie das in gutem Journalismus der Fall sein sollte, buhlt Spiegel Online mit platten Sensationsteilnehmern wie Sklaven und Herren um die geehrte Leserschaft?! Der obere Teil des Artikels ist weder objektiv noch stilistisch sicher und sollte dringend überarbeitet werden und der untere ist wahrscheinlich aus einer Pressemitteilung kopiert! Es geht beim CSD nicht primär um das Zeigen "jugendfreier Besonderheiten" der schwulen Szene, sondern um den, im Artikel leider nur peripher erwähnten, politischen Aspekt der Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung! Dass gerade und ausschließlich der Fußballwagen gezeigt wird, ist geradezu naiv kalkulierbar! Und dass man ein Bild mit einem derart bekannten Künstler wie Tatjana Taft untertitelt mit "Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth mit CSD-Teilnehmer: Politkundgebung und Party" ist dann der Gipfel des Ganzen. Mit einem derart subtil negativ gefärbten Beitrag entsprechen Sie wirklich nicht Ihrem, leider langsam sinkenden, Standard.
[QUOTE=endymion-;8198746]15 000 Teilnehmergruppen{/QUOTE] Wow, dann war die Parade ja deutlich größer als der Rosenmontagszug - oder ist für Sie jeder Teilnehmer gleich eine ganze Gruppe? Und entschuldigung, aber ich habe immer mehr das Gefühl. dass der CSD ein zweiter Karneval wird.
Eva K, 04.07.2011
5. Love it or leave it.
Zitat von anhaza[QUOTE=endymion-;8198746]15 000 Teilnehmergruppen{/QUOTE] Wow, dann war die Parade ja deutlich größer als der Rosenmontagszug - oder ist für Sie jeder Teilnehmer gleich eine ganze Gruppe? Und entschuldigung, aber ich habe immer mehr das Gefühl. dass der CSD ein zweiter Karneval wird.
In Köln ganz sicher. Na und! Aber der CSD war grundsätzlich noch nie eine griesgrämige Latschedemo mit drögen Transparenten und muffigem Parolengerufe. Es ging auch immer darum, jede Menge Spaß zu haben und zu zeigen, den Bürger mit dessen eigenen Vorurteilen zu schrecken, Lust und Liebe statt Last und Leid. Das hat natürlich die Verfechter von drögen Transparenten, muffigen Parolen und griesgrämigen Latschedemos zu muffigen, drögen und griesgrämigen Kommentaren provoziert - q.e.d.
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