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BILDBÄNDE Das Spiel der Uniformen

aus DER SPIEGEL 6/2007

Laptop, ein Businessanzug, im Ohr eine Freisprechanlage für das Mobiltelefon. So sieht sie aus, die Uniform des globalisierten Angestellten. Er hat sich weit entfernt von seinen Vorgängern, von denen, die ihre Uniform wie einen Ausdruck beruflicher Erfüllung vor sich her trugen. Der Essener Fotograf Timm Rautert hat ihnen 1974 eine Serie gewidmet, die jetzt als Bildband erschienen ist. Er gibt melancholische Einblicke in eine gute alte Zeit. Rautert porträtierte damals fast 40 Personen in ihrer Berufskleidung vor neutralem Hintergrund. Er wollte festhalten, wie viel Amt und wie viel Person auf den Bildern zu erkennen sein würden. Die repräsentierten Berufe waren bewusst unterschiedlich gewählt. Bei manchen - wie etwa dem Oberfeldwebel und dem ganz in graues Leder gepackten Polizeimeister, dem Oberwachtmeister, aber auch dem Oberforstwart - jagt die Uniform noch heute etwas Angst ein, bei anderen bewirkt sie einen leicht mitleidigen Respekt (Bundesbahnschaffner, Posthauptschaffnerin), wieder andere sind so anachronistisch, dass sie ein Gefühl von Rührung auslösen - zum Beispiel der Wagenmeister eines großen Hotels oder der korrekt dastehende Hauptsattelmeister in seinen blankpolierten Reitstiefeln. Rauters ironischer Kommentar zur Uniformenserie steckt in der dem Buch vorangestellten Zeile von Arthur Schnitzler: »Es war ein Spiel! Was sollt' es anders sein?«

Timm Rautert: »Deutsche in Uniform«. Steidl Verlag, Göttingen; 96 Seiten; 40 Euro. Rautert-Werkschau im Museum der bildenden Künste Leipzig bis 18. Februar.

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