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Grafiker David Laferriere: Kunstvoll eingetütet

Foto: David Laferriere

Foto-Blog "Sandwich Bags" Monster auf Brottüten

Monster, Enten, Spiegeleier: David Laferriere bemalt jeden Morgen die Sandwich-Tüten seiner Söhne. Die Fotos der Küchenkunst zeigt er bei Flickr, er hat Hunderttausende Fans. Im Interview spricht er über coole Pausenbrote und inspirierenden Salat.

David Laferriere macht die coolsten Pausenbrote. Seit mehr als fünf Jahren schmiert der Amerikaner seinen beiden Söhnen Sandwiches für die Schule, packt sie in Plastiktütchen - und zückt dann seine Eddings. 26 Stück liegen in seiner Küche in Attleboro, Massachusetts. Mit ihnen malt er Roboter, Monster, Spiegeleier, Labyrinthe, Raketen oder Enten auf die Brottüten.

Fast 1200 Bilder von seinen Küchen-Kunstwerken hat Laferriere inzwischen bei Flickr hochgeladen , Hunderttausende haben die Seite aufgerufen. Auf seiner Homepage hat er aufgelistet , welche US-Medien über ihn berichteten: Der TV-Sender ABC, die "Huffington Post", "Metro News UK".

Die positiven Reaktionen machen ihn stolz, sagt Laferriere. Er zeichne aber vor allem, um seinen Söhnen Evan und Kenny eine Freude zu machen. Er ist geschieden, jede zweite Woche sind die Kinder bei ihm und bekommen ihre verzierten Brottüten. Ganz uneigennützig sind die morgendlichen Malaktionen jedoch nicht, Laferriere nennt sie den perfekte Start in den Tag: Als er im Mai 2008 anfing, morgens zu bunten Eddings zu greifen, arbeitete er bei einer Zeitung als Grafiker. "Da war es eine ideale Übung, schon morgens sehr schnell sehr kreativ sein zu müssen", sagt er. Natürlich dürfte er als Grafikdesigner auch von seiner wachsenden Bekanntheit profitieren. Und andere Väter ließen sich offenbar zu ähnlichen Kunstwerken inspirieren.

Inzwischen hat Laferriere seine Technik perfektioniert, malt Schatten, verschmiert die noch flüssige Farbe mit Servietten und weiß, wie das perfekte Weiß auf die Plastiktüten kommt.

SPIEGEL ONLINE: Herr Laferriere, Ihr Sohn Kenny ist 14 Jahre alt, Evan wird bald 16. Ist es in dem Alter nicht uncool, mit Papas Pausenbroten in die Schule zu gehen?

Laferriere: Ich male ja keine niedlichen Cartoons auf die Tüten, sondern verrückte Kreaturen. Meine Söhne lieben sie. Und ihre Klassenkameraden auch. Manchmal packen sie schon morgens in der Schule die Brote meiner Jungs aus, um zu gucken, was mir diesmal eingefallen ist.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben seit Mai 2008 mehr als tausend Plastikbeutel verschönert, sie malen unter anderem Tiere, Landschaften, Gemüse und fiktive Kreaturen. Woher kommen die Ideen zu den Motiven?

Laferriere: Das ist jeden Tag unterschiedlich. Manchmal richte ich mich nach Feiertagen oder dem Wetter. An Halloween gibt's zum Beispiel Kürbisse, an Weihnachten Schneeflocken oder Rentier-Monster. Gestern war es extrem heiß bei uns, da habe ich eine Ente gemalt, die mit Schnorchel im Wasser liegt. Manchmal inspiriert mich auch das Brot selbst. Ein Loch wird dann zur Sprechblase oder zu einem Mondkrater, der überstehende Salat zu einer Wiese.

SPIEGEL ONLINE: Bleibt dafür am Morgen überhaupt Zeit?

Laferriere: Inzwischen brauche ich für die Bilder nicht mehr lange, durchschnittlich zwischen zwei und fünf Minuten. Genauso schnell bin ich mit dem Schmieren der Sandwiches fertig, meistens kommt Truthahn, Thunfisch oder Erdnussbutter mit Marmelade drauf.

SPIEGEL ONLINE: Mit welchem Brottüten-Kunstwerk haben Sie Ihre Kinder heute in die Schule geschickt?

David Laferriere: Auf einer Tüte ist ein tanzender Roboter zu sehen, auf der anderen ein Monster. Die mögen meine Jungs am liebsten und ich habe sie schon lange nicht mehr gemalt.

SPIEGEL ONLINE: Irgendwann werden Ihre Söhne die Schule verlassen, Pausenbrote brauchen sie dann nicht mehr.

Laferriere: Ich weiß, dass ich ihnen nicht ewig Tüten bemalen kann. Hm, obwohl... Vielleicht schicke ich ihnen dann einfach Sandwiches mit der Post.

Die Fragen stellte Anna-Lena Roth

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