Entsetzen über Waffenwerbung Marmor-Hüne mit Präzisionsgewehr

Als "Kunstwerk" bezeichnet der US-Waffenbauer ArmaLite sein Scharfschützengewehr AR-50A1 - und legt es für ein Werbemotiv Michelangelos berühmter David-Skulptur in die Hand. In Italien treibt der Marketing-Gag den Kulturminister auf die Barrikaden.

David-Skulptur von Michelangelo mit Scharfschützengewehr: "Beleidigend"

David-Skulptur von Michelangelo mit Scharfschützengewehr: "Beleidigend"


Rom/Chicago - Im fernen Rom interessieren die Werbestrategien der US-Waffenindustrie normalerweise niemanden, doch beim Missbrauch nationaler Kunstikonen hört für die Italiener der Spaß auf. So sorgt jetzt das Reklamemotiv eines Feuerwaffenherstellers aus dem Bundesstaat Illinois für Entsetzen, das das Scharfschützengewehr AR-50A1 abbildet - in den Händen der weltberühmten David-Skulptur von Michelangelo.

Kulturminister Dario Franceschini kündigte Schritte gegen das Werbemotiv an, das Armalite bereits im Mai 2013 per Twitter verbreitete. "Die Darstellung eines bewaffneten Davids ist beleidigend und verstößt gegen das Gesetz", teilte Franceschini mit, seinerseits per Twitter. "Wir werden Maßnahmen gegen das amerikanische Unternehmen ergreifen, so dass es unverzüglich die Kampagne zurückzieht."

Die beanstandete Werbung inszeniert das 3000 Dollar teure Gewehr als "Kunstwerk". Ein für kulturelles Erbe und bildende Kunst zuständiges Aufsichtsgremium aus Florenz verurteilte diese Darstellung. Kuratorin Cristina Acidini drohte gar mit rechtlichen Schritten, falls die Werbung nicht unverzüglich zurückgezogen werden sollte.

Dabei geht es allerdings nicht ausschließlich um ästhetische oder moralische Bedenken - sondern auch um Geld. So liegt das Urheberrecht an der berühmten David-Skulptur, die seit 1873 in der Florenzer Galleria dell'Accademia steht, beim italienischen Staat. Für jegliche kommerzielle Nutzung der Marmorstatue verlangt die Regierung in Rom Lizenzgebühren - und ArmaLite hat diese offensichtlich nicht bezahlt.

"Das Gesetz besagt, dass der ästhetische Wert der Skulptur nicht verunstaltet werden darf", sagte Akademiedirektor Angelo Tartuferi der Tageszeitung "Repubblica". "In diesem Fall haben wir es nicht nur mit schlechtem Geschmack zu tun, sondern auch mit einer illegalen Handlung."

rls/AFP

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