Angst vor Endspiel-Randale Brasiliens Polizei verhaftet Aktivisten

Präventivschlag vor dem WM-Finale: Weil sie Gewalttaten in Rio vorbereitet haben sollen, hat die brasilianische Polizei 19 Menschen festgenommen. Gegen sieben weitere gibt es Haftbefehle.
Polizisten in Belo Horizonte (am Dienstag): "Ausübung von Gewaltakten vorbereitet"

Polizisten in Belo Horizonte (am Dienstag): "Ausübung von Gewaltakten vorbereitet"

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS

Rio de Janeiro - Offenbar um Ausschreitungen am Finaltag der Fußball-WM zu verhindern, hat ein Gericht in Rio de Janeiro 26 Haftbefehle gegen Mitglieder einer Protestbewegung ausgesprochen. Seit dem vergangenen Jahr hatte die Gruppe landesweit Demonstrationen organisiert. 19 Menschen wurden bereits festgenommen - wenige Stunden vor dem Endspiel, das am Sonntagabend deutscher Zeit stattfinden soll.

"Die Verhaftungen sollen einschüchtern, sie basieren auf keiner legalen Grundlage und haben das klare Ziel, das Recht auf Kundgebungen zu beschneiden", klagte der Präsident der Menschenrechts-Kommission des nationalen Anwaltverbandes OAB, Marcelo Chalreo.

Laut "USA Today" handelt es sich bei den Verhafteten unter anderem um Anwälte und Journalisten alternativer Medien . Auch ein Lehrer soll unter den Verdächtigen sein. Gegen 17 von ihnen wurden der Zeitung zufolge zeitlich beschränkte Haftbefehle ausgesprochen, mit denen sie fünf Tage lang festgehalten werden können. Ermittelt werde nun wegen Bildung einer bewaffneten Bande. Den Festgenommenen drohen Haftstrafen von bis zu drei Jahren.

Polizei: Kauf von Sprengstoffen ausgehandelt

"Die uns vorliegenden Erkenntnisse haben darauf hingedeutet, dass diese Gruppe die Ausübung von Gewaltakten vorbereitet hat", sagte Rios Polizeichef Fernando Veloso. Wie die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Polizeikreise berichtet, geht es dabei um Delikte am Rande von für Sonntag geplanten Demonstrationen in Rio.

Laut Polizei existieren Mitschnitte von Telefonaten, in denen die Verdächtigen den Kauf von Sprengstoffen ausgehandelt hätten. Insgesamt 80 Polizisten waren an der Operation beteiligt.

Diverse sichergestellte Gegenstände - nach Polizeiangaben unter anderem Gasmasken, Feuerwerkskörper und andere explosive Stoffe - wurden inzwischen Pressevertretern gezeigt. "USA Today" berichtet allerdings, die präsentierten Gegenstände würden eher die Frage aufwerfen, wie belastbar die gesammelten Beweise seien. So gehe es um wenig heikle Gegenstände wie einen Trichter, eine Packung Kunstharz und eine Art Hammer.

rls/dpa/sid
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