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10. November 2018, 09:56 Uhr

Denglisch auf Schildern und Packungen

We wish you a good improvement

Wenn ein Toilettenpapier "Happy End" heißt oder ein Bäcker sein Hörnchen "squirrel" nennt, dann ist das not the fine English art. Peter Littger zeigt Fotos vom Ausmaß der denglischen Sprachverwirrung.

"Was sprechen die eigentlich für eine Sprache?" Das dürften sich so manche Besucher in Deutschland fragen, wenn sie in unseren Fußgängerzonen an Geschäften wie der "Back Factory" vorbeilaufen, auf Mülleimern in Berlin "Star Dreck" lesen oder Klopapier kaufen, das "Happy End" heißt.

Worüber sie sich wundern, ist unser eigenwilliges deutsch-englisches Kauderwelsch, das man überall in der Öffentlichkeit bestaunen kann. Auf Straßen und Plätzen. Geschäften und Produkten. Und nicht zuletzt an Flughäfen und Bahnhöfen, den wohl größten Übungsflächen für unseren zweisprachigen Ehrgeiz.

Mal sind es Pannen und Patzer, so wie das Hörnchen eines Bäckers zum "Squirrel" wurde oder die Uni-Klinik Göttingen "a good improvement" wünscht. Mal sind es absichtliche Denglisch-Scherze, die von Otto Waalkes stammen könnten. So wie der "Neid Rider" mit dem Peugeot und Sixt Werbung gemacht haben.

Es fällt auf, dass wir selbst immer weniger Schulbuchdeutsch kommunizieren, während wir von Ausländern makellose Sprachkenntnisse fordern. In den vergangenen Jahrzehnten ist ein Sprachmix entstanden, den man längst als eine sehr spezielle Ausdrucksform unserer Kultur verstehen muss. Wenn man ihn überhaupt versteht.

Da nennt sich eine Kneipe in Freiburg "Come inn", und gleich mehrere Friseurläden in Deutschland heißen "Kamm in". Da locken Wohnungsbaugesellschaften mit "Fairmietung", und am Flughafen Salzburg (ja, die Österreicher machen auch mit) trifft man auf "Einweisair" und "Sanitätair".

Kreativität und kreatives Koma, Genialität und Geistesverwirrung liegen nah beieinander. So gesehen ist unser öffentlich zur Schau gestelltes Denglisch ein Verwirrspiel der Extraklasse. Wann Unwissen im Spiel ist und wann Nachlässigkeit, bleibt oft ungewiss. Fest steht: Selbst unsere internationalen Unternehmen verewigen sich für jeden sichtbar mit schrägen englischen Phrasen wie "Please go through" (Eurowings). "We separate for you" (Deutsche Bahn). "Call & Surf via Funk" (Deutsche Telekom).

Nachdem ich schon Kolumnen und Bücher über unser eigenwilliges Englisch geschrieben habe, ist es höchste Zeit für ein Bilderbuch.

Hier ein paar Highlights - click yourself through!

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