Der erste Termin Tritt Boris vor den Richter?

Für Boris Becker geht es um alles, und er weiß das. Am Donnerstag findet der erste Termin im Kampf um Kinder und Millionen vor dem Richter in Miami statt. Becker flog bereits am Dienstag in Richtung Florida.

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Am Donnerstag vor dem Richter: Boris und Barbara Becker
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Am Donnerstag vor dem Richter: Boris und Barbara Becker

Miami - Es wird Ernst im Rosenkrieg zwischen den Noch-Eheleuten Becker. Am Donnerstag um 10 Uhr amerikanischer Ortszeit (16 Uhr in Deutschland) wird der Richter Maynard Gross am Miami Dade Court das Verfahren Becker gegen Becker eröffnen (Aktenzeichen 00-302-52-FC-04). "Bei diesem ersten Treffen wird ausschließlich über die Formalien der Verhandlung gesprochen", sagte Beckers amerikanischer Anwalt Robert Kohlmann einen Tag vor Prozessbeginn gegenüber SPIEGEL ONLINE.

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Die Klage Becker gegen Becker

Wenn es nach Ihrem Rechtsverständnis ginge: Wo soll das Verfahren um Geld und Kinder der Beckers stattfinden?

Damit stapelt der Scheidungsspezialist etwas tief, denn am Donnerstag wird vor allem darüber entschieden, ob der Prozess in Miami öffentlich oder unter Ausschluss der Öffentlichkeit und vor allem der Presse geführt wird. Beckers Anwälte haben in mehreren Anträgen eine nichtöffentliche Verhandlung gefordert. Ein Argument: die Sicherheit von Boris Becker, seiner Noch-Ehefrau und den Kindern. Pikant wird es für Boris Becker, wenn sein Antrag scheitert: Vor aller Augen müsste er seine komplette Finanzlage offen legen, bis aufs letzte Konto und sogar seine Bonusmeilen.

Becker flog nach Miami

Becker selber flog am Dienstag nach Florida. Ob er jedoch vor Gericht erscheinen wird, ist unklar. Beckers Anwalt gibt sich unwissend: "Eigentlich sind solche Termine nur für die Anwälte. Ob mein Mandant trotzdem kommt, kann ich Ihnen noch nicht sagen", sagt Kohlmann. Er wisse nicht einmal, ob Boris Becker in Miami sei.

Anwalt Kohlmann bleibt vor der Verhandlung gelassen und will die "Sache in den USA schnell zum Ende bringen". Der Jurist will bereits beim zweiten Termin am 8. Januar erreichen, dass der gesamte Prozess um Sorgerecht und Unterhalt in Deutschland geführt wird. "Es ist doch absurd, wenn sich eine amerikanisches Gericht mit einer deutschen Ehe befassen soll", sagt er.

Die Argumente von Beckers Anwalt: Die Familie wohnt in München, eins der Kinder, Noah Gabriel, geht in der bayerischen Hauptstadt zur Schule. Auch die "hastige Einschulung" Noah Gabriels in Miami ändere daran nichts. Seine Forderung: Barbara Becker solle die Kinder "unverzüglich" zurück nach München bringen und dort vor Gericht über Unterhaltszahlungen prozessieren. Ein Scheidungsantrag von Boris Becker liegt dort bereits vor. Ein weiteres Argument von Becker: Die Kinder seien in Florida nicht sicher. Er hat deshalb ebenfalls in Miami einen Antrag auf Rückführung der Kinder gestellt.

Zählt der Ehevertrag von 1993 noch?

Eigentlich war das Procedere nach der Ehe schon vor der Heirat geklärt: Laut Ehevertrag vom 16. September 1993 bekommt Barbara Becker im Falle der Scheidung fünf Millionen Mark plus Inflationsausgleich. Außerdem bekommt sie das Sorgerecht für die Kinder, Boris Becker wird jedoch ein großzügiges Besuchsrecht eingeräumt.

Doch Barbara Becker zweifelt diesen Vertrag an und will in Miami auf alleiniges Sorgerecht prozessieren. Sie selbst lebt seit der Trennung von dem Ex-Tennisstar mit den beiden Kindern Noah und Elias in Florida.

Das Argument ihrer Anwälte: Die Familie lebe hauptsächlich in Florida, deshalb sei der Prozess auch in Miami zu führen. In den letzten fünf Jahren seien die Kinder mehr in den USA als in Deutschland gewesen.

Für Barbara Becker könnte die Verlegung des Gerichtsorts nach Florida mehr als lukrativ werden. Denn wenn Richter Maynard Gross die Klage in Miami akzeptiert, könnte die Abfindung für sie erheblich höher ausfallen als im Ehevertrag fixiert. Aus knapp sieben Millionen Mark könnten gut 120 Millionen plus die Unterhaltszahlungen für die Kinder werden. Außerdem gelten amerikanische Gerichte grundsätzlich als eher mütterfreundlich.



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