Der Fall Hoffmann Auf der Spur der Totmacher

Acht Menschen soll der Kindermörder Marc Hoffmann auf dem Gewissen haben. Sollte sich die Zahl der Opfer bestätigen, wäre der 31 Jahre alte Familienvater einer der schlimmsten Serienkiller der deutschen Nachkriegsgeschichte.


Kindermörder Hoffmann: In einer Reihe mit dem "Totmacher"?
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Kindermörder Hoffmann: In einer Reihe mit dem "Totmacher"?

Bremerhaven - Gestanden hat Marc Hoffmann bislang zwei Morde. Er hat zugegeben, die achtjährige Levke aus Cuxhaven und den gleichaltrigen Felix aus Neu Ebersdorf getötet zu haben. Ein Mithäftling sagte aus, Hoffmann habe ihm gegenüber sechs weitere Morde zugegeben, darunter zwei Kindermorde in Ostdeutschland.

Sollten sich die Zahlen bewahrheiten, stünde Marc Hoffmann in einer Reihe mit Männern, die es im Nachkriegsdeutschland zu trauriger Berühmtheit gebracht haben: dem "Totmacher", dem "Ungeheuer vom Schwarzwald" und dem "Menschenfresser von Duisburg".

Rudolf Pleil - besser bekannt als der "Totmacher" - erschlägt zwischen 1945 und 1947 neun Menschen. Er spaltet mehreren Frauen den Schädel und wird schließlich zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Weitere Morde, die er vermutlich in der Sowjetunion begangen hat, können ihm nicht nachgewiesen werden. Das "Ungeheuer vom Schwarzwald", Heinrich Pommerenke, wird 1960 des Mordes an mindestens elf Frauen schuldig gesprochen. Nachdem er seine Opfer getötet hat, schändet er ihre Leichen.

1976 kommt die Polizei einem in Deutschland bislang wohl einzigartigen Fall auf die Spur. Auf der Suche nach einem vermissten vierjährigen Mädchen stoßen die Ermittler auf einen Mann, der über eine verstopfte Etagentoilette klagt. Es stellt sich heraus, dass Leichenteile sich in den Rohren verkeilt haben. Die Hinweise führen zu dem Kannibalen Joachim Kroll, "Menschenfresser von Duisburg". Auf seinem Herd finden die Fahnder angeblich einen Topf, in dem neben Möhren und Kartoffeln die Hand des vermissten Kindes köchelt. Kroll wird zwei Jahre später zu acht Mal lebenslänglicher Haft verurteilt.

Spurensuche bei Bremerhaven: Bislang keine Leiche gefunden
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Spurensuche bei Bremerhaven: Bislang keine Leiche gefunden

Noch ist unklar, ob Marc Hoffmann tatsächlich acht Menschen getötet hat. Seit den beiden Geständnissen schweigt der Mann. Einem Bericht der "Nordsee-Zeitung" zufolge sollen die Opfer zwei weitere Kinder, zwei Anhalterinnen und eine ältere Frau sein. Zudem gibt es nach Angaben der Ermittler Andeutungen über eine tote Frau auf einem Bundeswehrübungsplatz.

Auf dem 13 Hektar großen Gelände bei Bremerhaven haben die Polizisten bislang nichts gefunden. "Das Gebiet, das wir durchkämmen, wird nun auf 25 Hektar erweitert", sagte Torsten Oestmann, Sprecher der Soko Levke, gegenüber SPIEGEL ONLINE. Die Suche wird morgen fortgesetzt.

Die Beamten suchen laut "Nordsee-Zeitung" nach einer Kinderleiche. Die Polizei spricht dagegen bisher nur von der Leiche einer weiblichen Person in einem Erdgrab und konkreten Hinweisen auf den Ort. Hoffmann nannte dem Mithäftling nach dessen Aussage mehrere Tatorte.

Zwei Geständnisse, danach Schweigen

Bei der Polizei hatte Hoffmann kurz nach seiner Festnahme am 8. Dezember 2004 den Mord an der achtjährigen Levke aus Cuxhaven gestanden. Am 7. Januar dieses Jahres berichtete der Anwalt des 31-Jährigen der Polizei, dass er auch den Mord an dem achtjährigen Felix aus Neu Ebersdorf im Landkreis Rotenburg zugegeben habe. Die Leiche des Jungen fand die Polizei danach wenige Kilometer von Bremerhaven entfernt im Fluss Geeste.

Im Januar wandte sich ein Mithäftling aus dem Untersuchungsgefängnis in Stade an die Polizei. Die Ermittlungen zu den Aussagen des Mitgefangenen seien umgehend aufgenommen worden, sagte Oestmann zu SPIEGEL ONLINE. Die Polizei habe so lange mit der Suchaktion gewartet, weil zunächst auf anderem Weg habe geklärt werden sollen, ob die Äußerungen wahr seien. Hoffmann habe sich dazu nicht geäußert. "Und wir konnten nicht mit Sicherheit sagen, dass alles aus der Luft gegriffen ist", sagte Oestmann. Deswegen habe man sich nun zu der Suche entschlossen.

Bewegungsbild seit 1991

Die Polizei hatte nach Hoffmanns Geständnissen im Dezember die Ermittlungen ausgeweitet, um Vorleben des mutmaßlichen Täters und mögliche Verbindungen zu anderen Mordfällen zu klären. Dazu zählten bislang die Fälle Adelina aus Bremen und Dennis aus Osterholz-Scharmbeck, die 2001 entführt und getötet wurden.

Die Polizei will ein Bewegungsbild seit 1991 erstellen - zu diesem Zeitpunkt hat Hoffmann seinen Führerschein bekommen. Polizeibekannt wurde er erstmals 1994, als er in Nordrhein-Westfalen wegen einer Vergewaltigung verurteilt wurde. 1995 zog er nach Bremerhaven um, wo im Jahr 2000 Ermittlungen wegen einer versuchten Vergewaltigung eingestellt wurden.

Hoffmann wurde 1973 im Sauerland geboren, wo er auch aufwuchs. 1995 zog er nach Bremerhaven. Er ist verheiratet, lebt aber von seiner Frau getrennt. Sie zog die gemeinsame Tochter groß. Zusammen mit seiner ersten Freundin hat Hoffmann ein weiteres Kind. Bis zu seiner Festnahme im vergangenen Dezember lebte das damals zehnjährige Mädchen zusammen mit ihm in einem Hochhaus im Zentrum von Bremerhaven. Der Heizungsinstallateur war zuletzt arbeitslos. Zwischenzeitlich arbeitete er auch bei einem Wachdienst und als Fahrkartenkontrolleur in Bremerhaven.

Friederike Freiburg



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