Der Tod kam aus den Bergen Russisches Dorf unter Eis begraben

Die Katastrophe kam in der Nacht: Im Süden Russlands hat sich ein Gletscher von einem Berggipfel gelöst und bis zu 100 Menschen unter sich begraben.


Die Lawine zog auf einer Länge von 25 Kilometern eine Schneise der Verwüstung
DPA

Die Lawine zog auf einer Länge von 25 Kilometern eine Schneise der Verwüstung

Gisel/Russland - Das kaukasische Bergdorf Nischni Karmadon mit mehr als 20 Häusern wurde unter einer meterhohen Lawine verschüttet. "Es gibt nur noch wenig Hoffnung, dass im Dorf jemand überlebt hat", sagte der Präsident der Teilrepublik Nordossetien, Alexander Dsasochow, am Samstag. Eis, Geröll, Schlamm und umgeknickte Bäume schoben sich den Berg hinab, bis der Gletscher nach etwa 25 Kilometern auf der Fernstraße von Gisel nach Karmadon zum Stillstand kam.

Zu den Vermissten gehören neben den rund 50 Dorfbewohnern auch eine Gruppe von 29 Menschen, die in der Gegend einen Film drehten. Unter ihnen der populäre 30-jährige Schauspieler Sergej Bodrow. Zwei Polizisten, die an der Grenze zwischen Nordossetien und Georgien patrouillierten, werden ebenfalls seit Freitagabend vermisst.

Nach Berichten der Nachrichtenagentur Interfax hinterließ die Lawine einen 400 Meter breiten Pfad der Zerstörung. Der Fernsehsender TWS berichtete, dass es sich um einen Gletscher des Bergs Kasbek handele, einem der höchsten Gipfel Russlands. Nach Angaben Dsasochows war der abgefallene Gletscher etwa 150 Meter hoch. In der Region liegen mehrere Campingplätze für Touristen, es ist jedoch nicht klar, ob sie ebenfalls verschüttet wurden.

Der Leiter des Rettungsdienstes in der nahe gelegenen Republik Inguschetien, Murat Batajew, erklärte, 25 Menschen seien gerettet worden. Nähere Angaben machte er nicht. Möglicherweise müssten die 3000 Bewohner der Ortschaft Gisel in Sicherheit gebracht werden, da die Flüsse Genaldon und Giseldon über die Ufer treten könnten. Beide wurden von der Gerölllawine blockiert. Eine Sprecherin des Ministeriums für Notlagen in Moskau erklärte dagegen, der Gletscher blockiere den Fluss Karmadon, der nun mehrere nahe gelegene Ortschaften zu überschwemmen drohe.

Wegen des Unglücks sagten die Behörden in Nordossetien und Inguschetien eine für Samstag geplante Zeremonie zum Ende des Krieges zwischen beiden Republiken ab. Die beiden ethnischen Gruppen hatten sich 1992 einen kurzen Krieg geliefert, der hunderte Menschen das Leben kostete.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.