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PROMINENTE Details aus dem Luder-Zuber

Neues von Falten-Rocker Mick Jagger: Er wird möglicherweise wieder Vater, hatte vielleicht eine Affäre mit einem Fotomodell und wird eventuell geschieden.
aus DER SPIEGEL 50/1998

Wenn gewöhnliche verheiratete Männer eine Affäre haben, passiert normalerweise dieses: Sie fangen plötzlich wieder an, Sport zu treiben, oder färben sich ersatzweise die Haare. Außerdem - untrügliches Zeichen für betrogene Ehefrauen - bürsten sie ihre Jacketts auf einmal selber aus.

Eine Frau, die eine Affäre hat, legt ebenfalls Wert auf Diskretion. Deshalb erzählt sie niemandem von der Liaison - höchstens einer Handvoll bester Freundinnen.

Wenig später steht dann alles in der Zeitung - jedenfalls wenn der Mann Mick Jagger heißt. Da nützt es überhaupt nichts, verräterische Haare vom Kragen zu zupfen und seiner Frau den braven Kuschelrocker vorzuspielen.

Bisher verlief die Beziehung von Mick Jagger, 55, und seiner Noch-Ehefrau Jerry Hall, 42, nach einem vorhersagbaren Muster: Jagger betrog Jerry mit einem Model, ließ sich öffentlich von Jerry beschimpfen, kehrte irgendwann reumütig zurück, wurde aufgenommen und zeugte der Gattin ein Kind.

Vier Sprößlinge lang hat damit leidlich funktioniert, was Jerry als Rezept für eine dauerhafte Beziehung ausgegeben hat: Eine Frau, so befand sie, solle ihrem Kerl täglich ein Lippenbekenntnis ihrer Liebeskunst ablegen, so daß Saft und Kraft für Seitensprünge sich gar nicht erst ansammeln.

Nun aber scheint dem Rockstar einiges durcheinandergeraten zu sein, weshalb er jetzt Trübsal bläst und seine Frau gleich zwei Scheidungsanwälte engagiert hat: Die britische »Sun« berichtet, das Model Luciana Gimenez Morad, 29, habe eine Affäre mit Jagger und sei im dritten Monat schwanger. Die gebürtige Brasilianerin habe das (und ein paar Details mehr) jedenfalls einer Freundin erzählt.

In Deutschland hat sich das Blatt für angewandte Schlafzimmerkulturforschung, die »Bild«-Zeitung, des Themas angenommen, und weil »Luciana Gimenez Morad« ein für das schnelle Lesen eher hinderlicher Name ist, heißt die Frau in »Bild« einfach nur »das Sex-Luder«.

Vergangene Woche reportierte das Blatt einer treuen Fangemeinde immer neue Luderlichkeiten aus dem Liebesleben des Rockstars und seines Scheidungsgrunds.

Verbürgte und unverbürgte Bekanntschaften des Rolling-Stones-Sängers lobten da seine »lange Zunge« sowie andere Ferkeligkeiten ("Dann fing er an, wirklich hart zuzubeißen"). Ausgespart blieben nur ganz alte Liebschaften wie jene mit der Sängerin Marianne Faithfull, die einst bei einer Drogenrazzia auf einer Stones-Fete durch inadäquaten Gebrauch eines Marsriegels die Polizisten irritierte.

Die neueste Affäre des vielfaltigen Sexprotzes bietet auch ohne Rückgriff auf frühe Jugendsünden genügend Stoff für großzügig bebilderte Artikel. Luciana Gimenez Morad hat, laut »Bild«-Recherche, schon mehrfach in höchsten Promi-Kreisen verkehrt. Der Sänger Rod Steward, Regisseur Francis Ford Coppola, Ohrenbeißer Mike Tyson und Karatekönig Jean-Claude van Damme werden erwähnt.

Auch ein namenloser Immobilienmakler aus Köln und ein Hamburger Kneipenwirt treten auf. Die sind zwar nicht so prominent, haben aber die besseren Geschichten zu erzählen. Den Makler soll Morad vor sechs Jahren zu einem schnellen Akt auf den Hotelbalkon gebeten haben - mit Blick auf den Kölner Dom. Doch leider: »Es war Winter - zu kalt.«

Auch Lars, der Barkeeper, konnte der interessierten Leserschaft mit Details für den Luder-Zuber dienen: Sie habe ihm gegenüber nicht nur den Sex mit Jagger gelobt, sondern noch einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Wesenszug des Stones-Chefs: »Er redet auch mit mir.«

Öffentlich hat Morad die Liaison mit Jagger allerdings bestritten, sie habe ihn beim Konzert der Stones in Rio kennengelernt, er habe sich als netter Bursche herausgestellt, aber mehr sei eben nicht gewesen.

Das Dementi half kein bißchen. Schließlich hatte eine Freundin des Models längst präzisiert, was ein netter Kerl ist: »Sie sagte, Mick sei wunderbar im Bett, sehr einfühlsam.«

Auch Morads Vater Joao hat das Dementi seiner Tochter wohl nicht richtig mitgekriegt: Er beschimpfte Jagger als alten Lustmolch, der sich was schämen sollte. Sein Töchterlein habe Flirts mit Beinahe-Rentnern nicht nötig. Das Baby sei allerdings garantiert von Mick Jagger.

Das wiederum bestreitet nicht nur die Tochter, sondern auch ein Arzt namens Matthew Tracey. Der ist der Lebensgefährte von Model Morad und meint, wenn da überhaupt ein Baby sei, dann ja wohl von ihm.

Nun ist die Lage verworren: Es gibt konkurrierende Väter für ein potentiell vorhandenes Baby, wovon der eine aber nicht prominent genug ist, um als Vater in die Zeitungen zu kommen, und der andere wegen luderlichen Lebenswandels eine Menge Ärger am runzeligen Hals hat - und nun dem Model 1,5 Millionen Mark Schweigegeld angeboten haben soll.

Als Kindsvater hätte Jagger freilich etliche Erfahrung vorzuweisen. Aus diversen ehelichen Beziehungen hat er sechs Kinder, die Zahl der unehelichen gibt er selbst an mit »nicht sehr viele«. ANSBERT KNEIP

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