Zugausfälle im Norden Bahn bezichtigt Unbekannte der Sabotage

Ein Funkausfall bei der Deutschen Bahn hat am Morgen den Fernverkehr im norddeutschen Raum lahmgelegt. Laut einem Sprecher der Bahn wurden Kabel sabotiert, die für den Zugverkehr unverzichtbar sind. Die Bundespolizei ermittelt.
Hauptbahnhof Hamburg: Menschen warten auf Informationen zu ihren Verbindungen

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Foto: Bodo Marks / dpa

Die großflächigen Ausfälle im Zugverkehr in Norddeutschland gehen nach Aussage der Bahn auf Sabotage zurück. »Aufgrund von Sabotage an Kabeln, die für den Zugverkehr unverzichtbar sind, musste die Deutsche Bahn den Zugverkehr im Norden heute Vormittag für knapp drei Stunden einstellen«, sagte eine Sprecherin der Bahn dem SPIEGEL. Die zuständigen Sicherheitsbehörden hätten die Ermittlungen aufgenommen.

Nach SPIEGEL-Informationen fiel das Funk-Kommunikationsnetz der Bahn am Samstagmorgen gegen 6.40 Uhr komplett aus. In Sicherheitskreisen hieß es, zuvor hätten Unbekannte bei Berlin-Karow eine für das Kommunikationsnetz entscheidende Datenleitung in einem Kabelschacht durchtrennt. Auch bei Dortmund wurde kurz vor dem Totalausfall ein ähnlicher Sabotageakt in einem Kabelschacht festgestellt, so ein Ermittler. Ob die beiden Taten in Zusammenhang stehen, werde derzeit noch geprüft.

Für eine gezielte Sabotage-Aktion, so an den Ermittlungen beteiligte Beamte, brauche man Informationen über das Netzwerk der Bahn und wie man es lahmlegen kann.

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Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hat auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz von einer vorsätzlichen Tat gesprochen. Den Behörden seien die Hintergründe noch nicht bekannt.

Weitere Beeinträchtigungen des Zugverkehrs möglich

Die technische Störung hatte am Samstagmorgen in Norddeutschland einen kompletten Stillstand im Fernverkehr der Deutschen Bahn verursacht. Betroffen waren alle ICE- sowie IC- und EC-Züge in Norddeutschland, teilte die Bahn am Morgen mit. Der ICE-Verkehr zwischen Berlin, Hannover und Nordrhein-Westfalen war ebenfalls eingestellt. In Niedersachsen und Bremen standen außerdem auch alle Regionalexpress- und Regionalbahnverbindungen still.

Im Lauf des Vormittags wurde die heftige Störung laut Bahn behoben. Allerdings seien noch Beeinträchtigungen im Laufe des Tages möglich.

Mehrere Quellen aus Bahn-Kreisen bestätigten dem SPIEGEL am Vormittag, dass der Grund der Bahnstörung ein flächendeckender Ausfall des von der Bahn genutzten Funknetzes GSM-R in Norddeutschland gewesen sei. Über dieses Netz läuft nicht nur der Sprechfunk zwischen Leitstellen und Zügen, sondern auch die digitale Übermittlung von Fahrplandaten. Die Kommunikation über GSM-R sei eine »zentrale Schnittstelle zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur«, hieß es. Ein Kontakt zu Lokführern und Personal war zwischenzeitlich nicht möglich.

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Den Angaben zufolge war nicht nur der Fernverkehr, sondern auch der Regionalverkehr von der Störung betroffen.

Auch im internationalen Fernverkehr fielen Züge aus: Auf der Strecke zwischen Berlin und Amsterdam entfielen IC-Züge komplett. IC-Züge von und nach Kopenhagen und Aarhus endeten in Padborg.

Die Bahn hob als Folge der Störungen die Zugbindung bereits gekaufter Fernverkehrstickets auf. Wer eine Reise für Samstag gebucht habe, könne diese »bis einschließlich sieben Tage nach Störungsende flexibel nutzen. Sitzplatzreservierungen können kostenfrei storniert werden«, erklärte das Unternehmen . Wer nicht mehr reisen möchte, kann sich den Ticketpreis erstatten lassen.

Der Ausfall traf nicht nur Wochenendpendler, sondern auch Familien auf dem Weg in den Urlaub: In Hamburg und Schleswig-Holstein haben am Samstag die Herbstferien begonnen.

Anmerkung: In einer früheren Version war von dem Funknetz GSR-M die Rede – tatsächlich heißt das von der Bahn genutzte Netz aber GSM-R. Wir haben die entsprechende Stelle korrigiert.

mgb/cpa/svs/dpa/rtr
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