Güterzugunfall in Niedersachsen Wichtige Bahnstrecke bleibt bis Mitte Dezember gesperrt

Bahnreisende müssen sich weiter auf Verzögerungen und volle Züge einstellen: Nach der Kollision zweier Züge im Landkreis Gifhorn kann eine viel befahrene Strecke länger nicht genutzt werden als gedacht.
Beschädigte Waggons in Leiferde (Aufnahme vom 21.11.): Die Arbeiten an der Unfallstelle dauern an

Beschädigte Waggons in Leiferde (Aufnahme vom 21.11.): Die Arbeiten an der Unfallstelle dauern an

Foto: Philipp Schulze / dpa

Nach der Kollision zweier Güterzüge im niedersächsischen Landkreis Gifhorn hat die Deutsche Bahn eine Streckensperrung erneut verlängert. Bis voraussichtlich zum 16. Dezember sei mit Beeinträchtigungen auf der viel befahrenen Strecke zwischen Hannover und Berlin zu rechnen, teilte das Unternehmen mit.  In den Zügen auf den Alternativrouten sei mit einem hohen Reiseaufkommen zu rechnen.

Zuvor war die Bahn davon ausgegangen, dass die Strecke mindestens bis zum 27. November gesperrt bleiben muss. Nach Angaben der Feuerwehr gehen die Arbeiten an der Unfallstelle voran: Voraussichtlich bis zum Wochenende soll demnach das explosive Propangas aus den vier umgekippten Kesselwagen abgepumpt oder abgefackelt sein.

Ermittlungen gegen Mitarbeiterin

Am Donnerstag vergangener Woche war es bei Leiferde zu dem Unfall gekommen. Dort hielt ein Güterzug an einem Signal. Nach Erkenntnissen der Ermittler gab eine Mitarbeiterin der Deutschen Bahn die Strecke fälschlicherweise für einen weiteren Güterzug mit 25 mit Propangas gefüllten Kesselwagen frei. Dieser kollidierte mit dem stehenden Zug, vier Waggons kippten auf die Seite, mindestens einer wurde so schwer beschädigt, dass Gas ausströmte. Der Lokführer wurde leicht verletzt, die Oberleitung massiv beschädigt.

Nach Angaben der Bundespolizei wird gegen die Bahnmitarbeiterin wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr und fahrlässiger Körperverletzung ermittelt.

Mittlerweile sei das Gas aus allen Waggons zur Hälfte abgepumpt, mehr sei wegen der Schräglage der Wagen nicht möglich, sagte ein Feuerwehrsprecher. Ein Waggon sei sogar bereits völlig leer, das verbliebene Gas sei kontrolliert abgefackelt worden. Das Propangas aus den übrigen drei Waggons werde nun ebenfalls abgefackelt.

Der Feuerwehrsprecher erklärte, wegen der niedrigen Außentemperatur müssten die Waggons erwärmt werden, damit das Propangas vom flüssigen in einen gasförmigen Zustand übergehen und abgefackelt werden könne. Dafür würden die Waggons mit warmem Wasser beregnet. Zwar hatte die Deutsche Bahn Bedenken geäußert, weil das Wasser das Erdreich aufweichen und die Bergung mit großen Kränen erschweren könne. Aber es seien vorsorglich Brunnenschächte angelegt worden, um das Wasser abpumpen zu können, sagte der Sprecher.

Umsteigeverbindungen über Hamburg nutzen

Nach Angaben der Bahn können die Aufräumarbeiten erst beginnen und die umgekippten Waggons abtransportiert werden, wenn die Feuerwehr die Unfallstelle freigegeben hat. Danach müssten die Schäden an der Infrastruktur genauer begutachtet werden, dann beginne die Reparatur. Bei der Kollision seien Gleise, Oberleitungen sowie Leit- und Sicherungstechnik beschädigt worden.

Fahrgäste, die ihre für den Zeitraum zwischen dem 18. November und dem 16. Dezember geplanten Reisen verschieben möchten, können laut Bahn ihr Ticket flexibel im Fernverkehr bis einschließlich sieben Tage nach Störungsende nutzen. Reisenden riet die Bahn, zwischen Berlin und dem nördlichen Nordrhein-Westfalen Umsteigeverbindungen über Hamburg zu nutzen – zwischen Berlin und dem Süden Nordrhein-Westfalens auch Umsteigeverbindungen über Frankfurt.

Außerdem seien zwischen Wolfsburg und Hannover stündlich Ersatzbusse unterwegs. Gleichzeitig baut die Deutsche Bahn die sogenannte Weddeler Schleife zwischen Braunschweig und Wolfsburg zweigleisig aus, daher ist der Abschnitt zwischen Weddel und Fallersleben voraussichtlich bis zum 10. Dezember gesperrt. Ziele sind laut Bahn der Halbstundentakt zwischen Braunschweig und Wolfsburg, pünktlichere Züge sowie die Entlastung des Eisenbahnknotens Hannover.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, die Deutsche Bahn empfehle, auf nicht notwendige Reisen zu verzichten. Dieser Hinweis ist nach Angaben des Unternehmens jedoch nicht mehr aktuell. Wir haben die Information deshalb entfernt.

bbr/dpa/AFP
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