Deutsche Hilfsorganisationen Ein Drittel der Tsunami-Spenden ausgegeben

Ein Jahr nach der Tsunami-Katastrophe haben die großen deutschen Hilfsorganisationen mehr als ein Drittel der Spendengelder ausgegeben. Trotzdem werde der Wiederauffbau in den Katastrophengebieten noch mehrere Jahre dauern, teilten Deutsches Rotes Kreuz, UNICEF, Caritas und Diakonie mit.


Berlin - Auch andere Krisenregionen wie das südliche Afrika, der Sudan oder Kolumbien dürften nicht vergessen werden, forderten die Hilfsorganisationen heute auf einer Konferenz in Berlin.

Der größte Teil der restlichen Tsunami-Mittel sei bereits für konkrete Projekte verplant, gaben die Hilfsorganisationen bekannt. In Deutschland wurden insgesamt 670 Millionen Euro für die Tsunami-Region gespendet. 320 Millionen davon gingen an DRK, UNICEF, Diakonie und Caritas. Nach Angaben der Organisationen wurden davon 124 Millionen bereits investiert. Weitere 147 Millionen sind für die nächsten Jahre verplant. Damit haben die Organisationen noch eine Reserve von 49 Millionen Euro.

"Die Welt hat gezeigt, dass sie auf die Jahrhundertkatastrophe des Tsunami reagieren kann", erklärte der Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, Dietrich Garlichs. Der Wiederaufbau werde aber "sicherlich drei bis fünf Jahre dauern". Er verwies darauf, dass die Schäden in der japanischen Stadt Kobe nach der Erdbebenkatastrophe 1995 erst sieben Jahre später behoben waren.

Die Nothilfe im ersten Jahr werteten die Hilfsorganisationen als Erfolg. "Die Katastrophe nach der Katastrophe ist verhindert worden", sagte Garlichs. In den Flutgebieten sei kein Kind an Seuchen oder Mangelernährung gestorben. Fast alle Kinder gingen heute wieder zur Schule. Trotz vieler Fortschritte sei die Situation in den Tsunami-Gebieten aber weiter schwierig. Bis heute lebten in Indonesien, Sri Lanka und Indien mehr als 200.000 Menschen in überfüllten und zum Teil unhygienischen Barackensiedlungen oder Zelten. Etwa ein Drittel davon seien Kinder und Jugendliche.

Kritik an kleinen Hilfsorganisationen

Auch DRK-Chef Rudolf Seiters sagte, dass die Wiederaufbauarbeit "eine Riesenherausforderung war, aber noch viele Jahre bleiben wird". Das Deutsche Rote Kreuz will bis 2010 in der Katastrophenregion helfen. Zur Zeit sind dort noch 50 Mitarbeiter der Organisation im Einsatz. Über die Soforthilfe hinaus sei Nachhaltigkeit und Langfristigkeit wichtig. "Wir konzentrieren uns auf eine bessere Katastrophenvorsorge, den Wiederaufbau von Häusern, Kleingewerbe, Schulen und medizinischen Einrichtungen sowie die Sanierung von Wasser- und Abwasserinfrastrukturen", betonte Seiters.

Allein das DRK hat von den ihr zugewiesenen 124 Millionen Euro bereits 103 Millionen Euro eingesetzt und verplant. Im Hinblick auf Korruptionsvorwürfe während des Katastropheneinsatzes sagte Seiters: "Wir zahlen keine Eintrittsgelder an Behörden. Der Einsatz der Mittel verläuft kontrolliert." Seiters forderte die Bundesregierung auf, Katastrophenhilfe zu einem wichtigen Bestandteil der Entwicklungszusammenarbeit zu machen. Staatliche Mittel müssten für neue Katastrophen flexibel einsetzbar sein.

Zugleich wurde Kritik an kleineren Hilfsorganisationen geübt. "Sie kamen zwar spontan zum Einsatz, aber der verlief unkoordiniert", sagte Seiters. "Wir koordinieren dagegen innerhalb unserer eigenen Netzwerke und mit den lokalen und staatlichen Behörden vor Ort."



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