Deutsche Raumfahrt-Jubiläen Männer im Mond

Bis zum Mond haben sie es nicht gebracht, aber in die Geschichtsbücher. Vor 25 Jahren flog der erste Deutsche ins All. Die Abenteuertrips von Sigmund Jähn (Ost) und Ulf Merbold (West) sind ein Stück deutscher (Teilungs-)Geschichte.


Sigmund Jähn: Weltenforscher
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Sigmund Jähn: Weltenforscher

Markneukirchen - Bundespräsident Johannes Rau hat auf einer Festveranstaltung am Samstag in Markneukirchen zwei wichtige Jubiläen der deutschen Raumfahrt gewürdigt. Vor 25 Jahren, am 26. August 1978, war DDR-Kosmonaut Sigmund Jähn mit dem sowjetischen Raumschiff Sojus 31 als erster Deutscher ins All gestartet. Fünf Jahre später flog der Westdeutsche Ulf Merbold als erster Nicht-Amerikaner an Bord eines Space Shuttle in den Weltraum. Die Erkundung des Alls habe sich von einem Wettrennen der politischen Blöcke zu einer gemeinsamen Aufgabe entwickelt, sagte Rau vor etwa 1000 Gästen.

Zu den Besuchern der Veranstaltung "Raumfahrt - eine Zeitreise" zählten 13 Kosmonauten und Astronauten aus Deutschland, den USA und Russland. Angereist war auch Waleri Bykowski, der vor 25 Jahren Jähns Raumschiffkommandant war.

Rau betonte, die Raumfahrt werde heute nicht mehr als Waffe gegen den anderen benutzt, sondern sei gemeinsame Sache von Ost und West zum Nutzen der Wissenschaft und damit der Menschen. "Wir feiern heute hier ein Stück weit, dass die Spaltung der Welt zu Ende ist. In diesem Sinne ist das hier ein Friedensfest", sagte der Bundespräsident. Noch vor einem Vierteljahrhundert sei Jähns Flug im Westen heruntergespielt worden. Ähnlich sei es Merbold 1983 mit umgekehrten Vorzeichen im Osten ergangen. Rau würdigte das anhaltende Engagement beider für die Raumfahrt.

Emotionaler Höhepunkt einer Multi-Media-Show war eine Live-Schaltung zur Internationalen Raumstation ISS mit der derzeitigen Besatzung Juri Malentschenko (Russland) und Edward Lu (USA). Beide Weltraumflieger, die sich zu diesem Zeitpunkt über dem Südpazifik befanden, berichteten über ihre Experimente an Bord der ISS. Ihre Mission sei möglich dank der Zusammenarbeit vieler Nationen, sagte der russische Kommandant.

Der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Sigmar Wittig, sagte: "Europa ist ein aktiver Akteur, der vieles mitbestimmt in der heutigen Raumforschung und von den Partnern Russland und USA sehr ernst genommen wird." Deutschland leiste mehr als 40 Prozent des europäischen Beitrags zur ISS. Bei der Zusammenarbeit mit Russland sei das DLR sehr froh, die Erfahrung Sigmund Jähns nutzen zu können. "Er ist unser Mann in Moskau."

Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) sagte, die Weltraumforschung sei nicht mehr wegzudenken. Ohne sie gäbe es keine Entwicklung des Alltags auf der Erde. Jähn habe seinerzeit mit den Experimenten mit der Multispektralkamera im All eine Vorreiterrolle bei der Erderkundung aus der Ferne gespielt. Sie spiele heute vor allem zur Klimaerforschung eine zunehmend wichtige Rolle.

Vor der Festveranstaltung in Markneukirchen hatte Bundespräsident Rau mit Jähn dessen Geburtsort Morgenröthe-Rautenkranz besucht. Nach einer Stippvisite im dortigen Raumfahrtmuseum trug sich das Staatsoberhaupt in das Gästebuch ein.



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