"Islamischer Staat" Deutscher Regierungsangestellter bot geheime Rückholaktion für IS-Frauen an

Ein Stuttgarter Regierungsangestellter versprach Eltern Geheimoperationen, um deren Töchter aus IS-Gebiet nach Hause zu holen. Doch nach SPIEGEL-Informationen gab es die teuren Missionen so nicht.
Frauen, die aus IS-Gebiet gerettet wurden (Archiv)

Frauen, die aus IS-Gebiet gerettet wurden (Archiv)

Foto: Andrea Rosa/ AP/ DPA

Ein Mitarbeiter des baden-württembergischen Innenministeriums bot Angehörigen von IS-Frauen fragwürdige Rettungsaktionen an. Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, überwies ein Vater aus den Niederlanden auf Anweisung des Extremismusexperten Daniel Köhler insgesamt 40.000 Euro auf ein Konto in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Köhler versprach dem Mann eine Geheimoperation, um dessen Tochter zurückzuholen, die zum "Islamischen Staat" (IS) ausgereist war.

Die schwangere Tochter wartete schließlich zusammen mit ihrem ersten Kind im Eingang eines Krankenhauses, angeblich sollte sie abgeholt werden. "Plötzlich erzählte Köhler, der IS habe zwei seiner Leute verhaftet und getötet ", sagte der Vater dem SPIEGEL. Als die Tochter später auf einem Motorrad aus dem IS-Gebiet floh, wurde sie von kurdischen Milizen beschossen und festgenommen.

Es handelte sich bereits um den zweiten vermeintlichen Rettungsversuch des Regierungsangestellten. Im Fall einer anderen Niederländerin hatte sich Köhler engagiert, nachdem deren Vater 10.000 Euro auf ein Konto in England überwiesen hatte. Bei ihrer Flucht aus der IS-Hochburg Mossul wäre die Frau 2016 ebenfalls beinahe gestorben.

Köhler verwies auf SPIEGEL-Anfrage auf die Staatsanwaltschaft Stuttgart, die den ersten Fall geprüft und kein strafrechtlich relevantes Verhalten festgestellt habe. Köhler hatte damals gesagt, seine Aktivitäten seien ehrenamtlich gewesen. Auch das Innenministerium in Stuttgart teilte mit, es handele sich um eine "private, ehrenamtliche Tätigkeit" seines Mitarbeiters.

gud