Diana-Prozess Harrods-Besitzer greift Königshaus an

Ließ das britische Königshaus Prinzessin Diana ermorden? Mohamed al-Fayed, Vater des Diana-Liebhabers Dodi, ist davon überzeugt. Doch statt bei Gericht Beweise vorzulegen, zeterte er: Prinz Philip sei ein "Nazi" und "Rassist", die Frau des britischen Thronfolgers Charles sei wie ein "Krokodil".


London - Auf diesen Moment hat Mohamed al-Fayed lange warten müssen. Schon monatelang zieht sich vor einem Londoner Gericht die Anhörung zum Tod Prinzessin Dianas hin. Zeugen wurden gehört, vom Botschafter bis zum Butler hat so mancher seine Sicht der Dinge zum Besten geben dürfen.

Heute betrat er die Bühne: Mohamed al-Fayed, Vater Dodi al-Fayeds, der beim Crash im Pariser Autotunnel 1997 getötet wurde. Dodi und Prinzessin Diana, so behauptet es Mohamed al-Fayed seit zehn Jahren, seien ermordet worden. Die beiden seien Opfer eines Komplotts, dessen Drahtzieher im Königshaus zu suchen sind.

Die Frage, auf deren Beantwortung alle Involvierten - nebst Medien und Weltöffentlichkeit - seit nunmehr zehn Jahren warten, lautet: Welche Beweise für seine These vom Mordkomplott hat der alte, reiche, verbitterte Mann, der die Erinnerung an das tote Paar in seinem Nobelkaufhaus Harrods mit einem monströsen, schreinartigen Monument zu bewahren versucht?

In dieser Hinsicht bot al-Fayeds Auftritt vor dem Gericht heute keine Überraschungen. Er beruft sich vor allem auf vertrauliche Äußerungen Dianas ihm selbst gegenüber. "Sie hat gesagt, dass sie sterben wird", resümierte al-Fayed heute. "Sie hat gesagt, dass sie bei einem Autounfall ums Leben kommen wird. Und genau das ist ihr und meinem Sohn passiert."

Diana habe sich ihm anvertraut, so al-Fayed weiter: "Die Prinzessin erzählte mir, sie habe Beweise dafür, dass ihr Leben in Gefahr sei und dass sie diese Beweise in einem hölzernen Kistchen aufbewahre." Solle ihr etwas zustoßen, habe Diana hinzugefügt, müsse er, al-Fayed, dafür Sorge tragen, "dass der Inhalt der Kiste öffentlich gemacht wird". In dem Kästchen hätten sich Briefe des Prinzen Philip an Diana befunden - doch diese, wenn es sie je gab, sind seitdem verschwunden.

Al-Fayed verlas eine längere Erklärung, die mit allen Verschwörungstheorien gespickt war, die der Multimillionär, mit wechselnder Vehemenz, immer wieder formuliert: Die meistfotografierte Frau der Welt und ihr Liebhaber wurden demnach ermordet.

Al-Fayeds Angestellter, der Chauffeur Henri Paul, eigentlich Sicherheitschef des Hotels Ritz in Paris, das al-Fayed gehört, steckte nach al-Fayeds Ansicht mit den Mördern unter einer Decke: "Als er getötet wurde, fand man 20.000 Francs in seiner Tasche - drei Stunden vor dem Mord war er nämlich verschwunden. Man hatte ihm mitgeteilt, was er zu tun hatte."

Diana, so wird al-Fayed nicht Müde zu beteuern, sei von seinem Sohn Dodi schwanger gewesen: "Diana hat es mir am Telefon erzählt. Ich war der Einzige, dem sie es erzählt haben (gemeint sind Diana und Dodi, Anm. d. Red.)."

Diese vermeintliche Schwangerschaft, für die alle polizeilichen und medizinischen Untersuchungen den Beweis schuldig blieben, ist al-Fayeds wichtigstes Argument für das Mordkomplott. Die Vorstellung, Diana, Mutter des künftigen englischen Königs William, könne einem Halb-Muslim das Leben schenken, sei für die Royals unerträglich gewesen.

Treibende Kraft sei Prinz Philip, Gatte der Königin Elizabeth II., so al-Fayed. Der Prinz sei "ein Rassist, ein Nazi", der nicht habe akzeptieren können, dass Diana einen Araber und Muslim heiraten wollte. Philip solle doch "zurück nach Deutschland" gehen - ein Hinweis auf den deutschen Stammbaum des aus dem Geschlecht der Battenberg stammenden Prinzgemahls.

Dass viele der bislang gehörten Zeugen - darunter eine enge Freundin Dianas und ihre allzeit bestens informierte Stiefmutter - vehement bestritten, Diana sei die Affäre mit Dodi Ernst gewesen, ficht al-Fayed nicht an. Indizien, Beweise gar, die gegen seine Theorien sprechen, seien ganz einfach manipuliert - und zwar vom britischen Geheimdienst und damit vom Königshaus.

Charles und seine "krokodilartige" Frau Camilla

Natürlich ist laut al-Fayed auch Dianas Ex-Gatte Prinz Charles in das schurkische Komplott involviert. Der habe Diana beiseite schaffen wollen, ätzt al-Fayed, um seine Geliebte Camilla heiraten zu können, seine "krokodilartige Frau".

Es braucht nicht viel, um al-Fayed aus der Ruhe zu bringen und ihm solche bitterbösen Sottisen zu entlocken. Denn dass seinen Theorien die Untermauerung durch Fakten fehlt, muss ihm selbst immer wieder klar werden. Erst vergangene Woche musste al-Fayeds eigener Sicherheitschef John Macnamara vor Gericht eingestehen, dass es keinerlei Beweise gebe, die beispielsweise Prinz Philip belasten.

Aufhalten lässt sich al-Fayed kaum. Der Selfmade-Milliardär, der neben dem Shopping-Dinosaurier Harrods auch ein schottisches Schloss und den Fußballverein Fulham FC sein eigen nennt, hat in der Sache "Diana" bereits Gerichtsverfahren in den USA, Frankreich und schließlich in Großbritannien angestrengt.

Die schlichte Alternative zum Komplott - Diana und Dodi starben bei einem Autounfall - ist zu banal, und vielleicht zu schmerzlich, für einen Mohamed al-Fayed.

pad



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