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LEGENDEN Die Himmelsbotin

aus DER SPIEGEL 22/2007

Sie galt als die mutigste Frau Deutschlands, als berühmteste Sportlerin des Landes, sie war die erste Frau, die allein um die Welt flog. Am 30. Mai wird Elly Beinhorn ihren 100. Geburtstag feiern - im Bewusstsein, dass sie keineswegs eine verblasste Ikone der dreißiger Jahre ist. Als die Zeitschrift »Brigitte« Fliegermode präsentierte, widmete sie die Seiten Elly Beinhorn, mehrere Straßen sind nach ihr benannt, und eine Lounge am Stuttgarter Flughafen heißt natürlich auch wie sie. Zum Jubiläum bringt der Münchner Verlag Herbig nun eine neue Ausgabe ihrer in den siebziger Jahren erschienenen Memoiren heraus - sie lesen sich wie ein Abenteuerroman ("Alleinflug«, 384 Seiten, 19,90 Euro). Beinhorn schildert, wie sie mit 23 allein zu ihrem ersten Afrikaflug startete, bei dem sie allerdings in der Sahara notlanden und vier Tage durch die Wüste marschieren musste. Sie erzählt, wie ihr Mann, der Rennfahrer Bernd Rosemeyer, bei einem Rekordversuch ums Leben kam, wie ein Bekannter neben ihr beim Baden in Bali von einem Hai zerfleischt wurde. Dass sie von den NS-Größen in den dreißiger Jahren verehrt wurde - darauf geht sie allerdings nicht ein: Ihr Zeugnis ist das einer Unpolitischen. Elly Beinhorn ist gefragt worden, warum sie meist allein flog, warum sie nicht öfter einen Mann mitgenommen habe. Die Antwort im Buch: »Ein richtiger Mann würde sich nicht monatelang dem Kommando eines weiblichen Kapitäns fügen - und einen nicht ganz richtigen Mann wollte ich schon gar nicht neben mir haben.«

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