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DIE REVOLUTION DER HUNDERTJÄHRIGEN

Frank Schirrmacher hat ein Thema aufgegriffen, für das sich bisher vor allem Ökonomen und Bevölkerungsforscher zuständig fühlten. »Wer die Grafiken richtig liest«, so der Frankfurter Journalist, »mit denen das Statistische Bundesamt die Alterung und Bevölkerungsentwicklung unserer Gesellschaft abbildet, weiß, dass uns eine Revolution bevorsteht. Und wer begreift, dass er als heute lebender Mensch selbst ein Bestandteil dieser Säulen und Balken ist, begreift, dass diese Revolution keinen anderen meint als ihn selbst.« Schirrmachers Buch »Das Methusalem-Komplott« berichtet spannend wie ein Thriller von dieser alternden Gesellschaft und ihren Folgen für den Einzelnen. Er glaubt, dass das Phänomen der gesellschaftlichen Alterung nicht nur eine neue Phase der Geschichte eröffnet, sondern wohl auch einen neuen anthropologischen Status schafft, auf den wir alle nicht vorbereitet sind: dass wir 100 Jahre alt werden können und dass wir lernen müssen, das Altern nicht mehr als etwas Schlechtes und Bedrückendes zu empfinden. Und womöglich werden schon die heute 50-Jährigen in eine Gesellschaft hineinwachsen, in der sie nicht nur lange, sondern zu lange leben. Denn in Gesellschaften, die einerseits altern, aber andererseits aus der Jugend eine Ideologie gemacht haben, ist altern lebensgefährlich. In »Das Methusalem-Komplott« ruft Schirrmacher dazu auf, sich gegen die Herrschaft einer diskriminierenden und letztlich tödlichen Ideologie zu wehren. Frank Schirrmacher ist 44 Jahre alt und seit 1994 Herausgeber der »Frankfurter Allgemeinen«. Sein Buch »Das Methusalem-Komplott«, aus dem der SPIEGEL einen Auszug druckt, erscheint diese Woche im Blessing Verlag.
Von Frank Schirrmacher
aus DER SPIEGEL 12/2004
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