Dilemma Baby-Blair bringt Tony jetzt schon in die Bredouille

Wird der Premierminister eine Babypause einlegen, wenn seine Frau im Mai ihr viertes Kind zur Welt bringt? Die britische Nation wartet seit Wochen gespannt auf Tonys Antwort - doch der windet und windet sich. Cherie Blair hatte kürzlich öffentlich den finnischen Ministerpräsidenten gelobt, der Erziehungsurlaub genommen hat.


London - "Ich muss ein Land regieren. Ich weiß ehrlich nicht, was ich tun soll", sagte ein nervös wirkender Blair jüngst in einem Interview mit dem Rundfunksender BBC und klang dabei überhaupt nicht wie ein forscher Politiker.

Tony unter Zugzwang
AP

Tony unter Zugzwang

Cherie Blair nimmt ihm die Entscheidung nicht ab und macht ihre Erwartung zugleich öffentlich. In der vergangenen Woche lobte die Rechtsanwältin auf einer Juristenkonferenz in London ausdrücklich den finnischen Ministerpräsidenten Paavo Lipponen, der nach der Geburt seiner zweiten Tochter im März sechs Tage Erziehungsurlaub nahm. Auch bei der Geburt seines ersten Kindes 1998 hatte er eine Auszeit genommen. "Ich bin für eine verbreitete Übernahme dieses guten Beispiels", sagte die 45-Jährige.

Die Boulevardzeitungen, die vom bevorstehenden unerwarteten Zuwachs im Haus Blair ohnehin fasziniert sind, griffen das Thema natürlich sofort auf. "Zeig den neuen Dads wo's langgeht", schrieb die Zeitung "The Mirror", die Blairs Labour-Partei nahe steht. Der Premierminister habe geradezu die Pflicht, mindestens eine Woche freizunehmen. Auch Blairs Frauenministerin Margaret Jay erklärte in einer Talkshow, dass es "schön wäre", wenn er Lipponens Beispiel folgen würde. Diplomatisch fügte sie hinzu, dass die Entscheidung darüber natürlich bei ihm selbst liege.

Der 46-jährige Blair zögert aber, da das Parlament im Mai mitten in der Sitzungsperiode ist und für die Ankunft des Babys natürlich keine Pause geplant ist. Die oppositionellen Konservativen unken, Blair werde es nicht wagen, seinem Stellvertreter John Prescott das Ruder zu überlassen. Prescott, ein ehemaliger Schiffskellner, wird ein Hang zu politischen Fettnäpfchen nachgesagt. Das Massenblatt "Sun" stimmte zu, dass niemand ein Interesse daran habe, Prescott als Regierungschef zu haben. Die Zeitung schlug einen Kompromiss vor: "Vielleicht sollte Blair von zu Hause aus arbeiten."

Der Gesellschaftsreporter Max Clifford drängte Blair dagegen dazu, direkt nach der für den 24. Mai erwarteten Niederkunft wieder an seinen Arbeitsplatz zurückzukehren. "Drei Stunden sind in der Politik eine lange Zeit, ganz zu schweigen von drei Wochen", sagte Clifford. Die frühere konservative Ministerin Edwina Currie schlug dagegen vor, dass Blair zumindest eine kurze Pause nehmen sollte. "Ich hoffe, er nimmt eine Woche frei", sagte sie. "Alles was länger dauert, wird ihn überanstrengen."

Maureen Johnson



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