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Papst-Namen: Der Franz, der kann's

Foto: Ciro Fusco/ dpa

Papst-Namensgebung "Ach Franz!"

Der neue Papst hat viele Namen: Francisco in Spanien, Francis in England, François in Frankreich. Und wir Deutschen? Ziehen das schnöselige "Franziskus" dem ehrlichen "Franz" vor. Warum bloß?
Von Rainer Leurs

Es ist ja nicht so, dass es keine Vorbilder gäbe. Franz Kafka, Franz Ferdinand, Monaco-Franze. Franz Beckenbauer ist eine quasi-päpstliche Figur für Bayern-Fans, Franz Müntefering immerhin für einige Sozis aus dem Sauerland. Und dann erst Kaiser Franz Josef von Österreich: Haben wir all die Jahre zu Ostern Sissi-Schmachtfetzen geguckt, mit ungezählten "Ach Franz!"-Seufzern, damit wir jetzt bei erster Gelegenheit einknicken?

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Niemand hat uns gezwungen, diesen Papst aus Argentinien schnöselig-pseudorömisch "Franziskus" zu rufen. Als Kardinalprotodiakon Jean-Louis Tauran am Mittwochabend auf den Balkon des Petersdoms trat, verkündete er den Gläubigen da unten nur, wie der neue Papst auf Lateinisch heißen will: Franciscus.

Noch in derselben Minute machten sich Katholiken in aller Welt einen eigenen Reim darauf. In Spanien konnte man mit "Francisco" nah am Original bleiben, in England und den USA heißt der neue Pontifex "Francis". Franzosen lernen ihn als "François" kennen. Nur wir Deutschen fanden den schönen Namen "Franz" offenbar unpassend für ein Kirchenoberhaupt - der Mann, der sich ausdrücklich auf den Heiligen Franz von Assisi beruft, heißt bei uns jetzt Franziskus. Wie kam das bloß?

Fragt man bei der deutschen Abteilung des "Osservatore Romano" nach, stößt man zunächst auf Ratlosigkeit. Franziskus klinge natürlich besser, heißt es dort, aber das könne ja nicht der Grund sein. Der Heilige Stuhl jedenfalls gebe keine konkreten Regelungen für die Landessprachen vor.

An "Papst Paul" hatte niemand etwas auszusetzen

"Man kann darüber streiten, wie der Papst heißt", lässt eine Sprecherin der Deutschen Bischofskonferenz per E-Mail wissen. "Franziskus ist aber eine eingeführte Namensformel in Deutschland, wie auch Franz (von Assisi)." Die Bischofskonferenz habe sich mit ihrer Erklärung am Abend der Papstwahl auf Franziskus festgelegt - womit sie auf einer Linie liegt mit den deutschen Medien, SPIEGEL ONLINE inklusive.

Dabei finden wir bis heute nichts dabei, Giovanni Battista Montini als Papst Paul VI. (1963 - 1978) zu bezeichnen - nicht etwa als Papst Paulus. All die Gregors und Benedikts der Kirchengeschichte kamen unlatinisiert davon, obwohl man auch ihnen bequem einen -us-Bürzel anhängen könnte. "Es kam in der Vergangenheit selten vor, dass ein Papstname nicht eingedeutscht wurde", sagt Holger Klatte vom Verein Deutsche Sprache. "Deshalb ist Franziskus ungewöhnlich." Dennoch sei nichts dabei, wenn die Kirche bei der lateinischen Form bleiben wolle.

Milde zeigt sich auch der Publizist und Sprachpapst Wolf Schneider. "Bei den Königen war es tausend Jahre üblich, dass wir sie deutsch benennen", sagt er zwar - gibt aber zu bedenken, dass Deutsche den Franzosenkönig Ludwig XIV. durchaus auch als Louis Quatorze kennen. Und Franziskus? "Gegen Papst Franz sträubt sich einfach das Gemüt", sagt Schneider. Er würde die latinisierte Form "nicht verdammen" - es gebe ein gutes Recht, den Mann Franziskus zu nennen.

Wenn selbst ein streitbarer Deutschlehrer wie Schneider solche Dinge sagt, gibt es für einen Franz auf dem Heiligen Stuhl vermutlich wirklich keine Hoffnung mehr. "Der Zug ist wohl abgefahren", sagt dann auch Jürgen Udolph vom Zentrum für Namenforschung in Leipzig. Für ihn hat die Frage nach dem Papstnamen viel mit Moden und Psychologie zu tun: "Franz" habe zur Zeit einfach kein gutes Image. "Wir können die Popularität von Vornamen gut verfolgen", sagt er. So sei Franz im 19. Jahrhundert weit verbreitet gewesen, bis die Beliebtheit des Namens um 1960 nahezu am Nullpunkt angekommen sei. Von dort habe sie sich seither kaum mehr wegbewegt. "Franziskus dagegen klingt kirchlich, katholisch." Immerhin gibt Udolph zu, dass Franz jahrhundertelang ein absolut normaler Vorname war. "Insofern ist es etwas verwunderlich, dass wir den Papst nicht so nennen. Aber wie gesagt: Der Zug ist abgefahren."

Viel interessanter, erzählt Udolph, sei ohnehin der bürgerliche Nachname des neuen Papstes. "Bergoglio" weise nämlich auf die italienischen Vorfahren des Argentiniers hin - und die waren in einer ganz speziellen Ecke des Piemont ansässig, bis heute der einzigen Region, in der es nennenswert viele Bergoglios gibt. Wenige Kilometer südöstlich, sagt Udolph, heißen die Leute schon "Bergaglio". Und wie nennen die nun ihren neuen Papst?

Francesco. So einfach.

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