DNS-Analyse für "Baby 81" Verzweifelte Eltern stürmen Klinik

Der Fall machte Schlagzeilen: Ein Säugling, am Tag der Flutkatastrophe in eine srilankische Klinik eingewiesen, wird von gleich acht Paaren als Sohn beansprucht. Jetzt hat ein Gericht verfügt, dass eine DNS-Analyse die Identität des Jungen klären soll. Etwa 70 Freunde der mutmaßlichen Eltern stürmten daraufhin das Krankenhaus, der vermeintliche Vater drohte mit Selbstmord.


Bekommt von dem Rummel um seine Person nicht viel mit: "Baby 81"
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Bekommt von dem Rummel um seine Person nicht viel mit: "Baby 81"

Kalmunai/Sri Lanka - Das dreieinhalb Monate alte "Baby 81" war am 26. Dezember als 81. Zugang in die Klinik von Kalmunai eingeliefert worden. Heute entschieden die Richter, dass nur ein Gentest die wahre Elternschaft bestimmen könne. "Tausende Babys sind gestorben und hunderte werden noch vermisst", erklärte Richter M.P. Mohaideen bei der Verhandlung. "Erst nach einem DNS-Test können wir wirklich sicher sein, wer die wahren Eltern sind." Zugleich verkündete er, das Baby werde mindestens bis zum 20. April in der Klinik bleiben. Erst dann werde bei einem neuen Gerichtstermin das Testergebnis verkündet.

Die mutmaßlichen Eltern, Murugupillai Jeyarajah und seine Frau Jenita, reagierten mit einer Mischung aus Empörung und Verzweiflung. Jenita schlug sich auf die Brust und schrie, sie könne es nicht ertragen, so lange noch von ihrem Kind getrennt zu sein. Ihr Mann schwenkte eine Flasche mit einer nach seinen Worten giftigen Flüssigkeit, die er zu trinken drohte. Anschließend stürmte das Ehepaar zusammen mit etwa 70 Freunden das Krankenhaus und forderte Zugang zu dem Jungen. Jenita riss ihn an sich, während Angestellte der Klinik die Menge zu beruhigen versuchten. Sämtliche Ausgänge wurden geschlossen, um eine Entführung des Kindes zu verhindern. Nach dem Eintreffen der Polizei verließ die Menge schließlich die Klinik. Das Baby blieb zurück.

"Baby 81" ist seit Wochen ein Streitfall für die Behörden in Sri Lanka. Jenita und Murugupillai Jeyarajah kämpfen unermüdlich um das Kind. Fest steht, dass Jenita zum Zeitpunkt der Tsunami-Katastrophe einen kleinen Sohn hatte, der ihr nach eigenen Angaben von der Flutwelle entrissen wurde. Ein Nachbar erklärte später, er habe das unversehrte Kind gefunden und ins Krankenhaus gebracht. Doch als Jenita dort eintraf, um den Jungen abzuholen, warteten dort schon acht andere Elternpaare, die das Baby als ihr eigenes ausgaben. Auch diese müssen sich dem Gericht zufolge einem Gentest unterziehen, wenn sie ihren Anspruch aufrechterhalten wollen.

Für die 25 Jahre alte Jenita ist der Kampf um das Kind ein Albtraum: "Mit der Welle sind unser Haus und natürlich alle Dokumente über die Geburt unseres Sohnes verschwunden. Fotografien, Geburtsurkunde, alles weg." Ihre Mutter, S. Parameshwarie, betonte, die Herzen ihrer Tochter und des Mannes seien gebrochen. "Sie haben alles außer dem Kind verloren. Es ist ihres, es hat dasselbe Lächeln wie meine Tochter." Das Ehepaar hatte das Krankenhaus angezeigt, weil es das Kind nicht herausgegeben hatte. Die Klinik wiederum hatte die Polizei und die Behörden eingeschaltet, weil so viele Eltern das Kind haben wollen.

Dilip Ganguly, AP



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