Dokumentation Daschners Aussage in Auszügen

Der frühere Frankfurter Polizeivizepräsident Wolfgang Daschner ist wegen Verleitung zur schweren Nötigung bei den Ermittlungen im Mordfall Jakob von Metzler angeklagt. Im Folgenden sind Teile seiner Aussage dokumentiert.


"Ich wollte das Leben von Jakob retten. Am vierten Tag der Entführung hatte sich die Situation so zugespitzt, dass ich eine Entscheidung treffen musste."

... "Es war für mich nicht vorstellbar, die Vollendung eines Mordes an einem entführten Kind unter staatlicher Aufsicht zuzulassen."


Zu seiner Anweisung an den Beamten, der den mordverdächtigen Magnus Gäfgen verhörte, sagte Daschner:

"Ich habe ihn angewiesen, den Tatverdächtigen erneut zum Verwahrort des Kindes zu befragen, eindringlich an sein Gewissen zu appellieren und auf die akute Lebensgefahr hinzuweisen. Für den Fall der weiteren Weigerung sollte er ankündigen, ... er (Gäfgen) müsse damit rechnen, dass gegen ihn unmittelbarer Zwang angewendet werde."

... "Eine Anordnung, unmittelbaren Zwang gegen Magnus Gäfgen konkret anzudrohen und anzuwenden, ist zu keinem Zeitpunkt erfolgt. Sie wäre, wenn sie unumgänglich geworden wäre, ohnehin meiner Entscheidungskompetenz entzogen gewesen, da der inzwischen eingetroffene Behördenleiter für die weiteren Maßnahmen verantwortlich gewesen wäre."

... "Ich möchte klarstellen, dass ich zu keinem Zeitpunkt die Androhung oder Anwendung von Folter veranlasst habe... Folter ist die vorbedachte Auferlegung schwerer körperlicher Qualen, die ernste und grausame Leiden hervorruft und in der besonderen Situation nicht zu rechtfertigen ist. Eine Maßnahme dieser Intensität und Zielrichtung war nie Gegenstand polizeilicher Ermittlungen."

... "Unmittelbarer Zwang ist ein feststehender Begriff aus dem Polizeirecht des Bundes und der Länder. Er ist klar definiert, die zulässigen Hilfsmittel sind konkret festgelegt...Unmittelbaren Zwang mit Folter gleichzusetzen, ist absurd und entbehrt jeder sachlichen und rechtlichen Grundlage."

Vor der Vernehmung Gäfgens am 1. Oktober 2002 hatte Daschner noch in einer Aktennotiz festgehalten:

"Zur Rettung des entführten Kindes habe ich angeordnet, dass Gäfgen nach vorheriger Androhung unter ärztlicher Aufsicht durch Zufügung von Schmerzen (keine Verletzungen) erneut zu befragen ist."



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