Dolomiten Tote und Verletzte nach Gletscherbruch in Norditalien

Noch suchen die Retter nach Überlebenden, aber bereits jetzt ist klar: Mindestens sechs Menschen wurden von einer Lawine aus Eis, Schnee und Fels in den Dolomiten getötet, mehr als ein Dutzend verletzt.
Marmolata in den Dolomiten

Marmolata in den Dolomiten

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Wilfried Feder / Westend61 / IMAGO

Mit brachialem Donnern stürzen Massen an Eis, Schnee und Felsen von einem Gletscher in Norditalien ins Tal. Sie reißen Bergsteiger mit sich, einige in den Tod. Der gewaltige Gletschersturz an der Marmolata, dem höchsten Berg der Dolomiten, hat am Sonntag mindestens sechs Menschenleben gefordert. Mehr als ein Dutzend Alpinisten wurden nach Angaben der Rettungsleitstelle der Region Venetien verletzt. Weitere Opfer werden befürchtet. Über die Nationalität wurde zunächst nichts bekannt.

Auf etlichen Handyvideos war zu sehen, wie die Lawine über die Felswände des Massivs in Tal stürzte. Sie pflügte auch über einen der Hauptzugangswege auf den 3343 Meter hohen Berg, auf dem sich mehrere Seilschaften befanden. Mindestens zwei wurden getroffen. Ein Sprecher der italienischen Bergrettung sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass zunächst unklar war, ob neben den Seilschaften auch noch einzelne Bergsteiger an den Unglücksstellen unterwegs waren.

Sämtliche Bergretter der Gegend aus den Regionen Venetien und Trentino-Südtirol wurden alarmiert. Fünf Helikopter flogen sie auf den Berg und bargen die Toten und Verletzten. Einige Hundestaffeln kamen zum Einsatz, um nach weiteren Opfern zu suchen.

Allerdings mussten die Einsatzkräfte vorsichtig sein, denn es bestand die Gefahr, dass weitere Teile des Gletschers abgehen könnten. Die Leute, die oberhalb der Unglücksstelle festsaßen, wurden mit Hubschraubern in das Tal gebracht.

»Wir haben ein lautes Geräusch gehört, typisch für einen Bergsturz«

Carlo Budel, der Hüttenwirt der Schutzhütte Capanna Punta Penia, sprach in einem Instagram-Video vom »schlimmstmöglichen Zeitpunkt und Tag, an dem sich der Brocken lösen konnte«. Kurz nach Mittag waren an dem sommerlichen Sonntag unzählige Bergsteigerinnen und Bergsteiger an dem beliebten Massiv unterwegs. Budel forderte alle Alpinisten auf, bis auf Weiteres nicht auf die Marmolata zu kommen. »Bleibt so weit wie möglich von diesem Gletscher weg«, mahnte der Hüttenwirt.

»Wir haben ein lautes Geräusch gehört, typisch für einen Bergsturz«, sagte ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur Ansa. »Danach sahen wir eine Lawine von Schnee und Eis in hoher Geschwindigkeit in Richtung Tal stürzen und wir wussten, dass etwas Schlimmes passiert ist.«

Zur Ursache des Unglücks gab es zunächst keine offiziellen Angaben – allerdings deutet alles darauf hin, dass die hohen Temperaturen der vergangenen Tage, Wochen und Monaten eine Rolle spielen dürften. Erst am Samstag wurde nach Medienberichten auf dem Gipfel des Berges ein Rekordwert von zehn Grad gemessen. »So etwas habe ich auf der Marmolata noch nie gesehen. Das war keine normale Lawine wie im Winter«, sagte ein Bergretter. Er verglich das Unglück mit einem Gebäude und sprach von einem »strukturellen Versagen«.

Italien registrierte im vorigen Winter viel weniger Niederschlag als gewöhnlich, der Schnee fehlt vielen Gletschern nun als Schutz gegen die Sonne und die warmen Temperaturen.

dop/dpa
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