Gletscherbruch in den Dolomiten mit mehreren Toten Offenbar zwei Deutsche unter den Verletzten

In den Dolomiten starben mindestens sechs Menschen in einer Lawine aus Eis und Schnee – Helfer befürchten, weitere Leichen zu finden. Das Auswärtige Amt vermutet, dass zwei Deutsche von dem Unglück betroffen sind.
Gletscherabbruch in den Dolomiten

Gletscherabbruch in den Dolomiten

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Sie suchen nach Überlebenden, doch die Hoffnung schwindet: Nach dem folgenschweren Gletschersturz in den Dolomiten mit mindestens sechs Toten wollen die Einsatzkräfte am Montag die Suche an der Flanke des Berges Marmolata fortsetzen.

Sie haben dabei aber kaum noch Hoffnung, unter den Eis-, Schnee- und Felsmassen weitere Überlebende zu finden. Das sagte Walter Cainelli von der Bergrettung der norditalienischen Provinz Trentino am Sonntagabend.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte dem SPIEGEL, unter den Verletzten seien »vermutlich« zwei Deutsche. Sie seien bereits gerettet worden, ihre Identität sei jedoch noch nicht abschließend geklärt.

Gut ein Dutzend Menschen gelten als vermisst, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Auf dem Parkplatz am Fuße des Bergmassivs wurden 16 Autos gezählt, deren Halter noch nicht ausfindig gemacht wurden. Es sei unklar, ob die Fahrzeuge toten oder vermissten Personen gehörten, sagte der Regionalpräsident von Trentino-Südtirol, Maurizio Fugatti.

Am Sonntag waren bei einem gewaltigen Gletschersturz mindestens sechs Personen gestorben. Ort des Unglücks ist die Marmolata, der höchste Berg der Dolomiten.

»Eisblöcke und riesige Steine«

Die Helfer sahen offensichtlich Schreckliches. Bergretter Luigi Felicetti sagte: »Als wir vor Ort ankamen, bot sich uns ein unglaubliches Bild. Überall lagen Eisblöcke und riesige Steine.« Die Nachrichtenagentur Ansa zitierte Ermittler, wonach sich an dem Berg ein »unvorstellbares Blutbad« abgespielt habe.

Die Such- und Bergungsarbeiten waren am Sonntagabend unterbrochen worden, weil die Gefahr bestand, dass weitere Eisblöcke abgehen könnten. Das Gebiet rund um den Gletscher wurde für die Öffentlichkeit gesperrt.

Extrembergsteiger und Umweltschützer Reinhold Messner warnte angesichts der Erderwärmung vor mehr Unglücken dieser Art. Wegen der gestiegenen Temperaturen seien Gletscher instabiler. »Heute gibt es viel mehr Fels- und Eisabbrüche als früher.«

Zur Ursache des Unglücks gab es zunächst keine offiziellen Angaben – allerdings deutet vieles darauf hin, dass die hohen Temperaturen der vergangenen Tage, Wochen und Monate eine Rolle spielen dürften. Erst am Samstag wurde nach Medienberichten auf dem Gipfel des Berges ein Rekordwert von zehn Grad gemessen. »So etwas habe ich auf der Marmolata noch nie gesehen. Das war keine normale Lawine wie im Winter«, sagte ein Bergretter.

Italien registrierte im vorigen Winter viel weniger Niederschlag als gewöhnlich, der Schnee fehlt vielen Gletschern nun als Schutz gegen die Sonne und die hohen Temperaturen.

jpz/dpa
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