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Was wurde aus...?: DSK und das Leben nach dem Skandal

Foto: SPENCER PLATT/ AFP

Nach Sexskandal Was wurde eigentlich aus... Dominique Strauss-Kahn?

Er war IWF-Chef, rettete Pleitestaaten und hatte beste Chancen auf Frankreichs Präsidentenamt. Dann ruinierte ein Sexskandal seine Karriere. Was macht Dominique Strauss-Kahn heute?

Das "DSK"-Bordell haben Dominique Strauss-Kahns Anwälte gerade noch verhindert. Vorvergangene Woche hat ein belgisches Gericht auf ihre Klage hin dem Zuhälter Dominique Alderweireld verboten, sein neues Etablissement nahe der französischen Grenze "DSKlub" oder "DSK" zu nennen.

Zwar beteuerte "Dodo", so der Spitzname Alderweirelds, die Abkürzung stehe für "Dodo Sex Klub". Doch die Fotos von Strauss-Kahn im Foyer und über dem Bartresen legten den Verdacht nahe, dass "Dodo" den zweifelhaften Ruhm des für seine Sexkapaden berüchtigten früheren Chefs des Internationalen Währungsfonds (IWF) ausschlachten wollte. Zumal sich die beiden Dominiques seit Langem kennen.

Zu seinen Rechtsvertretern könnte sich Strauss-Kahn eine Standleitung legen lassen. Einen Gerichtsprozess nach dem anderen hat DSK, wie sie ihn daheim in Frankreich nennen, seit dem Tag geführt, der seine Karriere zerstört hat. Damals am 14. Mai 2011 nimmt die New Yorker Polizei den IWF-Boss in der Ersten Klasse einer startbereiten Maschine nach Paris fest.

Das Zimmermädchen Nafissatou Diallo hat ihn beschuldigt, sie in seiner Suite im New Yorker Luxushotel Sofitel überfallen, begrabscht und zu Oralsex gezwungen zu haben. Bilder gehen um die Welt: wie der Machtmensch in Handschellen abgeführt wird. Und unrasiert mit versteinerter Miene vor der Haftrichterin sitzt, die ihn zu Untersuchungshaft auf der Gefängnisinsel Rikers Island verurteilt.

Immer mehr Details über Strauss-Kahns Geschlechtsleben

Die Franzosen sind geschockt über ihren DSK, den viele noch kurz zuvor zum nächsten Präsidenten wählen wollten. Strauss-Kahn gibt nach fünf Tagen sein Amt als IWF-Chef auf, obgleich er beteuert, der Oralsex sei einvernehmlich gewesen. Kurz darauf darf er für eine Million Dollar Kaution das Gefängnis gegen Hausarrest mit elektronischer Fußfessel eintauschen. Als sich Zimmerfrau Diallo in Widersprüche verstrickt, die Staatsanwaltschaft das Strafverfahren im August 2011 einstellt und DSK ausreisen darf, ist sein Ruf längst ruiniert.

Daheim hat die Autorin Tristane Banon den "Pavian" verklagt, wie sie ihn nennt: wegen versuchter Vergewaltigung 2003. Und Nafissatou Diallo prozessiert zivilrechtlich weiter. Als ihre Anwälte ankündigen, weitere Frauen als Zeuginnen zu berufen, die über Strauss-Kahns sexuelles Gebaren aussagen sollen, einigt sich DSK mit Diallo auf eine Entschädigungszahlung: angeblich 1,5 Millionen Dollar. Und in Frankreich stellt das Gericht das Verfahren von Banon ein - mit der Begründung, es habe keine versuchte Vergewaltigung gegeben, nur einen "sexuellen Übergriff". Und der sei verjährt.

Dennoch kommen immer mehr Details über Strauss-Kahns Geschlechtsleben zutage. Die Staatsanwaltschaft Lille leitet in der sogenannten Carlton-Affäre rund um einen Callgirl-Ring ein Ermittlungsverfahren gegen ihn ein: DSK soll an mehreren illegalen Sexpartys teilgenommen und sich der organisierten Zuhälterei strafbar gemacht haben. Er bestreitet letzteres. Weitere Frauen berichten der Öffentlichkeit, wie Frankreichs ehemaliger Wirtschaftsminister ihnen nachgestellt und sie sexuell bedrängt habe. Seine dritte Ehegattin Anne Sinclair trennt sich, die Kurzzeit-Geliebte Marcela Iacub schreibt in einem Buch, DSK sei "halb Mensch, halb Schwein". Ein Gericht spricht Strauss-Kahn dafür 50.000 Euro Schadensersatz zu, verhängt aber kein Verkaufsverbot.

Bis heute prozessiert er munter weiter: gegen Régis Jauffret, der einen Roman über die Vergewaltigung eines dunkelhäutigen Zimmermädchens in einem New Yorker Hotel geschrieben hat. Und gegen die Macher des Skandalfilms "Welcome to New York", in dem Gerard Depardieu den sexbesessenen Direktor eines weltweit agierenden Finanzinstituts spielt.

Ein politisches Comeback kann sich der Sozialist ohnehin abschminken: Viele Parteigenossen haben sich von ihm distanziert. Und vergangenes Jahr wünschten sich 69 Prozent der Bürger in einer Umfrage, er solle keine wichtige Rolle mehr als Volksvertreter spielen.

Alt und faltig hat der Ärger Strauss-Kahn gemacht. Die Tränensäcke hängen immer tiefer herab, das Haar ist schlohweiß. Und auch der Vollbart, den er neuerdings immer mal trägt, macht den 65-Jährigen nicht jünger. Aber sich zur Ruhe setzen kommt nicht in Frage. Nein, DSK will noch gebraucht werden.

"DSK ist eine sehr wichtige Marke"

Also versucht er einen Neuanfang und tourt als Finanzberater durch die Welt: Im Südsudan hat er eine Bank eröffnet, in Südkorea Europas Wirtschaft eine Dauer-Flaute prophezeit. In Russland hat er sich in die Aufsichtsräte der Russischen Bank für Regionalentwicklung und des Staatsfonds RDIF berufen lassen. Hauptberuflich ist er Verwaltungsratschef von Leyne Strauss-Kahn & Partners (LSK), einer Finanzfirma mit Sitz im Steuerparadies Luxemburg, die bis vor Kurzem Anatevka hieß. Der Bankier Thierry Leyne, der Strauss-Kahn anheuerte, hat sie für ihn umbenannt. "DSK ist eine sehr wichtige Marke", sagt Leyne. "Er kann sehr hilfreich sein, was Netzwerke und Politik angeht."

Strauss-Kahn ist der Türöffner für LSK. In Serbien etwa soll er dem neuen Präsidenten Aleksandar Vučic helfen, sein Land aus einer tiefen Rezession zu führen. Der Nationalkonservative Vučic verteidigt seinen umstrittenen Berater - und vergleicht ihn gar mit Picasso. Auch der Maler "behandelte Frauen und Kinder schlecht, während andere Personen wie Hitler die Frauen liebten", zitiert die Zeitung "Le Monde" Vučic. "Wenn sie dies zum Maßstab für Menschen nehmen, dann beurteilen Sie Dominique Strauss-Kahn schlecht."

Die wichtigen Urteile über ihn sprechen andere: Zunächst die internationalen Investoren, die ihm zwei Milliarden US-Dollar Startkapital für seinen neuen Hedgefonds DSK Global Investment geben sollen. Und dann im Februar 2015 das Strafgericht von Lille, das die Carlton-Affäre aufrollt. Der Staatsanwalt spricht von "schwerer gemeinschaftlicher Zuhälterei", neben DSK sind zwölf weitere Männer angeklagt. Darunter auch ein alter Bekannter: Dominique Alderweireld, der sein Bordell nun doch nicht "DSKlub" nennen darf.

"Dodo" soll Strauss-Kahn damals in Lille die Frauen zugeführt haben. Bald wird er neben ihm sitzen, auf der Anklagebank. Wie es heißt, hat "Dodo" schon einen Namen für sein nächstes Etablissement erdacht: Carlton Club.


Der nächste Teil der Serie wird sich mit Franz-Peter Tebartz-van Elst und dem Bistum Limburg befassen.

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