Drama im Himalaja Deutsch-österreichische Bergsteigergruppe in Lebensgefahr

Am 8125 Meter hohen Nanga Parbat ist eine Bergsteigergruppe aus Deutschland und Österreich in akuter Gefahr. Ein Sachse ist bereits in den Tod gestürzt. Sieben Bergsteiger warten völlig erschöpft in einem Lager in mehr als 7000 Meter Höhe auf Rettung.


Nanga Parbat: Schicksalsberg der Deutschen
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Nanga Parbat: Schicksalsberg der Deutschen

Wien/Leipzig - Nach einem Bericht der in Wien erscheinenden "Kronenzeitung" stürzte der Mann mehrere tausend Meter tief in den Tod. Ein zweiter Deutscher, der ihm zur Hilfe kommen wollte, galt zunächst als vermisst. Die Lage der Männer sei ernst, heißt es. Die Männer waren gestern in getrennten Gruppen in Richtung Gipfel marschiert, hatten diesen aber erst um 22 Uhr erreicht, meldet der ORF. Um eine sichere Rückkehr zum Lager zu gewährleisten, müsse der Rückweg aber spätestens um 14 Uhr angetreten werden. Die Gruppe habe sich durch hüfthohen Schnee kämpfen müssen, berichtete ein Mitglied des Bergsteigerteams, das vorzeitig umgekehrt war.

Wegen der immensen Verspätung und der großen Erschöpfung hätten die Männer auf etwa 7500 Meter Höhe biwakieren müssen. Ab dieser Höhe beginnt die "Todeszone" - ohne Sauerstoffgeräte können Menschen hier nur kurz überleben. Nach der Übernachtung haben die Männer inzwischen ein Camp erreicht, in dem sie sich zunächst etwas erholen wollen. An einen Abstieg sei derzeit nicht zu denken, heißt es in dem ORF-Bericht. Problematisch ist, dass auch dieses Lager in einer kritischen Höhe von mehr als 7000 Metern liegt.

Am Morgen sei ein Rettungsteam aufgebrochen. Nach den Angaben des Leiters der Rettungsexpedition kann den verunglückten Bergsteigern allerdings nur dann geholfen werden, wenn sie die teilweise extrem gefährliche Route selbst absteigen können. "Wenn die wegen Erschöpfung nicht mehr gehen können, können wir vermutlich auch nicht viel machen", wird Expeditionsleiter Sepp Delmarco zitiert. Die Hoffnung sei nun, im Lager "möglichst viele Überlebende" anzutreffen.

Der Nanga Parbat gilt unter Bergsteigern als Schicksalsberg der Deutschen. Dort starben etliche deutschsprachige Alpinisten - unter anderem der Bruder von Reinhold Messner, Günther. Nach Messners Angaben wurde sein Bruder 1970 beim Abstieg von einer Eislawine erfasst. Insgesamt hat es bei Versuchen deutscher Gruppen, den Nanga Parbat zu besteigen, bereits 26 Tote gegeben.



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