Drama in den Alpen Bergwacht rettet Touristen aus havarierter Gondel

Gut 18 Stunden saßen sie in schwindelerregender Höhe fest, dann wurden sie endlich gerettet. 20 Menschen konnten am Morgen von der Allgäuer Bergwacht aus einer blockierten Seilbahn am Tegelberg bei Füssen befreit werden - per Hubschrauber.

dapd

Schwangau - Nach einer Nacht in rund 80 Meter Höhe konnten die letzten Passagiere aus der Tegelbergbahn bei Schwangau gerettet werden. Dort hatte sich am Freitagmittag ein Gleitschirm in den Seilen verfangen und die Bahn damit lahmgelegt. Die Evakuierung der letzten Gondel in der Nähe des berühmten Schlosses Neuschwanstein begann um sechs Uhr morgens.

Zwei Hubschrauber waren im Einsatz, um die Eingeschlossenen mit einer Seilwinde durch das Dach der Seilbahn nach oben zu ziehen. Die Aktion dauerte rund 100 Minuten und sei ohne Probleme verlaufen, sagte der Sprecher der Bergwacht Allgäu, Roland Ampenberger. Den 19 Touristen und dem Seilbahnführer gehe es gut, sie bedürften keiner medizinischer Betreuung, sagte ein Polizeisprecher. Sein Eindruck: "Ich habe nur in strahlende Gesichter geblickt."

Der Tandemgleitschirm hatte sich am Freitag um 13 Uhr in den Seilen der Bergbahn verfangen. Der 54-jährige Pilot blieb unverletzt, sein 35-jähriger Mitflieger aus München erlitt eine Gehirnerschütterung. Nach dem Stillstand mussten 132 Menschen von der Bergstation mit Hubschraubern ins Tal geflogen werden. 30 Passagiere steckten in einer unteren Gondel fest - sie konnten bereits am Freitagabend befreit werden und wurden in einer dramatischen Rettungsaktion aus einer Höhe von rund 50 Metern aus den Kabinen abgeseilt.

Keine Panik in der Gondel

Die Übrigen saßen aber in einer der nur zwölf Quadratmeter großen Gondeln am Berg und waren daher nicht für die Rettungskräfte erreichbar. Zunächst wollten sie auch die obere Gondel per Hubschrauber evakuieren. Dieses Vorhaben gaben sie aber wegen starken Windes auf. Bei Einbruch der Nacht wurde die Befreiungsaktion schließlich vorerst gestoppt.

Die Menschen in der Gondel, die aus Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Hessen sowie aus Osteuropa stammten, seien ruhig gewesen, es habe keine Panik gegeben, teilte die Bergwacht mit. Unter den 19 Touristen waren demnach sechs Kinder und Jugendliche, darunter ein vier Jahre altes Kind. Der älteste Passagier war 75 Jahre alt.

Die Eingeschlossenen seien "trotz der widrigen Umstände gut versorgt" gewesen, sagte der Polizeisprecher. Mit Hilfe einer Seilwinde hatten die Retter die Eingeschlossenen über Nacht mit Essen, Getränken und Decken versorgt und standen im Funkkontakt. Zudem sei es in der Nacht "gar nicht mal so kalt" gewesen, weil der Himmel bedeckt gewesen sei. Nach Einbruch der Dunkelheit leuchteten die Rettungskräfte den Berg mit Flutlicht aus. Zahllose Schaulustige verfolgten das Bergdrama vom Tal aus.

Zuletzt hatten sich noch vier Männer der Bergwacht in einer waghalsigen Aktion 300 Meter weit über das Stahlseil an die Gondel herangehangelt und waren ebenfalls zugestiegen. Sie brachten Decken, Verpflegung und aufmunternde Worte zu den in der Gondel Gefangenen. "Das war kein ganz leichter Einsatz", sagte Bergwacht-Sprecher Ampenberger im Anschluss.

Windböe oder Fahrlässigkeit

Nach dem Unglück bleibt die Tegelbergbahn vorerst geschlossen, teilte der Geschäftsführer der Bergbahn, Franz Bucher, am Samstag mit. Zunächst müsse die gesamte Anlage auf mögliche Schäden überprüft werden. Dies werde mehrere Tage dauern. Sollte das Stahlseil ausgewechselt werden müssen, drohe der Bahn ein Stillstand von bis zu zwei Monaten.

Über die Unfallursache streiten sich die Experten. Bucher erhebt schwere Vorwürfe gegen den Gleitschirmpiloten: "Der Mann hat grob fahrlässig gehandelt". Ein Überfliegen der Gondelseile sei streng verboten. Polizeisprecher Christian Owsinski spricht dagegen von einer "unerwarteten Windböe", die dem "sehr erfahrenen Piloten" zum Verhängnis geworden sei.

rüd/abl/dpa/dapd/AFP



insgesamt 109 Beiträge
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Ursprung 13.08.2011
1. Entweder oder
Diskutieren ueber den Artikel oder den Vorfall?? Wenn ueber den Artikel: will der SPIEGEL ein kostenloses Lektorat? Wie komme ich dazu? Wenn ueber den Vorfall: wohne zu weit weg und kenne die Ortsverhaeltnisse nicht.
Averell Dalton 13.08.2011
2. Ein Gleitschirm in der Seilbahn verfangen
Das ist eine der Kehrseiten der Freizeitgesellschaft. Freizeitspaß überall. Ausflugziele, wo vor 35 Jahren kaum eine Menschenseele zu sehen war, sind heute zur Vor-, Haupt- und Nachsaison gleichermaßen touristisch überlaufen. Und ohne "Events" geht's natürlich nicht. Einfach die Natur beobachten und auf sich wirken lassen, des is fei nix. Wie auch, wenn man nur noch von Seinesgleichen umgeben ist. Ein Gleitschirm in der Seilbahn verfangen? Vor 35 Jahren wußte man gar nicht, was das ist.
mitbestimmender wähler 13.08.2011
3. Aus ungemütlicher Lage befreit !!
Was für eine Übertreibung "Drama in den Alpen" , so was !?
KurtFolkert 13.08.2011
4. Korrektur bitte..
Lebende Menschen werden gerettet. Tote geborgen. Oder sind in der Gondel alle verstorben?
unifersahlscheni 13.08.2011
5. ...hmmm...
...was gibt es da eigentlich groß zu diskutieren? Unglück passiert, Ruhe bewahrt und alle Passagiere samt Unglücksgleitschirmflieger gerettet... ...mehr kann man nicht erwarten. Unvorhergesehenes passiert immer und überall... ...gut dass es so gut ausgegangen ist. Punkt.
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