Sturmtief »Emmelinde« Drei Tornados, Tausende Einsatzkräfte und ein Toter

In mehreren Teilen Deutschlands haben die Unwetter mit Starkregen und Sturmböen Millionenschäden angerichtet. In NRW waren 7500 Einsatzkräfte vor Ort. In Bayern stürzte eine Hütte ein. Ein Mann starb in Rheinland-Pfalz.
Entwurzelte Bäume in Lippstadt nach dem Tornado

Entwurzelte Bäume in Lippstadt nach dem Tornado

Foto: Achim Duwentäster / teamwork / IMAGO

Das Unwetter vom Freitagabend hat Millionenschäden angerichtet und mindestens einen Menschen das Leben gekostet. Eine weitere Person schwebt in Lebensgefahr. Inzwischen bestätigt der Deutsche Wetterdienst (DWD) drei Tornados: In Paderborn, Lippstadt und im Ortsteil Lütmarsen der Stadt Höxter wüteten die Wirbelstürme. Für Ratingen bei Düsseldorf und aus dem Sauerland habe es zwei weitere Verdachtsfälle gegeben, die aber noch geprüft werden.

Die drei bestätigten Tornados hätten sich in Zusammenhang mit besonders kräftigen Gewittern gebildet, so ein DWD-Sprecher. Sie seien kleinräumig aufgetreten. Zu den Windgeschwindigkeiten machte er noch keine Angaben. Es habe auch Niederschläge von teilweise 30 bis 40 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit während der Unwetter am Freitagnachmittag und -abend gegeben.

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Unwetter in Teilen Deutschlands

Foto: INA FASSBENDER / AFP

Innenstadt in Paderborn noch Gefahrengebiet

In Nordrhein-Westfalen waren laut Innenminister Herbert Reul (CDU) mehr als 7500 Einsatzkräfte der Feuerwehr und der Hilfsorganisation im Einsatz.

Bei dem Tornado in Paderborn gab es nach Angaben der Stadt 13 Schwerverletzte, darunter eine Schwerstverletzte. Die Frau wurde laut Polizeidirektor Ulrich Ettler in der Nacht noch in einem Bielefelder Krankenhaus operiert, schwebt aber weiterhin in Lebensgefahr.

Insgesamt seien es 43 Verletzte, sagte Bürgermeister Michael Dreier (CDU) bei einer Pressekonferenz. Die Polizei empfiehlt immer noch dringend, die Innenstadt in Paderborn zu meiden. Noch seien nicht alle Gebiete abgesichert, außerdem könnten die Aufräumarbeiten behindert werden. Wer nicht zwingend in die Stadt muss, solle die Gebiete weiträumig umfahren. Außerdem appellierte die Polizei an die Anwohner: »Schaulustige haben hier nichts zu suchen.«

Im Kreis Höxter, wo auch ein Tornado wütete, wurde das Impfzentrum geschlossen, um die Aufräumarbeiten nicht zu behindern und den Verkehr möglichst gering zu halten.

14 Verletzte bei Einsturz einer Holzhütte

Auch in Bayern wütete der Sturm. Besonders Mittelfranken war betroffen: Dort lösten etwa umgestürzte Bäume oder abgedeckte Dächer Hunderte Feuerwehreinsätze aus. Als eine Holzhütte einstürzte, wurden gut ein Dutzend Menschen verletzt. Im Rest Bayerns gingen die Gewitter glimpflicher aus, teilten die Einsatzzentralen mit.

14 Menschen, darunter auch mehrere Kinder, wurden bei dem Einsturz der Holzhütte in Spalt nahe dem Großen Brombachsee verletzt. Eine 37-Jährige wurde schwer verletzt in eine Klinik gebracht, ein Kind mit einem Hubschrauber ebenfalls ins Krankenhaus geflogen. Der Polizeisprecherin zufolge hatten angesichts des in Bayern aufziehenden Unwetters offenbar mehrere Urlauber in der rund 105 Quadratmeter großen Hütte Schutz gesucht. Aus ungeklärter Ursache sei diese dann zur Seite gekippt und in sich zusammengefallen.

In Rheinland-Pfalz starb ein Mann

Rheinland-Pfalz meldete das bisher erste Todesopfer durch den Sturm: Laut der Polizei in Koblenz erlitt ein 38-Jähriger am Freitagabend in Wittgert im Westerwald einen Stromschlag im Keller von Bekannten, der nach einem schweren Gewitter unter Wasser stand. Der Mann sei nach dem Stromschlag hingefallen und dabei vermutlich mit dem Kopf aufgeschlagen. Wiederbelebungsversuche blieben laut Polizei erfolglos.

In Prag beschädigt der Sturm ein Zeltlager für Geflüchtete

Auch über Deutschland hinaus richteten die Stürme Schäden an. In Tschechien erreichte der Wind Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 130 km/h. Die Feuerwehren des Landes meldeten über tausend Einsätze. Umgestürzte Bäume beschädigten Autos und blockierten Straßen- und Eisenbahnverbindungen. Die Aufräumarbeiten dürften den ganzen Samstag dauern, so ein Feuerwehrsprecher.

Im Prager Stadtteil Troja beschädigte der Sturm ein für Geflüchtete aus der Ukraine errichtetes Zeltlager. Ein Teil der dort Untergebrachten musste mit Autobussen in Sicherheit gebracht werden. Verletzte wurden aber zunächst aus Tschechien nicht gemeldet.

jlk/dpa
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