Dubiose Vorwürfe Schumi als Einbrecher?

Schwere Vorwürfe gegen Michael Schumacher: Der Ferrari-Pilot soll einen Einbruch auf die Agentur seines Doppelgängers veranlasst haben. Doch die Anschuldigungen sind mehr als zweifelhaft.


Unter Beschuss: Michael Schumacher
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Unter Beschuss: Michael Schumacher

Aachen/Kerpen - Frank Saasen, der Mann, der Schumi wie aus dem Gesicht geschnitten ist, hat dem Formel-1-Weltmeister schon mehrfach zu schaffen gemacht. Das Double trat bei Betriebsfesten öfters zu Werbezwecken in der roten Ferrari-Kluft auf. Dabei sei er regelmäßig nicht als Double, sondern als Schumacher selbst aufgetreten, beschwert sich Schumacher-Manager Willi Weber im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Die neuen Vorwürfe seien denn auch "völlig aus der Luft gegriffen".

Marc Schröder, Inhaber der Aachener Doppelgänger-Agentur Fame beschuldigt Schumacher schon seit einigen Tagen, im vergangenen September einen Einbruch in sein Büro in Auftrag gegeben zu haben. Dabei sollen zwei Festplatten mit Daten des Schumacher-Doubles formatiert und ein Ordner mit Engagement-Anfragen für den Doppelgänger entwendet worden sein. Heute erstattete Schröder beim Polizeipräsidium Aachen Strafanzeige.

Double Frank Saasen
DPA

Double Frank Saasen

Der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Aachen, Robert Deller, bestätigte gegenüber SPIEGEL ONLINE, dass wegen des Einbruchs Ermittlungen liefen. Diese richteten sich jedoch nicht gegen Michael Schumacher oder jemanden aus seinem Umfeld. Einziger Zusammenhang, der auf eine Verwicklung Schumachers hindeuten könnte: Der Einbruch fand laut Deller am 25. September 2000 statt. Nur drei Tage später verlangt ein Schumacher-Anwalt sowohl von "Fame" als auch von Firmen, die Saasen engagieren wollten, eine Unterlassungserklärung. Bloß: Welches Interesse Schumacher an den gestohlenen Materialien gehabt haben soll, ist unklar. Anfang November gibt ihm das Stuttgarter Landgericht Recht: Fame darf das Double künftig nicht mehr "zu Werbezwecken" vermitteln.

Wegen des Einbruchs steht offenbar eine Security-Firma aus Langerwehe (Kreis Düren) in Verdacht, die sich vorübergehend als Untermieter bei der Doppelgänger- Agentur einquartiert hatte und die nach ersten Erkenntnissen Geschäftsbeziehungen zu Schumachers Anwalt pflegte. Bei einer Durchsuchung fanden die Ermittler in einem Auto der Security-Firma einen Karton mit geschreddertem Papier. Nach mühevoller Auswertung wurde ein Schreiben zusammengesetzt, das auf Geschäftsbeziehungen zu Schumachers Anwalt hinwies. "Es gibt aber keinen Anhaltspunkt, dass es sich um eine Auftragstat handelt", so Deller.

Bei der Einweihung seiner Straße
AP

Bei der Einweihung seiner Straße

Auch Schumacher selbst wies die Vorwürfe heute energisch von sich. "Ganz klar, das ist absolut haltlos. Das wird sich in kürzerer Zeit aufklären", sagte der 32 Jahre alte Ferrari-Star bei der Einweihung einer nach ihm benannten Straße in seiner Heimatstadt Kerpen. Man werde alle Schritte unternehmen, um das klarzustellen.

Noch klarer äußerte sich sein Manager über Fame-Chef Marc Schröder: "In meinen Augen ist das ein Verrückter", sagt Willi Weber. Offensichtlich sei Schröder einfach "publicity-geil". Der zeitliche Zusammenhang zwischen Einbruch und den eingeforderten Unterlassungserklärungen verwundert Weber kaum. "Nach unseren neuesten Erkenntnissen ist der Einbruch sowieso fingiert."



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