Duisburg Angreifer attackiert OB Sauerland mit Ketchup

Bei einem öffentlichen Auftritt ist der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland mit Ketchup bespritzt worden - der Kommunalpolitiker ist seit der Love-Parade-Katastrophe höchst umstritten. Sein Angreifer trug ein T-Shirt mit der Aufschrift "21 Verstummte klagen an".

DPA

Duisburg - Bei der Einweihung eines Platzes in Duisburg-Rheinhausen sprang ein Zuhörer am Mittwoch plötzlich vor und spritzte Oberbürgermeister Adolf Sauerland Ketchup ins Gesicht und auf die Jacke - so schilderte ein Sprecher der Stadt Duisburg den Vorfall.

Der CDU-Politiker blieb unverletzt, musste aber die Kleidung wechseln. Sauerland ist seit der Katastrophe bei der Duisburger Love Parade höchst umstritten, da er vielen in seiner Funktion als Stadtoberhaupt als mitverantwortlich für Fehler bei der Planung und Ausführung des Raver-Festes gilt. Dort waren Ende Juli 21 Menschen ums Leben gekommen.

Sauerlands Angreifer trug ein T-Shirt mit der Aufschrift "21 Verstummte klagen an". Der Mann sei "namentlich bekannt" und schon länger in der Duisburger Lokalpolitik aktiv, sagte der Stadt-Sprecher. Andere Zuhörer hätten den Ketchup-Spritzer schließlich zurückgedrängt, er sei jedoch auch nach der Attacke noch vor der Rednerbühne stehengeblieben. Auf eine Strafverfolgung lege Sauerland jedoch keinen Wert, sagte der Sprecher.

Schon kurz nach dem Unglück hatten in Duisburg gegenseitige Schuldzuweisungen zwischen Veranstalter, Polizei und Stadt begonnen. Um die Klärung der Abläufe bemüht sich die Duisburger Staatsanwaltschaft in einem Mammutverfahren mit zahlreichen Ermittlern, über 700 Vernehmungen und Bergen von Akten und Fernsehaufzeichnungen.

Wie lange dieses Verfahren noch dauert, konnte Behördensprecher Detlef Nowotsch am Mittwoch nicht sagen. Ein Bericht über das Einsatzverhalten der Duisburger Polizei am 24. Juli sei zwar fertig, bleibe aber bis auf weiteres unter Verschluss. Die Staatsanwaltschaft Duisburg sehe bei einer Veröffentlichung des Berichts ihre weiteren Ermittlungen gefährdet, sagte Nowotsch.

Der Duisburger OB wird von Teilen der Bürgerschaft für die Genehmigung der Love Parade auf einem völlig ungeeigneten Gelände verantwortlich gemacht. Deshalb gab es einen Abwahlantrag, der Mitte September aber im Rat der Stadt gescheitert war. Sauerland weist eine Schuld der Stadt an der Katastrophe zurück.

Bei öffentlichen Auftritten Sauerlands gibt es immer wieder Pfiffe und Buhrufe - so auch am Mittwoch unmittelbar vor der Attacke.

kng/dpa

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