Eberswalde im Schock "Die Sache ist richtig schrecklich"


Eberswalde - Das Schicksal der kleinen Ulrike bedrückt ganz Eberswalde. "Die Sache ist richtig schrecklich", sagt die 18-jährige Sandy. Ihre Freundin Sabrina stimmt ein: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Mensch so grausam sein kann", meint die 16 Jahre alte Schülerin. Auf den Straßen von Ulrikes Heimatstadt gibt es am Freitag kaum ein anderes Thema.

Im Fenster der Kneipe "Keglerheim" hängt noch das Fahndungsbild, auf dem die 12-Jährige so offen und fröhlich lächelt. Wie eine Mahnung lassen viele Geschäfte in der Kreisstadt nordöstlich von Berlin, in der 45.000 Menschen wohnen, die weißen Plakate mit den Fotos weiter hängen.

"Mein Eindruck ist: Die Leute sind alle geschockt", berichtet ein Rentner, der mit Krawatte und im Anzug ein paar Straßen hinter dem Elternhaus von Ulrike um die Ecke biegt. "Der Fall wird mit großer Anteilnahme wahrgenommen", erzählt der 66-Jährige. Zwar werde der Polizei zugetraut, den Fall zu klären. Die Justiz urteile dann aber oft zu milde: "Die Gesetze taugen doch nur, um einen Kurort zu verwalten, wo die Leute anständig sind".

Auf die Grundschule Finow an der Biesenthaler Straße weist ein lustiges, buntes Schild hin. An diesem Vormittag aber ist kaum ein Klassenzimmer erleuchtet. "Unterricht wird heute ohnehin nicht sein", hatte der Schulleiter Karsten Boldt am Morgen verkündet. Jeder Lehrer werde mit seiner Klasse den geeigneten Gesprächsstoff finden. Aus Ulrikes Klasse sollen ohnehin nur vier Kinder gekommen sein.

Das Grundstück mit dem gelb gestrichenen Einfamilienhaus, in dem Ulrikes Familie am Ortsrand lebt, ist von der Polizei weiträumig abgesperrt worden. Am Mittag brachte ein ziviles Polizeiauto die Eltern der Schülerin aus der Gerichtsmedizin zurück. Von dem Neubau, vor dem ein großer Haufen Pflastersteine aufgetürmt ist, kann man den Waldweg mit den Wasser gefüllten Schlaglöchern einsehen. Dort muss die Schülerin dem Täter begegnet sein.

"Ich hab' gleich gesagt, so wie das aussieht, hat der sie weit weg geschleppt", entzürnt sich ein 67-Jähriger, der mit dem Fahrrad vom Einkaufen kommt. Die Polizei habe vor allem in der unmittelbaren Umgebung gesucht, der Fundort der Leiche war aber 30 Kilometer entfernt. Der Rentner bringt seit langem seine jetzt 12 Jahre alte Tochter zur Schule. "Aber seitdem das passiert ist, habe ich nun schon drei Kinder im Wagen."

Ulrike Hofsähs, dpa



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