Fahndung nach Ebola-Patientin in Sierra Leone "Wir müssen sie finden"

Sierra Leone zittert vor dem Ebola-Virus, das derzeit in Westafrika grassiert. Inmitten der angespannten Stimmung ist nun in der Hauptstadt eine infizierte Frau von ihren Verwandten aus dem Krankenhaus entführt worden. Das ganze Land fahndet nach ihr.

Kenema in Sierra Leone: Helfer tragen die Leiche eines Ebola-Opfers weg.
REUTERS

Kenema in Sierra Leone: Helfer tragen die Leiche eines Ebola-Opfers weg.


Freetown - Die Stimmung in Sierra Leone ist angespannt. Mitten in der allgemeinen Angst vor dem Ebola-Virus ist nun eine infizierte Frau von ihren Verwandten aus dem Krankenhaus entführt worden. Radiosender in ganz Sierra Leone bitten um Hilfe bei der Suche nach der 32-Jährigen, sie gilt als "Risiko für alle". "Wir müssen sie finden", heißt es.

Die 32-Jährige ist die erste Bewohnerin von Freetown, bei der das Ebola-Virus diagnostiziert wurde. BBC zufolge handelt um eine Friseur-Auszubildende. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums von Sierra Leone sagte, die Angehörigen hätten das King Harman Road Hospital regelrecht gestürmt, um die Infizierte dort herauszuholen.

Die Stimmung beim medizinischen Personal in Sierra Leone ist ohnehin aufgeladen. Die Regierung wird kritisiert, die Bekämpfung der Seuche nicht im Griff zu haben. Krankenschwestern in Kenema, die zuvor drei Kollegen verloren hatten, streikten einen Tag lang. Auch einer der führenden Ärzte im Kampf gegen Ebola ist infiziert. Eine Demonstration wurde auf Drängen der Sicherheitsbehörden wieder abgesagt.

Seit dem Ausbruch der Ebola-Epidemie im Februar sind in Guinea, Liberia und Sierra Leone 660 Menschen gestorben - der Weltgesundheitsorganisation zufolge so viele wie nie zuvor in so kurzer Zeit. Das Virus brach zuerst in Ost-Guinea aus und verbreitete sich dann weiter nach Liberia und Sierra Leone.

Den westafrikanischen Staaten fehlt es an Ressourcen, um die Epidemie zu bekämpfen. Kulturelle Vorbehalte gegenüber medizinischem Personal behindern ihre Eindämmung zusätzlich. In 90 Prozent der Fälle endet die Virus-Erkrankung, die durch Körperflüssigkeiten übertragen wird, tödlich.

vez/Reuters



zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.