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GESCHENKE Ego-Trip in der Klunkerbranche

aus DER SPIEGEL 50/1998

Wenn Großmama von Großpapa Schmuck bekam, trug sie ihn ihr Leben lang. Das gute Stück zum Fest, das bescheidenere immer. Bei der Nachfolgegeneration setzte sich postmoderne Beliebigkeit durch: an jedem Finger etwas Halbechtes, um den Hals Selbstgebasteltes aus Öko-Hand, bunte Keramikkugeln am Lederband. Nun wollen Traditionalisten ihren Kunden wieder feines Gold und Silber aufschwatzen und lassen sich dafür auf den Zeitgeist ein: Immer mehr Läden bieten echten Schmuck zum Selberbasteln an. Der Ulmer Juwelier Wolf-Peter Schwarz zum Beispiel verkauft in seinen »Charlotte«-Geschäften hauptsächlich edle Halbfabrikate. Die Käuferin oder Beschenkte vollendet dann den Brilli-Ring je nach Geschmack. Knauserig darf der Kunde bei Schwarz nicht sein: Das Ding kostet am Ende 10 685 Mark. Vielleicht tut's auch ein Silberring, auf den man entweder eine Tahiti-Perle steckt oder aber eine Lapislazuli-Kugel. Auf jeden Fall verbessert Kreativität die Laune - das weiß auch der Werbespruch des Ladens: »Diesen Ring hat mir der netteste, klügste, begabteste Mensch der Welt gemacht: Ich.«

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