Egypt-Air-Unglück US-Ermittler bleiben bei Selbstmord-Theorie

Trotz Zweifel von ägyptischer Seite konzentrieren sich die US-Behörden weiter auf die Annahme, dass ein Pilot die Egypt-Air-Maschine vor der US-Ostküste absichtlich abstürzen ließ. Nach Informationen der "New York Times" richtet sich der Verdacht vor allem gegen den Ersatz-Kopiloten Gamil el-Batuti, der kurz vor dem Absturz allein am Steuer gesessen haben soll.


Was geschah an Bord der Egyptair-Boeing?
REUTERS

Was geschah an Bord der Egyptair-Boeing?

Washington - Mitarbeiter der Egypt Air hätten el-Batuti anhand der Aufzeichnungen des Stimmenrekorders identifiziert, berichtet die "New York Times" weiter. Das von ihm gemurmelte Stoßgebet "Ich lege mein Schicksal in Deine Hände" kurz vor dem tödlichen Sturzflug hat die US-Ermittler zu der Annahme geführt, das Unglück sei die Folge einer Selbstmordaktion. Es gibt dafür aber bislang noch kein Motiv.

Die ägyptischen Behörden sehen dagegen bislang keine Hinweise dafür, dass einer der Piloten die Boeing 767 mit 217 Menschen an Bord am 31. Oktober absichtlich zum Absturz brachte. Das Gebet deute lediglich darauf hin, dass er mit dem Tod oder einer sehr gefährlichen Situation konfrontiert worden sei, berichtete die Zeitung "Al Ahram" am Mittwoch unter Berufung auf Beamte der Egypt Air in Kairo. Ali Morad, Generalsekretär der ägyptischen Pilotenvereinigung, nannte den Gebetsspruch "eine ganz normale Sache, weil es etwas ist, was alle Moslems sagen, wenn sie mit einer Todessituation konfrontiert sind".

Auf Grund der Intervention aus Kairo ist die Leitung der Untersuchung noch nicht wie geplant der US-Bundeskriminalpolizei FBI übergeben worden. Der ägyptische Botschafter in Washington sei im US- Außenministerium vorstellig geworden, berichteten US-Medien. Zusätzliche ägyptische Ermittler sollen nun an den Untersuchungen beteiligt werden.

Nach dem Bericht der "New York Times" war der 59-jährige el-Batuti zum Zeitpunkt des Unglücks nicht zum Fliegen eingeteilt. Beim Start in New York eine halbe Stunde zuvor habe er aber im Cockpit auf einem Beobachtersitz gesessen. Nach Rekonstruktion der Ermittler verließ Flugkapitän Achmed el-Habaschi das Cockpit, nachdem die Maschine die Reiseflughöhe von 10.000 Meter erreicht hatte und per Autopilot flog. Nach ihrer Theorie stellte der Kopilot das Gerät wenig später ab und murmelte das Gebet. Dann sei el-Habaschi in das Cockpit zurückgekehrt und habe laut Stimmenrekorder gerufen "Was ist los? Wir müssen das hinkriegen." Sekunden später habe der Sturzflug auf zunächst 5000 Meter begonnen. Während dieser Zeit haben die Piloten wahrscheinlich gegensätzliche Manöver mit den beiden Höhenrudern ausgeführt. Dann wurden die Triebwerke abgestellt. Die Maschine stieg zwar noch einmal hoch, stürzte dann aber wegen zu geringer Geschwindigkeit ab.

Nach den Worten des Chefs der US-Transportsicherheitsbehörde NTSB, James Hall, gibt es bisher keinerlei Hinweise auf mechanische oder wetterbedingte Ursachen für den Absturz. Seine Behörde will in verstärkter Zusammenarbeit mit ägyptischen Experten weitere Nachforschungen anstellen. Die bisherige Kooperation sei äußerst gut. Zusätzliche Experten und Regierungsbeamte würden in den USA erwartet, um bei der weiteren Auswertung des Cockpit-Stimmenrekorders zu helfen. Dabei gehe es hauptsächlich darum, "bedeutende Differenzen bei der kulturellen Auslegung" von Passagen der auf Arabisch geführten Gespräche im Cockpit zu klären. Wie Hall weiter sagte, untersuchen ägyptische Stellen zur Zeit auch genau die persönlichen Hintergründe der Piloten-Crew.



© SPIEGEL ONLINE 1999
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.