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05. April 2012, 07:54 Uhr

Kalibergwerk

Ein Toter und viele Verletzte bei Grubenunglück in Niedersachsen

In einem Kalibergwerk in Wunstorf bei Hannover hat sich ein Grubenunglück ereignet. Ein Bergmann starb, 27 Kumpel wurden verletzt. Offenbar hatten die Bergleute in mehr als tausend Metern Tiefe eine Gasblase angebohrt und die giftigen Stoffe eingeatmet.

Wunstorf - Bei einem Grubenunglück in einem Kalibergwerk in Wunstorf bei Hannover ist in der Nacht zum Donnerstag ein 34 Jahre alter Bergmann durch giftigen Schwefelwasserstoff getötet worden. Ein schwer verletzter Arbeiter und 26 leicht verletzte Kumpel wurden in Krankenhäuser gebracht, wie die Polizei in Hannover mitteilte.

Der Unfall ereignete sich in einem Kalibergwerk der Firma K+S. Bei Arbeiten in etwa 1200 Metern Tiefe sei am Mittwoch gegen 23.20 Uhr eine Gasblase mit Schwefelwasserstoff angebohrt worden, sagte ein Sprecher des Unternehmens am Donnerstagmorgen. Nach bisherigem Kenntnisstand bestehe bei keinem der Verletzten Lebensgefahr.

Das Landesbergamt habe die Untersuchungen aufgenommen, sagte der Sprecher weiter. Im Bergwerk ruhten derzeit die Arbeiten. Der Stollen werde mit Frischluft versorgt, und Proben würden genommen. "Es sieht aber derzeit so aus, als ob es sich nicht um einen schweren Gasaustritt handelt", sagte er. Sicherheit könnten aber nur die Untersuchungen der Proben bringen.

Am Mittag teilte das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Hannover mit, die Verletzten seien außer Lebensgefahr. Die Behörde hatte bereits in der Nacht Untersuchungen eingeleitet. Gasmessungen in der Grube und über Tage ergaben, dass keine Gefahr für die Bevölkerung in der Nähe des Werks bestand.

Die Firma K+S betreibt in Deutschland den Angaben zufolge vier Kalibergwerke und stellt Düngemittel- und Streusalz her. Hauptsitz der Firma ist Kassel. In der 114-jährigen Geschichte des Werks in Wunstorf habe es noch nie einen Unfall dieser Art mit Gasaustritt gegeben, sagte Werkssprecher Florian Schoene.

Das Kaliwerk Sigmundshall hat nach seinen Angaben etwa 850 Beschäftigte, davon etwa 500 Bergleute, und ist das einzige aktive Kaliwerk in Niedersachsen. Das unter Tage geförderte Salz wird in der dazugehörenden Fabrik zu Kali - also Düngemittel - verarbeitet. Bundesweit gibt es Schoene zufolge noch vier aktive Kaliwerke und drei Salzwerke.

Erst im vergangenen Monat war ein Bergmann bei einem Arbeitsunfall in der Grube getötet worden. Damals hatten sich Gesteinsbrocken von der Seite gelöst und den Kumpel verschüttet. Er habe nur noch tot geborgen werden können, sagte der Sprecher.

siu/dpa/dapd

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