Protokoll einer Schwangerschaft "Das ganze Kind hat so viele Fehler"

Unsere Autorin ist im vierten Monat schwanger, als sie erfährt, dass ihr Kind das Down-Syndrom haben wird. Es bleibt nicht die einzige Diagnose. Soll ihr Kind leben oder sterben?

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Dieser Text wurde erstmals im August 2017 im SPIEGEL veröffentlicht. Nun bieten wir ihn anlässlich der Entscheidung über vorgeburtliche genetische Bluttests als Kassenleistung erneut an.

"Ich habe leider kein komplett unauffälliges Ergebnis für Sie", sagt die Ärztin. Ich bin in der 13. Schwangerschaftswoche, stehe im Türrahmen zwischen Flur und Wohnzimmer, das Telefon in der Hand. Viermal hatte die junge Frau, eine Fachärztin für Humangenetik, an diesem Mittwochmorgen im November bei mir angerufen. Ich hatte das Klingeln des Handys nicht gehört, ich rechnete noch nicht mit dem Resultat des Bluttests.

"Was heißt das, kein komplett unauffälliges Ergebnis?", frage ich sie. Sie schweigt. "Bitte sagen Sie es schnell." "Trisomie 21." "Trisomie 21, das ist Down-Syndrom, nicht wahr?"

Ich weiß das eigentlich, aber ich muss es hören. Ich muss es lesen. Ich bitte die Frau, mir das Ergebnis per Mail zu schicken. Einloggen, anklicken, Anhang öffnen. "Ergebnis: außerhalb des normalen Bereichs".

Ich schaue aus dem Fenster, sehe den Weg in die Weinberge, eine Kapelle. Ich bin zu Besuch im Haus meiner Eltern. Mein Vater kocht gerade, Putenröllchen. Christoph, ich muss ihn anrufen, denke ich. Christoph ist mein Mann. Ich habe ihn vor zwei Monaten geheiratet, in einem weißen Spitzenkleid, unser Baby erst wenige Wochen in meinem Bauch. Er geht nicht ans Handy. Ich will ihm eine SMS schicken, aber was sollte ich schreiben? Dein Kind wird behindert sein? Ich tippe: Dringend! Ruf mich an. Praena-Test. Senden.

13 Wochen + 4 Tage

Es ist der erste Morgen nach dem Anruf der Humangenetikerin, ich gebe meiner Tochter ihren Namen, still, für mich. Auf einmal finde ich, dass mein Kind einen Namen verdient hat, egal, ob es sterben oder leben sollte. Später, am Frühstückstisch in Christophs Wohnung, spreche ich ihn das erste Mal aus, "Marja".

Früher hatte ich mir vorgestellt, der Name gehöre zu einer geheimnisvollen, klugen Frau mit dunklen Augen, ich sah Marja als Schriftstellerin oder Künstlerin.

"Meinst du, der passt auch zu einem behinderten Mädchen?", frage ich Christoph. Er sagt: "Natürlich. Warum soll sie jetzt plötzlich Pfiffi heißen?"

Marja.

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