Eisenacher Flugschau-Unglück Pilot zu Bewährungsstrafe verurteilt

Im April 2008 war bei einer Flugschau in Thüringen eine Kleinmaschine in die Menge gerast, zwei Menschen starben. Nun ist der Pilot im Berufungsprozess zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Die Richter milderten die vorherige Entscheidung ab - auch wegen der Position der Hinterbliebenen der Opfer.


Meiningen - Im Berufungsprozess um das Eisenacher Flugschau-Unglück ist der Pilot zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. Das Landgericht Meiningen setzte sie auf drei Jahre zur Bewährung aus und revidierte damit am Donnerstag das Strafmaß des Amtsgerichts im thüringischen Eisenach.

Dieses hatte den Mann 2009 wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung sowie Gefährdung des Luftverkehrs zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Angeklagte und die Staatsanwaltschaft hatten Rechtsmittel eingelegt.

Der 38-Jährige hatte bei einer Flugschau im April 2008 in Kindel bei Eisenach die Kontrolle über seine startende Maschine verloren und war in die Menschenmenge gerast. Dabei waren eine 45 Jahre alte Frau aus Thüringen und ein 14 Jahre altes Mädchen aus Hessen getötet worden. Unter den 17 Verletzten waren acht Schwerverletzte, darunter der Pilot.

Das Landgericht Meiningen ließ sich bei seinem Urteil auch von der Position der Hinterbliebenen leiten, die als Nebenkläger gegen eine Haftstrafe waren. Dies sei für eine Sühne nicht notwendig, argumentierte etwa der Vater des toten Mädchens und stellte die Frage: "Was ist der Preis für eine tote Tochter?" Sie wollten den Angeklagten, der selbst Familie habe, nicht hinter Gittern sehen. "Ich habe ihm verziehen", sagte der Mann.

Der Meininger Staatsanwalt sprach von einer "grenzenlosen Selbstüberschätzung" des Piloten, der nach nur 18 Flugstunden Erfahrung ein bis an die Grenze beladenes Flugzeug geflogen habe. Der Mann habe damit grob fahrlässig gehandelt und gegen verschiedene Regeln verstoßen. Er habe es in der Hand gehabt, das Unglück zu verhindern. Die Veranstalter träfe allerdings eine gewisse Mitschuld: Sie hätten den Mann nicht starten lassen dürfen.

Der zweifache Familienvater hat inzwischen in einem Täter-Opfer-Ausgleich 15.000 Euro und einen vom Landgericht nicht näher bezifferten weiteren hohen Geldbetrag an die Hinterbliebenen gezahlt. Vor dem Landgericht Hamburg wird derzeit geprüft, ob die Haftpflichtversicherung des Piloten die Schadensregulierung in Höhe von angeblich 1,2 Millionen Euro übernehmen muss.

Das Urteil des Landgerichts Meiningen ist nicht noch rechtskräftig.

siu/dpa/ddp



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