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Eisiges Europa Dezember startet mit Rekordkälte

Deutschland bibbert, an vielen Orten melden Beobachter den kältesten 1. Dezember seit Beginn der Messungen. Auch in den Nachbarländern macht der Frost den Menschen zu schaffen. Eine Entspannung ist erst in einigen Tagen zu erwarten.

Berlin - In weiten Teilen Europas herrscht pünktlich zum meteorologischen Winterbeginn rekordverdächtige Kälte. Der Verkehr auf Straßen und Flughäfen liegt lahm, Minusgrade machen den Menschen zu schaffen - auch in der Bundesrepublik.

Der 1. Dezember sei an vielen Orten Deutschlands der kälteste seit Messbeginn, sagte Meteomedia-Meteorologe Thomas Globig. Berlin-Dahlem meldete mit minus 10,9 Grad den kältesten 1.12. seit fast 80 Jahren. In Sachsen wurden besonders tiefe Temperaturen gemessen: Bis zu minus 17 Grad meldete der Deutsche Wetterdienst (DWD) aus Kubschütz, minus 15,9 Grad meldete der Wetterdienst Meteomedia aus Oderwitz. Die Kälte sei "ungewöhnlich" für diese Jahreszeit.

Auf dem 1142 Meter hohen Brocken im Harz wurden am Mittwoch minus 18 Grad gemessen, wie ein Wetterbeobachter sagte. Bei Sturmböen mit Spitzen von 95 bis 100 Stundenkilometern ergebe sich eine gefühlte Temperatur von minus 50 Grad. Wegen des stürmischen Windes werden schon Minustemperaturen von wenig unter null Grad als strenger Frost empfunden. Das liegt an dem sogenannten Wind-Chill-Effekt, bei dem sich die Haut mit zunehmender Windgeschwindigkeit abkühlt.

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Eisiges Europa: Kältester Dezemberbeginn seit Jahrzehnten

Foto: Bernd Wüstneck/ dpa

In Thüringen schränkten unter der Schneelast umgestürzte Bäume den Autoverkehr ein. Neuschnee und Schneeverwehungen können dort weiter für Probleme sorgen.

Eisglatte Straßen behinderten außerdem den morgendlichen Berufsverkehr in Schleswig-Holstein. Besonders Nebenstrecken in den Kreisen Schleswig-Flensburg, Nordfriesland und Plön waren zum Teil spiegelglatt, so dass einige Fahrzeuge in Gräben oder gegen die Leitplanken rutschten. In Ostholstein blieben Schulen geschlossen.

Eingeschränkter Flugverkehr in Europa

Nach dem Schneechaos der vergangenen Tage meldete Deutschlands größter Flughafen in Frankfurt am Main weitgehend normalen Betrieb. Etwa 60 Flüge seien ausgefallen, vor allem als Folge der Annullierungen des Vortags, sagte ein Sprecher. Mehr als Eis und Schnee machte dem Flughafen der Wind zu schaffen. Mit der Startbahn West wurde eine von drei Startbahnen mehrfach gesperrt. Es kam zu einigen Verspätungen.

Andernorts in Europa gab es mehr Probleme: Heftiger Schneefall legte den Genfer Airport am Dienstagabend komplett lahm. Die Räumkolonnen bekamen die Pisten nicht mehr frei. Alle Flüge wurden gestrichen. Etwa 200 gestrandete Flugpassagiere kamen in Zivilschutzräumen unter, weitere 100 übernachteten im Flughafen.

Auch die Flughäfen London Gatwick und Edinburgh sagten am Mittwoch zeitweise jegliche Starts und Landungen ab. In Schottland meldeten Wetterstationen bis zu minus 20 Grad.

In Frankreich standen mehr als 10 000 Lastwagen wegen Schneefalls still. In vielen Orten fielen auch Schulbusse aus. Besonders betroffen war Lyon, wo am Vormittag 20 Zentimeter Neuschnee lagen und kein einziger Bus fuhr. In Zentralfrankreich waren zunächst weiterhin etwa 300 Haushalte ohne Strom.

Im Osten Polens sank das Thermometer in der Nacht zum Mittwoch auf bis zu minus 26 Grad. Acht Männer erfroren am Dienstag. Sie seien zwischen 33 und 72 Jahren alt und betrunken gewesen, sagte ein Polizeisprecher in Warschau. Er appellierte an die Bürger, die Polizei über Obdachlose und Betrunkene zu informieren. "Ein Telefonat kann Leben retten." Bereits in den vergangenen Tagen waren mehrere Menschen an Unterkühlung gestorben. In Litauen starben am Wochenende zwei Obdachlose.

Klirrende Kälte im Osten Deutschlands

Mit Dauerfrost und länger anhaltenden Schneefällen geht es vor allem in den östlichen und südlichen Landesteilen Deutschlands weiter. In der Nacht zum Donnerstag muss in Sachsen, Thüringen und dem südlichen Brandenburg mit starken Schneeverwehungen und Verkehrsbehinderungen gerechnet werden.

In der Nacht zu Donnerstag könnten die Temperaturen stellenweise auf bis zu minus 13 Grad Celsius abfallen, sagte Meteorologe Gerd Saalfrank vom Deutschen Wetterdienst in Potsdam am Mittwoch. "In der Nacht zu Freitag dürfte es noch kälter werden." Dann seien bis zu minus 15 Grad möglich. Tagsüber würden am Donnerstag minus neun Grad erreicht, am Freitag minus fünf.

Im Nordosten Deutschlands ist laut Deutschem Wetterdienst mit teils kräftigem Neuschnee zu rechnen. Hinzu kämen Windböen der Stärke 8, so dass vor allem in küstennahen Gebieten mit neuen Schneeverwehungen zu rechnen sei.

Die Schneedecke wächst und wächst: Auf dem Brocken liegen 65 Zentimeter, in der Nacht zum Donnerstag könnten etwa 15 Zentimeter Neuschnee hinzukommen. Auf der Zugspitze liegt ein Meter Schnee, auf dem Fichtelberg sind es 61 Zentimeter, auf dem Großen Arber 57 Zentimeter. In Pelzerhaken (Ostholstein) hat die Schneedecke eine Dicke von 27 Zentimetern, Chemnitz ist 24 Zentimeter hoch bedeckt.

Ab Freitag sollen die Temperaturen den Meteorologen des DWD zufolge jedoch ansteigen. Ab Montag werden Plusgrade erwartet, am Dienstag seien nach derzeitiger Lage auch Temperaturen von über fünf Grad möglich.

Durch überfrierenden Regen oder Schneeregen sei dann allerdings mit Glatteis zu rechnen.

bac/dpa/dapd
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