EKD zu Benedikts Ökumene-Absage "Unser Herz brennt nach mehr"

Papst Benedikt hat den Hoffnungen auf schnelle Fortschritte bei der Ökumene eine Absage erteilt. Dennoch ist die Evangelische Kirche nicht völlig unzufrieden: Es sei ein tiefes und geschwisterliches Treffen gewesen, sagte der Ratsvorsitzende Schneider.

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Erfurt - Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hat eine gemischte Bilanz des Treffens mit Papst Benedikt XVI. gezogen. Er sei nicht zufrieden, weil weiter wichtige Fragen geklärt werden müssten, sagte er am Freitag nach dem Spitzengespräch der beiden großen Kirchen in Erfurt. Schneider betonte aber auch, er sei zugleich zufrieden, weil es ein "sehr ernstes, tiefes und geschwisterliches" Treffen gewesen sei.

Im Augustinerkloster und im Gottesdienst hatte Benedikt den Forderungen nach schnellen Fortschritten bei der Ökumene eine Absage erteilt - wenig überraschend, wie Schneider sagte: "Ich habe nicht damit gerechnet, dass Papst Benedikt mit einem Vertrag kommt", so der Ratsvorsitzende. Es seien aber durch die Vertreter der EKD Wünsche zur Sprache gebracht worden. "Unser Herz brennt nach mehr und das war heute zu spüren", sagte Schneider.

Der Papst habe beide Kirchen auf dem Weg der Ökumene ermutigt, sagte Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Es sei aber nicht zu erwarten gewesen, dass Benedikt "mit fertigen Lösungen" nach Erfurt kommen würde.

Schneider hob hervor, dass der Papst "sehr deutlich" eine Würdigung für den Reformator Martin Luther ausgesprochen habe. Dies habe einen "starken ökumenischen Geist" bei Benedikt zum Ausdruck gebracht.

Erste Stufe einer steilen Treppe

Der EKD-Ratsvorsitzende sagte, die Ökumene stehe erst ganz im Anfang ihres Werdens. 450 Jahre hätten sich evangelische und katholische Christen bekämpft und sogar gegenseitig getötet. Erst seit etwa fünfzig Jahren gebe es nun ein freundschaftliches Miteinander. Auf einer steilen Treppe nach oben sei im Ökumeneprozess die erste Stufe geschafft.

Die Protestanten fordern Verbesserungen für Paare mit unterschiedlicher Konfession. "Die reale Lebenssituation der Menschen muss diese Frage antreiben und bestimmen", sagte Schneider. Er betonte die Hoffnung, dass die beiden Kirchen auf dem Weg zum Reformationsjubiläum im Jahr 2017 zu mehr vertrauensvoller Gemeinsamkeit und aktivem Zusammenwirken finden.

Das Treffen zwischen dem Papst und der EKD-Spitze fand in jenem Augustinerkloster in Erfurt statt, in dem der Reformator Luther (1483-1546) vor rund 500 Jahren als Mönch gewirkt hatte. Allein die Bereitschaft des Vatikans zu einem Treffen an diesem Ort wird als versöhnliche Geste gesehen.

hut/dpa/AFP

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Seite 1
doc 123 23.09.2011
1. Unverstädnis!
Zitat von sysopPapst Benedikt hat den Hoffnungen auf schnelle Fortschritte bei der Ökumene eine Absage erteilt. Dennoch*ist die Evangelische Kirche nicht völlig unzufrieden: Es sei ein ein tiefes und geschwisterliches Treffen gewesen, sagte*der Ratsvorsitzende Schneider. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,788100,00.html
Was wollen diese evangelischen Kirchenfürsten denn zwanghaft diesem ignoranten Papst zu tun haben, Luther würde sich vermutlich wohl im Grabe umdrehen. Ein guter Zeitpunkt den Austritt aus dieser (ev.) Kirche endgültig in Angriff zu nehmen.
Godesberger 23.09.2011
2. Ökumene dann halt ohne Kirche
Vielleicht handelt der Papst ja wahrhaft ökumenisch, indem er die am gesellschaftlichen Frieden interessierten Menschen nach Kräften aus der Kirche vertreibt. Wenn die Gottesvertreter so weitermachen, ist sowieso bald keiner mehr in der Kirche, dann braucht es auch keine Ökumene mehr. Wieviele Paare kenne ich, wo zwar beide getauft sind, aber eben verschiedenen Konfessionen angehören und damit eine "gemischte" Ehe bilden. Das schöne Wort von der konfessionsverbindenden Ehe erleben viele als absurd, weil der Kirchgang und Vorgänge wie die Taufe oft genug eher deutlich machen, wie wenig die Konfessionen in der kirchlichen Praxis verbindet.
Bengurion, 23.09.2011
3. Geh mit Gottes Segen
Zitat von doc 123Was wollen diese evangelischen Kirchenfürsten denn zwanghaft diesem ignoranten Papst zu tun haben, Luther würde sich vermutlich wohl im Grabe umdrehen. Ein guter Zeitpunkt den Austritt aus dieser (ev.) Kirche endgültig in Angriff zu nehmen.
Nun dann wünsche ich Ihnen trotzdem Gottes Segen auf dem Weg aus der Kirche Martin Luthers heraus. Luther war ja auch ein Mann klarer Worte. In diesem Sinne: Warum sollte man Perlen vor die Säue werfen?
Vindelik, 23.09.2011
4. Verständnis
Um die Situation zu erkennen, bedarf es eines christlichen Glaubens, wo Jesus Christus nicht an der Wand hängt, sonderm im Herzen. Erst dann kapiert man, dass diese Trennungen wirklich sehr klein ist. Ja, selbt unter Katholiken gibt es weltweit erhebliche Unterschiede...Die Trennung kann nur von Innen, vom Glauben verstanden und als 2. schritt beseitigt werden. Nicht aber mit Hass und Vorurteilen
jörg seifert 23.09.2011
5. Zeitverschwendung!
Die Ökumene ist ein Hirngespinst. Die evangelische Kirche ist ja auch unter sich zersplittert: Freikirchler, Baptisten, Pfingstler, Methodisten, Lutheraner und unzählige mehr. Die Kirchenspaltung geht bis heute fröhlich weiter. Man muss das als Tribut an eine freie Gesellschaft vielleicht einfach mal akzeptieren, dass es auch das Christentum heute in unzähligen "Geschmacksrichtungen" gibt. Das ist schließlich in JEDER ANDEREN Religion genauso - wieso müssen die Christen um jeden Preis eine Einheit sein? Man kann sich um einen respektvollen Umgang bemühen, aber den einmal zersplitterten Topf nicht mehr zusammensetzen.
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