Eklat bei "Comet"-Fest Grönemeyer kämpft gegen "Bild"

Der am Freitag bejubelte Popsänger Herbert Grönemeyer fühlt sich von der „Bild“-Zeitung verfolgt. Anlass sind aktuell erschienene Paparazzi-Bilder von ihm und seiner Schweizer Freundin. Grönemeyer will nun ein empfindliches Strafgeld gegen die Boulevardzeitung erreichen.

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Popstar Herbert Grönemeyer fühlt sich von der "Bild" verfolgt
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Popstar Herbert Grönemeyer fühlt sich von der "Bild" verfolgt

Köln - Der Freitagabend war für Herbert Grönemeyer eigentlich nicht der Zeitpunkt für bittere Worte. Nacheinander sackte der deutsche Pop-Barde auf der "Comet"-Preisverleihung zwei Trophäen als bester nationaler Künstler und bester Live-Interpret ein und ließ internationale Stars wie Robbie Williams oder den Skandal-Rapper Eminem hinter sich. Sichtlich gerührt gestand der Sänger schließlich ein, dass er das Erreichte noch gar nicht "gerafft" habe.

Trotz des frenetischen Jubels für Grönemeyer aber nutzte der öffentlichkeitsscheue 47-jährige die Gelegenheit, seiner Wut Luft zu machen. Als er den Preis für den besten Live-Act entgegen nahm, ging er statt der üblichen Danksagungen zum Angriff über. "Es mag zwar zickig klingen", sagte Grönemeyer, "aber ich habe mich darüber geärgert, dass die Bild-Zeitung Paparazzi-Fotos von Freunden von mir veröffentlicht hat, obwohl es dagegen ein Gerichtsurteil gibt". Anschließend bat er die Medien erneut darum, seine Privatsphäre zu beachten.

Abschüsse aus London

Hintergrund des Eklats bei der "Comet"-Verleihung ist ein großer Grönemeyer-Bericht der "Bild" vom 9. August. Unter der großen Schlagzeile "Grönemeyer küsst neue Liebe" hatte die Boulevard-Gazette auf ihrer Seite eins über Grönemeyer und seine Schweizer Freundin berichtet. Mehrere Fotos aus London, die offenbar von einem getarnten Paparazzo geschossen wurden und Grönemeyer vor einem Cafe in der englischen Hauptstadt zeigten, zierten den Beitrag. Am Ende spekuliert der Autor gar, dass Streicheln des Bauchs seiner Freundin durchaus ein Hinweis auf eine mögliche Schwangerschaft sein könne.

Für die "Bild" könnte der Bericht nun finanzielle Folgen haben, die selbst eine so große Zeitung schmerzen würden. Seit Beginn der Beziehung und Grönemeyers Worten über seine neue Liebe in einem SPIEGEL-Interview hatte der Sänger über seinen Berliner Anwalt Christian Schertz versucht, jegliche Berichte und vor allem Bilder über die neue Liebe zu verhindern, da er sein Privatleben diskret behandelt wissen wollte. Öffentliche Auftritte hatte der Popstar stets alleine bestritten und sein Privatleben durch einen Umzug nach London abgeschirmt.

Strafandrohung von einer Viertel Million Euro

Als eine der wenigen bunten Blätter hatte die im Springer-Verlag erscheinende "Bild am Sonntag" trotz des erklärten Wunsches Grönemeyers Anfang des Jahres Abschuss-Bilder des Paares gedruckt. Daraufhin hatte Grönemeyers Anwalt im Februar beim Landgericht Berlin eine Unterlassungsverfügung mit einem Strafgeld bis zu 250000 Euro erwirkt, welche für den ganzen Springer Verlag die Verbreitung "von Bildnissen" der Grönemeyer-Freundin untersagt.

Eigentlich dachten Grönemeyer und sein Anwalt, die Sache sei damit ausgestanden. Nach dem neuen Bericht von "Bild" zieht Grönemeyer nun härtere Bandagen auf. In Berlin beantragte der Anwalt umgehend nach dem neuen Bericht, dass nun die Richter ein empfindliches Ordnungsgeld gegen die "Bild" verhängen sollen. "Der Verstoß zeigt eine neue Verrohung der Zeitung, die sogar gegen eine gerichtliche Verfügung verstößt", sagte Christian Schertz SPIEGEL ONLINE am Samstag.

Grönemeyers Rechtsbeistand hofft, dass die Richter "Bild" hart bestrafen. "Ich gehe davon aus, dass die Strafe wegen der Vehemenz des Verstoßes im oberen Bereich des Möglichen liegen wird", sagte Schertz. Von der "Bild" selber war am Samstag zu der Auseinandersetzung mit dem scheuen Popstar keine Stellungnahme zu bekommen. Chefredakteur Kai Diekmann wollte auf Anfrage keinen Kommentar abgeben.



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