El Salvador Infrastruktur völlig zusammengebrochen

Drei Tage nach dem Erdbeben in Mittelamerika wird das Ausmaß der Zerstörung langsam erkennbar. Unter anderem ist die Trinkwasserversorgung in El Salvador vollständig zerstört. Bislang wurden mehr als 600 Tote geborgen.


In der Stadt Los Amates wurden durch das Beben Straßen und Häuser zerstört
AP

In der Stadt Los Amates wurden durch das Beben Straßen und Häuser zerstört

San Salvador - Die Infrastruktur des Landes sei völlig zusammengebrochen, sagte der deutsche Botschafter in El Salvador, Sepp Wölker, im ARD-"Morgenmagazin". Am dringendsten sei die Versorgung der Bevölkerung mit Wasser, Medikamenten und Zelten. Neben vielen internationalen Hilfsaktionen gebe es auch in der Krisenregion selbst eine "Welle der Solidarität".

Eine Sprecherin der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" sagte, das Trinkwassersystem in El Salvador sei "völlig zusammengebrochen". Da die Menschen verunreinigtes Wasser trinken müssten, gebe es viele Durchfallerkrankungen. Ein von Niederländern koordiniertes internationales Team von Ärzten und Wasserspezialisten sei in der Krisenregion eingetroffen, um die Versorgung sicherzustellen. In einem Fußballstadion wurde überdies ein provisorisches Gesundheitszentrum eingerichtet.

Bestattungen in Massengräbern

Viele der Verletzten mussten bisher in Parkhäusern behandelt werden, da auch die Krankenhäuser des Landes vielfach beschädigt wurden. Die Regierung hat inzwischen damit begonnen, noch nicht identifizierte Todesopfer in Massengräbern beizusetzen. Der drohende Ausbruch von Seuchen mache dies nötig, hieß es.

Mehrere Länder haben Suchteams und Hilfsgüter in das betroffene Gebiet entsandt. Staatsminister Ludger Volmer will nach Angaben des Auswärtigen Amtes in den kommenden Tagen in das Erdbebengebiet reisen, um unter anderem ein Notlazarett des Deutschen Roten Kreuzes zu übergeben. Weitere Unterstützung wurde unter anderem auch von den USA, Spanien, Großbritannien, Japan und Taiwan angekündigt.

Zwei Überlebende geborgen

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Mehr als 48 Stunden nach dem verheerenden Erdbeben ist es Rettungsmannschaften in der Stadt Santa Tecla westlich von San Salvador gelungen, zwei Menschen lebend zu bergen. Eine Frau und ein Mann sowie zwei Hunde seien unabhängig voneinander unter tonnenschweren Erdschichten gefunden worden. Nach offiziellen Angaben zählten die Helfer in El Salvador bislang 609 Tote und rund 2400 Verletzte. Die Regierung des Landes befürchtet jedoch, dass die Zahl der Opfer weiter steigen wird. Bislang gehe man von 1500 Vermissten aus, sagte Vizepräsident Carlos Quintanilla. 20.000 Menschen seien obdachlos.

Präsident Francisco Flores rief die Bevölkerung seines Landes unterdessen zu Ruhe und Besonnenheit auf. "Mit jeder Stunde steigt die Zahl der Toten", sagte er. "Jede Generation unseres Landes hat sich einem Unglück zu stellen", sagte Flores, "aber wir sind stoische Menschen und verlieren die Hoffnung nicht."



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